Frauen in Führungspositionen. Da fallen einem Namen wie Angela Merkel, Hillary Clinton oder Christine Lagarde, die Chefin des IWF ein. In der Popkultur gibt es Madonna, Lady Gaga oder Beyoncé Knowles, die Feminismus und Frauenrechte immer wieder thematisieren. Historisch gesehen wären z. B. Elisabeth I oder auch Jeanne d’Arc zu nennen. Als Leser fällt Ihnen schon auf: Bei diesem Thema geht es sehr divers zu. Jede dieser Frauen hat bzw. hatte ihre ganz eigene Agenda – gemeinsam haben sie lediglich ihr Genus, ihr Geschlecht und noch etwas anderes: Sie sind alle leider immer noch Ausnahmen – Ausnahmen in der männlichen Dominanz in den Führungsetagen. Und diese lässt sich statistisch beweisen. Hierzu reicht es, sich die Aufsichtsratsvorsitzenden der größten deutschen Unternehmen im DAX anzuschauen. Genau eine Frau findet sich dort, nämlich Simone Bagel-Trah, Aufsichtsratsvorsitzende des Konsumgüterherstellers Henkel.

Deutschland im Hintertreffen

Hier besteht Handlungsbedarf, das hat auch die Politik erkannt und 2015 nach Vorlage durch die Ministerin Manuela Schwesig ein Gesetz verabschiedet. Ab 2016 nun sollen die 108 größten börsennotierten Unternehmen eine Frauenmindestquote von 30 Prozent in ihren Aufsichtsräten erfüllen – und sich selbst eine verbindliche Quote für Frauen in Führungsebenen auferlegen. Der zweite Punkt gilt auch für die 3.500 nächstplatzierten mittelgroßen Unternehmen. Damit gibt es nun erstmals in Deutschland eine gesetzliche Regelung zur Frauenquote in Führungspositionen – auch, wenn ein Nichterfüllen nicht mit harten Zwangsmaßnahmen des Staates geahndet wird. Es ist ein wenig beschämend für die Bundesrepublik, dass ein solches Gesetz im Vergleich mit anderen Ländern wie Norwegen (seit 2004) Frankreich (seit 2014) oder Italien (seit 2012) erst so spät erfolgt ist. Einer der Gründe: Mit Quoten-Forderungen macht man sich politisch i. d. R. keine Freunde.

Warum Frauen gut führen können … und Männer auch

Dabei bringt eine höhere Diversität Vorteile mit sich. Vermeintliche Fakten wie die immer gern wiederholten, dass Frauen schlechter einparken und Männer einfach nicht zuhören können, sind nichts als populäre Plattitüden. Entweder man kann einparken oder man hat es nicht gelernt. Entweder hat man die Fähigkeit, in Gesprächen zuzuhören, oder man hat sie eben nicht. Ob man Besitzerin eines Busens ist oder einen Penis sein Eigen nennt, ist da völlig unerheblich. Diese Prämisse gilt nicht nur für Führungskräfte sondern in jedem anderen Bereich. Umso erstaunlicher, dass die Lohnlücke zwischen Mann und Frau bei vergleichbaren beruflichen Tätigkeiten und Qualifikationen heutzutage immer noch acht Prozent beträgt und Frauen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts seit Jahren ca. 20 Prozent weniger als Männer verdienen. Auch hier scheint Bedarf nach einem Gesetz zu bestehen.

Starke Frauen, starke Dividende – Führungsfrauen fördern

Insofern ist es nur gerecht, wenn über die Quotenregelung versucht wird, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Rein statistisch betrachtet, bringen Führungsfrauen dem Unternehmen erhöhte Gewinne ein. Über die vergangenen Jahre betrachtet, erbrachten die größten Unternehmen mit 40 Prozent Frauenanteil oder mehr eine wesentlich höhere Gesamtrendite als Unternehmen derselben Größenordnung mit stark dominanter maskuliner Führungsstruktur. Die Top-4 erreichten Dividenden, die gut 50 bis knapp 100 Prozentpunkte höher lagen als die Steigerungsrate des DAX.

Die bisher vorzufindende Ungerechtigkeit hat sicher ihre begründeten Ursachen (so ist z. B. Kindererziehung, Elternzeit u. a. trotz gesellschaftlichen Fortschritten immer noch größtenteils „Frauensache“), dennoch denken immer mehr Firmen um. Frauen in Führungspositionen begründen Netzwerke, und versuchen, jungen, aufstrebenden Frauen als Mentoren zur Seite zu stehen. Ob es die Käte Ahlmann-Stiftung des Verbands Deutscher Unternehmerinnen ist oder die Webgrrls, ein eingetragener Verein von und für Frauen, die in den digitalen Medien arbeiten: Es geht voran. Wo früher Männerbünde die Posten verteilten, müssen Ausschreibungen heute geschlechtsneutral formuliert sein. Und auch private Bildungsanbieter wie WBS Training haben den großen Markt entdeckt und bieten spezielle, auf die Förderung von weiblichen Führungskräften ausgerichtete, Kurse an.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die jahrzehntelange Arbeit der unterschiedlichen Interessengruppen und der gesunde Menschenverstand langsam erfolgreich durchsetzen. Eine hundertprozentige Gleichberechtigung ist zwar noch lange nicht erreicht, aber immerhin ist man auf einem guten Weg. Und so ist das, der o. g. Frau Ahlmann zugeschriebene, Zitat aus dem Jahr 1958 immer noch aktuell: „Ob mir ein Mann einen Sitz in der Straßenbahn anbietet, ist mir egal. Er soll mir einen Sitz in seinem Aufsichtsrat anbieten!“

 


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