Der Chef gibt die Anweisungen, die Mitarbeiter führen sie aus. Dieses Bild der Arbeit ist längst überholt. Immer mehr Fachkräfte suchen Sinn in ihrer Arbeit und wollen früh Verantwortung übernehmen. Welche Rolle spielt da der Manager und was muss er wirklich können?

Die Führungsexpertin Martina Bandoly aus Berlin sieht eine immer wichtigere Fähigkeit von Führungskräften darin, Werte und Sinn zu vermitteln. „Nur so identifizieren sich die Mitarbeiter, was wesentlich zur Zufriedenheit beiträgt. Und nebenbei auch die Leistung positiv beeinflusst“, sagt Bandoly und meint weiter: „Doch das setzt persönliche Reife voraus, denn diese Dinge kann nur vermitteln, wer in sich ruht und selbst klare Werte hat.“

Herausforderung: Sinn vermitteln und Orientierung geben

„Die Herausforderung an moderne Führungskräfte liegt immer mehr darin, Orientierung zu geben und Sinn zu vermitteln“, meint auch Gudrun Happich, Führungsexpertin aus Köln. Für die Biologin und Inhaberin des Galileo.Instituts macht es keinen Sinn, dass viele Unternehmen von einer Führungskraft immer noch fordern zuvor Fachaufgaben zu übernehmen. Die Dreiteilung der Laufbahnen in Fach-, Projekt- und Führungskarriere hält Happich für einen ersten wichtigen Schritt, der auch den Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht würde, die hohe Erwartungen an Innovationskraft und die Expertise von Mitarbeitern stelle.

Nachhaltige Führung durch Vertrauen statt Kontrolle

Neue Anforderungen an Führung ergeben sich aus dem Wandel der Arbeitswelt. Die Arbeitswelt ist nicht nur im technologischen Bereich, sondern auch überall sonst mittlerweile so komplex, dass sie alleine von einem „Manager“ nicht mehr beherrscht werden kann. Vertrauen statt Kontrolle ist die Basis nachhaltiger Führung. Diverse Studien haben nachgewiesen, dass nicht nur Wissensarbeiter, sondern auch einfache Arbeiter und Angestellte wesentlich zufriedener und effizienter arbeiten, wenn ihre Führungskraft ihnen Verantwortung überträgt.

Vor allem den gut ausgebildeten Experten kann man keinen Manager vorsetzen, der in engmaschigen Kontrollen seine Existenzberechtigung sieht. „Ein kontrollbedürftiger, ins operative Detail schauender Manager wäre beim Management von Experten, was den Führungsstil angeht, fehl am Platze“, sagt Heiko Hoeppener, Geschäftsführer bei PI Company, die auf Personalauswahl mit Testverfahren wie Big5 spezialisiert sind.

Was müssen Führungskräfte im Arbeitsalltag beachten? Die Professionals für Führung des Netzwerks Karriereexperten.com geben hier die besten Tipps.

Seien Sie klar!

„Führung hat für mich ganz viel mit Klarheit zu tun. Heute hüh, morgen hott – das macht Führungskräfte angreifbar und verunsichert die Mitarbeiter. Dabei sollten sie doch Vorbild sein. Seien Sie wertschätzend und respektvoll zu Menschen, aber hart in der Sache. So schaffen Sie Vertrauen, sind berechenbar und es gelingt Ihnen, Ihre Mitarbeiter mitzunehmen“, meint Boris Lamour aus Köln.

Besser zuhören als reden!

„Ich erlebe oft, dass Führungskräfte zu viel reden. Es gibt das so genannte „Management by Walking around“, das schult das offene Ohr für die Mitarbeiter. Nicht umsonst haben wir zwei Ohren und nur einen Mund. Das sollten wir uns insbesondere in der Führung bewusst machen und viel mehr Fokus auf das Zuhören als auf das Reden legen“, erklärt Claudia Salowski aus Weimar an der Lahn.

Verbessern Sie sich immer weiter!

„Führung ist ein Handwerk, das man lernen muss und verfeinern kann. Als Führungskraft ist es wichtig, seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten immer zu überprüfen und weiter zu verbessern“, sagt Gudrun Happich aus Köln.

Fehler machen und dazu stehen!

„Leider herrscht in Unternehmen oft die Tendenz, Fehler zu verdecken. Dabei ist nichts wichtiger als eine gesunde Fehlerkultur in der Führung. Fehler dürfen gemacht werden, dazu stehen gehört dazu. Wichtig ist aber Fehler zu reflektieren und daraus zu lernen“, so Heiko Hoeppener von PI Company, Berlin und Düsseldorf.

Situatives Führen!

Heiko Hoeppener erklärt: „Verschiedene Mitarbeiter benötigen auch eine unterschiedliche Art von Führung. Passen Sie Ihren Führungsstil an, je nach Situation und Grad der Eigenverantwortung des Mitarbeiters.“

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