Alle Jahr wieder nehmen wir uns vor, besser zu werden. Besser im Sinne der Gesundheit, unserer sozialen Verpflichtungen und der eigenen Achtsamkeit. Doch ist es wirklich sinnvoll, das Jahr gleich mit einer ambitionierten To-Do-Liste zu beginnen? Wir erklären mit einem Augenzwinkern warum man die Sache mit den guten Vorsätzen nicht allzu ernst nehmen sollte.

 Gute Vorsätze für die kommenden zwölf Monate zu fassen, ist inzwischen eine liebgewonnene Jahreswechseltradition der Deutschen. Doch macht sie auch Sinn? Laut einer aktuellen Befragung des Meinungsforschungsinstitutes Forsa werfen 50 Prozent der Befragten ihre Besserungsvorhaben schon innerhalb der ersten drei Monate wieder über Bord – Frauen übrigens schneller als Männer. Vielleicht, weil sie erkannt haben, dass es sich ohne den jährlichen Leistungsdruck hinsichtlich mentaler, sozialer und gesundheitlicher Perfektion entspannter leben last.

Nichts Neues auf den Top10-Listen der guten Vorsätze

Fakt ist: Wirklich originell sind wir Deutschen nicht gerade in dem, was wir uns für das neue Jahr vornehmen. Die Top10-Liste der guten Vorsätze für 2016 birgt mal wieder keine Überraschungen und existiert in dieser Konstellation schon seit einigen Jahren – mit marginalen Unterschieden bei den Einzelplatzierungen. Mal liegt eben die Stressvermeidung ganz vorn, mal die gesunde Ernährung oder der Sport. Vorhaben, wie etwa zu Fuß zum Nordpol zu wandern, mit einem Wal zu tauchen oder Pole Dancing zu lernen, findet man hingegen selten. Und nicht nur unser geringes Durchhaltevermögen und die mangelnde Kreativität bei den Zielsetzungen macht das Vorsatzritual im Grunde überflüssig. Manchmal leidet sogar unser Umfeld unter den Optimierungsplänen. Hier fünf Beispiele:

1: Weniger Stress und mehr Zeit für mich

Mit 62 Prozent wurde der Stress-Abbau zum Nummer1-Vorsatz 2016 gewählt. Ein Vorhaben, das sich nur bedingt umsetzen lässt, denn der persönliche Stress-Level wird von so vielen Faktoren beeinflusst, dass es schon wieder stresst, diese alle zu benennen oder gar zu eliminieren. Vor allem im Arbeitsalltag bedeutet weniger Stress für mich meist mehr Stress für die anderen – von denen ja laut Umfrageergebnis knapp zwei Drittel das gleiche hehre Ziel haben. Sie sehen, hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Einher mit weniger Stress geht im Übrigen auch der Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst. Immerhin 51 Prozent der Befragten haben sich dieses Ziel gesetzt. Da es aber an Ungenauigkeit kaum zu überbieten ist, wird die Umsetzung auch 2016 scheitern. Besser, man plant konkrete Projekte, die einem am Herzen liegen. Pole Dancing, vielleicht?

2: Mehr Zeit mit der Familie und Freunden

In unserem Hektik- und Stress-Lifestyle sind wir oft der Meinung, unser soziales Umfeld zu vernachlässigen. 61 Prozent der Befragten haben sich daher vorgenommen, im kommenden Jahr mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu bringen. Ob das auch deren Wunsch ist, sei nun dahingestellt. Wer aber das gut geschmierte Familienalltagsgefüge durch vermehrte spontane und unerwartete Anwesenheit durcheinanderbringt oder Freunde mit wöchentlichen Essenseinladungen unter Zugzwang setzt, verursacht vor allem eines: mehr Stress bei den anderen und damit das Risiko, das Vorsatz Nummer Eins schon nach drei Wochen scheitert.

3: Mehr Sport und Bewegung im Leben

Zugegeben, der Blick in den Spiegel tut weh. Der feiertagsbedingte Kalorienüberschuss durch Plätzchen, Stollen, Glühwein und ganz viel Gans mit Rotkohl hat nachweislich Spuren hinterlassen. 59 Prozent der Befragten haben sich daher vorgenommen, dem Hüftgold mit Sport zu Leibe zu rücken. Und überhaupt ist regelmäßige Bewegung – erst recht an der frischen Luft – gut für die Gesundheit und schlecht für den Stress. Also los geht’s! Natürlich muss erst das passende Equipment an Sport- und Funktionskleidung besorgt werden. Ein bisschen extrinsische Motivation kann schließlich nicht schaden. Dann kommt die Schlecht-Wetter-Periode im Februar, in der man keinen Hund vor die Tür schicken mag und sich selbst am Allerwenigsten. Im März wackelt Vorsatz Nummer Eins, weil eine Grippe-Welle die Hälfte der Kollegen ans Bett fesselt. Der Sport muss warten – meist bis zum nächsten fröhlichen Vorsatzfassen im Dezember.

4: Gesünder essen

Für diesen Vorsatz ist der Jahreswechsel eigentlich der beste Zeitpunkt. Nach Wochen der Völlerei und Schlemmerei haben 51 Prozent das dringende Bedürfnis, sich ab sofort gesund zu ernähren. Ein Blick in die Fachliteratur und zack – schon kommt wieder Stress auf. Zwischen Paleo, Metabolic Balance, Duken, FdH, Weightwatchers, Basenfasten und gefühlt zweihundert weiteren Möglichkeiten der Ernährungsumstellung soll eine Entscheidung getroffen werden? Unmöglich. Zumal auch andere Familienmitglieder durch die Wahl in Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht jeder mag Quinoa, Tofu oder Buchweizen. Am Ende kocht jeder sein eigenes Süppchen – wann und womit er will – und statt mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, sitzt man allein am Esstisch. Übrigens wollen nur 14 Prozent im kommenden Jahr auf Alkohol verzichten. Weise Vorausahnung?

5: Sparsamer sein

Wer schon die Vorsätze drei und vier auf seiner Liste stehen hat, wird feststellen, dass die Erfolgschancen beim Sparen damit äußerst gering sind. Hightech-Laufschuhe und funktionelle Sportkleidung sind teuer, gesundes Essen meist auch. Immerhin 31 Prozent der Befragten wollen im kommenden Jahr sparsamer leben – entgegen dem Trend, den die GfK in ihrer aktuellen Konsumklimastudie ermittelt hat. Demnach herrscht bei den meisten Deutschen 2016 Shopping-Lust statt Shopping-Frust, die auch bei größeren Anschaffungen, wie Autos, Möbel oder teure Urlaubsreisen anhält. Wer sich tapfer dem allgemeinen Kaufrausch entziehen will, sollte sich daher ganz konkrete Sparziele setzen und sich schon einmal für die Diskussion mit den restlichen (kauffreudigen) Familienmitgliedern wappnen.

Quellen: www.sz.de; www.gfk.com


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