28.10.2009 -

Wahrscheinlich kennt jeder dieses furchtbare Sonntagabend-Gefühl. Und Sie wissen auch, was dafür verantwortlich ist: die beunruhigende Aussicht auf den Job am nächsten Tag. Doch kann Stress am Arbeitsplatz auch Ihre Gesundheit beeinträchtigen?

Dem Gesundheitspsychologen und unabhängigen Gutachter Professor Robert Edelmann zufolge, ist das sogar sehr wahrscheinlich.

“Stress am Arbeitsplatz kann zu erhöhtem Blutdruck, Kopfschmerzen und Migräne, Magenproblemen wie dem Reizdarmsyndrom oder Geschwüren und anderen, unspezifischeren Beschwerden führen”, berichtet er. “Das können etwa Brustschmerzen sein, die nicht vom Herzen herrühren, oder auch das chronische Erschöpfungssyndrom. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Stress eine massive Belastung für den Körper darstellt.”

Was sind also die Hauptursachen für Stress am Arbeitsplatz? Professor Edelmann nennt fünf Hauptgründe:

1. Arbeitspensum

Häufige Überstunden und ein Privatleben, das deutlich zu kurz kommt, sind charakteristisch für die heutigen Arbeitsverhältnisse. Professor Edelmann rät: “Wenn Ihr Problem das Arbeitspensum ist, kann es sein, dass Sie sich völlig überfordert fühlen. Dieses Gefühl geht zumeist mit zunehmender Desorganisation einher, mit der Unfähigkeit, klar zu denken, und der ständigen Sorge darüber, womit Sie anfangen sollen.”

2. Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz greift um sich. Mobbing bedeutet, dass Kollegen oder Vorgesetzte ihre Interessen mit einschüchterndem, aggressivem oder demütigendem Verhalten durchzusetzen versuchen. “Wer Mobbing erlebt”, sagt Professor Edelmann, “wird oft in die Opferrolle gedrängt. Solche Personen haben Angst, sind zornig und fühlen sich bedrückt. Oft bekommen sie gar nicht mehr richtig mit, was eigentlich passiert.”

3. Gefühl der Machtlosigkeit

Wer sich machtlos fühlt, hat in der Regel den Eindruck, keinen Einfluss auf wesentliche Entscheidungsprozesse nehmen zu können und somit letztlich seine eigene Arbeit nicht unter Kontrolle zu haben. Besonders häufig tritt dies bei Menschen auf, die viele Überstunden machen und ein hohes Arbeitspensum zu bewältigen haben.

4. Arbeitsplatzsicherheit

Wer seinen Arbeitsplatz in Gefahr sieht, strengt sich mehr an, in der Hoffnung, seine Stellung zu sichern. Das kann zu noch mehr Stress führen und birgt die Gefahr der totalen Erschöpfung.

5. Mangelnde Unterstützung

Wer keine Unterstützung von seinen Vorgesetzten bekommt, ist oft ängstlich und fühlt sich isoliert.

Professor Edelmann ist der Ansicht, es sei gleichgültig, woher der Stress am Arbeitsplatz rühre, die Symptome seien praktisch immer die gleichen. “Was sich unterscheidet, sind die Dinge, die Menschen belasten — worüber sie nachdenken und was sie beschäftigt. Doch was dann geschieht, ist in der Regel dasselbe: Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Abgeschlagenheit und Müdigkeit, zunehmend gefolgt von ernsteren gesundheitlichen Problemen.”

“Viele Menschen”, so Professor Edelmann, “reagieren darauf mit genau den Verhaltensweisen, die sie eigentlich vermeiden sollten. Sie weigern sich anzuerkennen, dass überhaupt ein Problem besteht, sie trinken und rauchen mehr, halten sich für schwach oder meinen, Stress würde nur andere betreffen.”

Was kann man dagegen tun?

Professor Edelmann rät: “Hören Sie auf Ihre Freunde und Kollegen, wenn sie Ihnen beispielsweise sagen, dass Sie gestresst wirken. Nehmen Sie, wenn nötig, einige Tage frei, denken Sie gründlich über Ihre Arbeitsbedingungen nach, und unternehmen Sie dann die notwendigen Schritte.”

“Diese hängen von der Art des Stressfaktors ab. Fühlen Sie sich bei Ihrer Arbeit zu sehr unter Druck, überlegen Sie, wie Sie Prioritäten setzen und Ihre Arbeit neu organisieren können. Haben Sie Probleme mit Mobbing und ist es nicht möglich, sich direkt mit der betreffenden Person auseinanderzusetzen, suchen Sie Unterstützung bei der Firmenleitung oder der Gewerkschaft. Sie sollten außerdem alle Vorfälle gründlich dokumentieren.”

“Sollten Sie Probleme mit dem Arbeitsumfeld, der Firmenleitung oder einem Mangel an Einflussmöglichkeit haben, versuchen Sie, sich direkt an die Verantwortlichen zu wenden. Am schwierigsten ist es wohl, mit der Angst um den Arbeitsplatz umzugehen. Hier hilft oft nur, seine Gedanken neu zu orientieren und sich an dem zu erfreuen, was man hat, anstatt sich vor dem zu fürchten, was – möglicherweise – kommt.”

“Wenn alle Stricke reißen”, sagt Edelmann, “sollten Sie sich nach einem neuen Job umsehen.”

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