Nur die wenigsten Arbeitnehmer in Deutschland sind mit ihrem Chef rundum zufrieden. Aber es ist immer leichter Kritik zu üben, als die Sache selbst besser zu machen. Hier finden Sie heraus, ob Sie die nötigen Führungskompetenzen besitzen, um im Job als Vorgesetzter erfolgreich zu sein.

Der Chef ist schuld

Schlechte Chefs kosten die deutsche Volkswirtschaft bis zu 105 Milliarden Euro jährlich, behauptet das Beratungsunternehmen Gallup in seinem aktuellen Engagement Index. Für einen Großteil der deutschen Arbeitnehmer ist das vermutlich nicht weiter verwunderlich. Immerhin machen 70 Prozent von ihnen nur Dienst nach Vorschrift und fühlen sich mit ihrem Unternehmen nicht weiter verbunden. Weitere 15 Prozent haben innerlich sogar bereits gekündigt. Schuld ist mal wieder der Chef. Denn wie lange Mitarbeiter im Unternehmen bleiben und wie produktiv sie in dieser Zeit sind, hängt in erster Linie vom Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten ab.

Machen Sie den Job besser?

Nun ist es keine große Kunst, sich über den Chef zu beschweren. Aber Hand aufs Herz: Könnten Sie den Job besser machen? Wer jetzt im Brustton der Überzeugung „ja“ sagt, schätzt seine Fähigkeiten womöglich falsch ein. Das tun im Übrigen die meisten Führungskräfte. Ganze 97 Prozent der Chefs sind sich laut Gallup Studie ihrer Defizite nicht bewusst und halten sich selbst für eine gute Führungskraft. Doch wenn zwei von drei Arbeitnehmern zu Protokoll geben, im Laufe ihres Arbeitslebens mindestens einmal unter schlechter Führung gelitten zu haben, ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild deutscher Leitwölfe doch ziemlich deutlich. Bevor Sie also Ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen wollen, sollten Sie sich intensiv mit der Frage beschäftigen, was gute Führung ausmacht.

Ein guter Chef muss die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter kennen

Marco Nink, Senior Practice Consultant bei Gallup, sagt zum Beispiel: „Es ist die Aufgabe einer Führungskraft, die individuellen Leistungspotenziale der Mitarbeiter freizusetzen und zur Entwicklung des Einzelnen beizutragen. Es gilt herauszufinden, was ein Mitarbeiter gut kann und mag und wie er dementsprechend eingesetzt werden kann – dies lässt sich am besten im Gespräch herausfinden.“ Doch laut aktuellem Engagement Index hat nur gut jeder zweite Mitarbeiter (56 Prozent) in den letzten zwölf Monaten überhaupt einmal mit seinem Vorgesetzten über seine Leistungen gesprochen.

Ein guter Chef muss Fehler erlauben und Vorbild sein

Simon Sinek ist Management-Visionär und Autor. Er sagt: „Große Anführer sind wie gute Eltern. Sie wollen ihren Leuten Möglichkeiten, Bildung, gegebenenfalls Disziplin bieten, ihr Selbstvertrauen stärken, Versuche und Fehlschläge erlauben, so dass sie mehr erreichen können.“ Alexander Groth, ein weiterer Experte für Leadership, setzt die eigene Überzeugung an die erste Stelle. „Führungskräfte sollten integer handeln, also so, wie es ihren Überzeugungen entspricht. Sie sollten sagen, wofür sie stehen, und zu dem stehen, was Sie sagen. Das drückt sich in den eigenen Werten aus. Wenn eine Führungskraft will, dass ihre Mitarbeiter sich so verhalten, wie sie es von ihnen erwartet, muss sie drei Dinge tun: 1. Es vorleben. 2. Es vorleben. 3. Es vorleben.“

Ein guter Chef muss für das gemeinsame Ziel motivieren

Laut Dr. Urs Frei, Dozent an der Universität St. Gallen, ist Führung die Aufgabe, eine Richtung vorzugeben, andere im Sinne eines gemeinsamen Ziels zu beeinflussen, zu motivieren, zum Handeln zu bringen und sie für ihre Leistung in die Verantwortung zu nehmen. Besonders wichtig hierzu seien neben der fachlichen Qualifikation auch die menschlichen Qualitäten sowie die sozialen Fähigkeiten – oder anders ausgedrückt: die Führungskompetenzen. Sollten Sie an Ihren eigenen Führungskompetenzen zweifeln, finden Sie mit diesen von Frei entwickelten Checkfragen heraus, ob Sie das Zeug zum Chef haben:

Checkfragen zur Führungskompetenz

  • Vorbildfunktion: Sehen mich meine Mitarbeiter als Vorbild? Weshalb?
  • Überzeugungsfähigkeit: In welchen Situationen gelingt es mir gut, andere zu überzeugen?
  • Durchsetzungsfähigkeit: Wie gut kann ich mich durchsetzen?
  • Konfliktfähigkeit: Wie gut gelingt es mir, Schwieriges anzusprechen, Nein zu sagen und meine Meinung ehrlich zu äußern? Wie steht es um meine Kommunikationsfähigkeit in Konflikten?
  • Begeisterungsfähigkeit: Wie gut kann ich andere begeistern?
  • Coachingfähigkeit:   Kann   ich   lösungsorientiert denken und positives Feedback geben?
  • Ergebnisorientierung: Wie gut habe ich den Prozess zur Zielerreichung im Griff (inklusive Zielsetzung)?
  • Zukunftsorientierung: Wie erfolgreich bin ich darin, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Kundschaft und den Geschäftspartnern Visionen aufzuzeigen und sie dafür zu begeistern?
  • Entscheidungsfähigkeit: Wie entscheidungsfähig bin ich in meiner Rolle als Führungsperson? Habe ich Mut zu Veränderungen? Und bin ich bereit, Risiken einzugehen?

 


Quellen: https://www.alexandria.unisg.ch/246332/

http://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx

http://www.business-wissen.de/hb/was-gute-fuehrung-ausmacht/

Bildquelle: © YURALAITS ALBERT, Shutterstock.com