Ein Gastbeitrag von Kathrin Schwerthelm.

Eines Tages mal „was mit Medien“ zu machen, davon träumen viele. Allerdings gibt es kein Patentrezept, welches einem dazu verhilft Fernsehjournalist zu werden, denn die Ausbildung ist nicht einheitlich geregelt. Doch genau darin liegt der Vorteil. Es öffnet dieses Berufsfeld für jeden, der über ein gesundes Allgemeinwissen verfügt und Interesse an aktuellen Themen hat.

Über die Jahre haben sich besonders vier Wege in den Fernsehjournalismus als besonders effektiv herausgestellt: Praktikum, Volontariat, Journalistik-Studium oder der Weg über die Journalistenschule.

Praktikum

Fast alle Fernsehformate bieten Praktikumsplätze an, bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, sowie auch bei den privaten. Allerdings sind diese sehr beliebt und somit kann es durchaus sein, dass man ein bis eineinhalb Jahre auf einen Platz warten muss. Auch muss man sich bewusst sein, dass die meisten Praktika in der Fernsehbranche unbezahlt sind. Zudem setzen viele Sender redaktionelle Erfahrung bei Bewerbern voraus, doch diese kann man leichter sammeln, als man denkt. Man kann beispielsweise Gastartikel für verschiedene Blogs schreiben, denn Gastautoren werden immer gesucht.

Bei der Praktikumswahl sollte man auf regionale Studios setzen, welche tagesaktuell Nachrichtensendungen produzieren. Diese sind meist unterbesetzt und somit werden Praktikanten bereits nach wenigen Wochen, insofern sie sich engagiert zeigen, auf eigene Drehs geschickt. Es wird hoch angesehen, wenn Praktikanten eigene Themen vorschlagen. Man sollte also regelmäßig Zeitung lesen. Wenn man beispielsweise weiß, dass in wenigen Wochen das Thema Solarsubventionen im Bundestag debattiert wird, könnte man überlegen, wie man dies rechtzeitig aufgreifen kann. Wer ist betroffen? Was sind die Folgen? Welche Politiker könnten interviewt werden? Nach einem zwei- bis dreimonatigen Praktikum häufen sich somit die eigenen Beiträge fürs Portfolio schnell an und man hat den Fuß für ein Volontariat in der Tür.

Volontariat

Das Volontariat wird in der Fernsehbranche als eine Aus-, bzw. Weiterbildung angesehen. Ein abgeschlossenes Studium wird vorausgesetzt. Es spielt jedoch keine Rolle, was man studiert hat. Ein Journalistik-Studium ist also kein Muss, um in der Medienwelt Fuß zu fassen. Volontäre werden in den meisten Fällen aus ehemaligen Praktikanten rekrutiert. Also macht es Sinn, während des Studiums ein Praktikum dort zu absolvieren, wo man anschließend einen Voloplatz anstrebt. Auch schadet es nicht, mehrere Praktika zu machen. Bei einem Volontariat werden alle Arbeitsabläufe, die mit tages- und auch nicht-tagesaktuellen Beiträgen verbunden sind, erlernt. Neben Sprechtraining wird hier auch das Texten und Schneiden der Beiträge erlernt. Des Weiteren gibt es Interview- und Aufsagertraining und eine Kameraeinführung. Diese Art von Ausbildung bietet eine sehr gute Basis für die spätere journalistische Karriere. Auch hier ist es ratsam auf regionale Studios zu setzen, da man dort mehr eingebunden wird. Als Volontär gilt es, von Anfang an Engagement zu zeigen. Man muss immer „up to date“ mit politischen, kulturellen und sportlichen Ereignissen sein.

Als Volontär muss man eine Spürnase für relevante und interessante Themen besitzen. Man sollte also, wie jeder Journalist auch, Visitenkarten bei sich tragen. Denn man weiß nie, wen man wann trifft und wer welche Geschichte zu erzählen hat. Am Ende des Volontariats sollte man über eine anschauliche Sammlung an Visitenkarten verfügen, geordnet nach Gebieten wie Kriminologie, Politologie, etc. Sollte man nicht bei dem Sender übernommen werden, kann diese Sammlung sehr hilfreich bei weiteren Vorstellungsgesprächen sein. Denn man vermittelt dem Gegenüber somit, dass man auf ein gutes Repertoire an Experten und Protagonisten zurückgreifen kann. Das A und O in der Fernsehwelt.

Journalistik-Studium

Ein Journalistik-Studium ist für viele einer der naheliegendsten Wege in den Fernsehjournalismus. Die Regelstudienzeit liegt hier bei sechs Semestern. Im Gegensatz zu Journalistenschulen allerdings wird hier das Hauptaugenmerk auf die Theorie gesetzt. Es wird erlernt aus der Metaperspektive über die Vergangenheit und Gegenwart des journalistischen Geschehens zu reflektieren. Demnach muss man neben dem Studium viel Zeit investieren, um praktische Arbeitserfahrung im journalistischen Bereich zu sammeln. Eine eher praxisorientierte Alternative bieten die Journalistenschulen.

Journalistenschule

Vorreiter in diesem Feld sind hier die Henri-Nannen Journalistenschule in Hamburg und die RTL Journalistenschule in Köln. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass auf 20-40 Plätze bis zu knapp 3.000 Bewerbungen kommen. Die Auswahlverfahren an Journalistenschulen ziehen sich über mehrere Tage hinweg und erfordern ein sehr gutes journalistisches Basiswissen, sowie auch ein überdurchschnittlich gutes Allgemeinwissen. Zu Beginn muss man meist eine selbst anrecherchierte Reportage einsenden, ein Motivationsschreiben und seinen Lebenslauf. Aus den unzähligen Bewerbungen werden die Besten dann in die nächste Runde eingeladen. Meist sind dies nicht mehr als 100 Bewerber. Wer in der nächsten Runde beim Bildertest es nicht schafft anhand von gezeigten Fotos Personen des öffentlichen Lebens zu benennen, wie beispielsweise den Investor für den insolventen Warenhauskonzern und wer nicht zu erklären weiß, wer Augustus, Augustinus und August der Starke waren, den wird die Konkurrenz blass aussehen lassen. Aber hat man es geschafft sich einen Platz an einer Journalistenschule zu ergattern, dann stehen einem alle Türen offen.

 


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