22.03.2012 -

Ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz. Doch leider ist die Beziehung zum Chef häufig sehr belastend und vor allem, wenn der Chef sich unfair verhält, fühlen wir uns als deren Angestellte oft ausgeliefert.

Sie wollen nichts Falsches tun oder sagen, denn immerhin ist er (oder sie) Ihr Chef (oder eben die Chefin) und damit in der Hierarchie über Ihnen. Sie müssen sich aber auch nicht alles gefallen lassen. Martin-Niels Däfler hat sich unter anderem genau mit diesem Thema beschäftigt und stellt in seinem Buch „Karriereführerschein“ (Campus Verlag) nützliche Methoden vor, um mit den schwierigen Chefs zurechtzukommen.

Cholerischen Chefs mit Selbstbewusstsein begegnen

Ihr Chef rastet regelmäßig aus, tobt und schimpft? Diesem Typ müssen Sie die Stirn bieten. Wenn Sie Ziel einer seiner Anfälle werden, stehen Sie auf und stellen sich aufrecht hin. Blicken Sie ihm oder ihr selbstbewusst in die Augen anstatt in die Opferhaltung zu gehen und wegzuschauen. Zu Ihrer Beruhigung: Choleriker meinen es oft nicht persönlich und haben ihre Attacken meist selbst schnell vergessen.

Besserwisser wollen gelobt werden

Besserwisser suchen Anerkennung. Sie erreichen viel, wenn Sie diesem Chef oft zustimmen („Ja, ganz richtig“) oder vorsichtig loben („Das ist ein guter Vorschlag“). Aber nicht übertreiben. Wollen Sie einen Besserwisser überzeugen, so müssen Sie Fakten liefern, denen er nicht widersprechen kann. Alles, was Sie vortragen, muss allerdings gut und stichhaltig begründet sein.

Autoritäre Chefs brauchen Zustimmung

Autoritäre Chefs dulden keinen Widerspruch und erwarten, dass man sich nach ihren Anweisungen richtet. Wenn Sie das nicht dauerhaft können, dann versuchen Sie es mit folgender Strategie: Fragen Sie Ihren Chef gelegentlich um Rat und holen Sie seine Meinung ein. Häufig wird er ein solches Verhalten schätzen und Ihnen mehr Freiraum schenken.

Kontrollwütige Chefs mit Informationen versorgen

Der kontrollwütige Chef will über jeden noch so kleinen Schritt informiert werden und delegiert wenn überhaupt nur banales Zeug. Wenn Sie selbstständiger arbeiten wollen, müssen Sie das Vertrauen Ihres Chefs gewinnen. Das geht einerseits durch möglichst fehlerfreie Arbeit und andererseits durch permanente Informationen. Geben Sie diesem Chef ständig Feedback über Ihre Arbeitsfortschritte, denn dann bekommt er das Gefühl von Sicherheit.

Vorsicht mit Kritik

Reizen Sie schwierige Chefs nicht zusätzlich durch Kritik, selbst wenn Sie es besser wissen. Diplomatischer ist es, wenn Sie Ihre Kritik oder den Verbesserungsvorschlag als Frage formulieren, z.B. „Was halten Sie davon, wenn wir das Vorgehen etwas ändern, und zwar…“. Erwarten Sie aber kein uneingeschränktes „Ja“ auf Ihre Empfehlung.

Lösungen anbieten

Chefs mögen keine Sorgenkinder, sondern Mitarbeiter, die mitdenken und Lösungsvorschläge machen. Wann immer Sie also ein Problem identifiziert haben, machen Sie sich auch Gedanken zur Lösung, bevor Sie damit zum Chef gehen.

Stellen Sie Fragen, um Unklarheiten zu vermeiden

Chefs, denen man es nie recht machen kann, geben oft zu wenige Anweisungen. Deshalb: Fragen Sie nach, was Sie genau bis wann erledigen sollen. Je mehr Informationen Sie haben, desto weniger können Sie falsch machen und desto weniger Anlass für Kritik gibt es. Finden Sie generell heraus, wie Sie Ihren Job machen sollen, damit Ihr Chef zufrieden ist.

Einen neutralen Außenstehenden hinzuziehen

Wenn Sie mit dem Verhalten Ihres Chefs nicht klarkommen oder ein spezielles Problem haben, können Sie sich zunächst an einen vertrauensvollen Kollegen wenden, möglichst aus einer anderen Abteilung. Erzählen Sie ihm sachlich von der Situation und bitten Sie um seine Einschätzung.

Ziehen Sie die Konsequenzen

Wenn alle Maßnahmen versagen und Ihnen die tägliche Fahrt zur Arbeit regelrecht zur Qual wird, dann sollten Sie die Notbremse ziehen. Es nutzt nichts, wenn Sie täglich acht oder mehr Stunden mit Bauchschmerzen bei der Arbeit verbringen. Ziehen Sie also die Konsequenz und wechseln Sie die Abteilung oder das Unternehmen.

Bei Mobbing rechtlichen Rat einholen

Sollte das Verhalten Ihres Chefs Formen annehmen, die unter den Tatbestand Mobbing fallen, dann sollten Sie sich unbedingt Rat vom Anwalt – und vielleicht auch vom Psychologen – holen. Ganz wichtig: Halten Sie alle Vorgänge, die aus Ihrer Sicht nicht korrekt waren, schriftlich fest. Je detaillierter Ihre Dokumentation ist, desto größer sind Ihre Erfolgsaussichten vor dem Arbeitsgericht.

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