Dass ein Bewerber mit einem Vorstellungsgespräch rundum zufrieden ist, kommt selten vor. Kaum raus aus der Höhle des Löwen, beginnt der Kandidat seine Performance äußerst kritisch zu analysieren. Das ist auch gut so, denn aus Fehlern kann man bekanntlich lernen. Lesen Sie hier, was Sie beim nächsten Mal besser machen können.

Wie hoch war mein äh-Verbrauch beim Reden? Habe ich Blickkontakt gehalten? War mein Gehaltswunsch doch ein bisschen zu ambitioniert? Und warum nur habe ich dem Personaler meinen Spitznamen verraten? Ein selbstkritisches Resümee „danach“ ist durchaus angebracht. Denn allein mit dem olympischen Motto „Dabei sein ist alles“ werden Sie nicht weit kommen. Doch das ist kein Grund zur Panik. Personaler erwarten keine Perfektion. Schließlich will das Unternehmen einen Menschen, keinen Androiden einstellen. Wenn Sie also ein Bewerbungsgespräch mal so richtig in den Sand gesetzt haben, machen Sie trotzdem etwas daraus: Lernen Sie aus Ihren Fehlern!

Sie waren zu nervös, um souverän zu sein.

Herzklopfen, Schweißausbruch und hilfloses Gestammel? Vor lauter Aufregung waren Sie meilenweit davon entfernt, einen selbstsicheren und souveränen Auftritt hinzulegen. Beschließen Sie vor dem nächsten Bewerbungsgespräch doch einfach einen gedanklichen Rollentausch. Nicht Sie sind der Bewerber; das Unternehmen bewirbt sich bei Ihnen und Sie entscheiden nach Ihren eigenen Kriterien, ob Sie Ihre Fähigkeiten, Ihre Zeit und Ihr Knowhow in seine Dienste stellen wollen. Dieser Gedanke gibt Ihnen beim nächsten Mal garantiert ein besseres Gefühl. Sollte sich die Aufregung damit nicht in den Griff bekommen lassen, kann ein professionelles Rhetorik- oder Bewerbungstraining zu einem sicheren Auftreten verhelfen.

Sie waren nicht richtig bei der Sache.

Wenn Sie unkonzentriert, müde oder abgelenkt sind, können Sie nicht ihr Bestes geben. Auch dem Personaler wird es auffallen, wenn Sie nicht zu hundert Prozent aufmerksam sind. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Sie waren am Vorabend lange aus und haben nicht ausreichend geschlafen. Zum Frühstücken fehlte die Zeit, jetzt knurrt ihnen der Magen. Sie sind gesundheitlich angeschlagen oder fühlen sich unwohl, weil die Kleidung nicht sitzt. Ein Vorstellungsgespräch sollten Sie nicht einfach irgendwo im Terminkalender „einschieben“. Nehmen Sie sich genügend Zeit, um ausgeruht und fit für den Termin zu sein. Bei gesundheitlichen Problemen bitten Sie besser um eine Verschiebung, statt sich womöglich mit Fieber und Kopfschmerzen durch das Gespräch zu quälen. Ihr Outfit tragen Sie Probe, um sicher zu sein, dass Sie sich darin wohlfühlen.

Sie waren nicht überzeugend genug.

Tief in Ihrem Inneren wissen Sie, dass dieser Job wie gemacht für Sie ist. Nur den Personaler konnten Sie davon nicht überzeugen. Ihr gutes Bauchgefühl kann er ja nicht spüren. Versuchen Sie deshalb, Ihre innere Überzeugung in klare Worte zu fassen – schon vor dem Gespräch. Warum wollen Sie den Job? Warum können Sie den Job? Wenn Sie Ihre Argumentation schon einmal schriftlich formuliert haben, fällt es Ihnen leichter, im Bewerbungsgespräch die überzeugenden Worte zu finden. Wichtige Zahlen und Fakten sollten Sie sich ebenfalls einprägen. Überlegen Sie sich außerdem, mit welchen anschaulichen Beispielen Sie Ihre Argumentation untermauern können.

Sie wirkten gelangweilt.

Langweile ich Sie? Als der Personaler Sie das gefragt hat, wussten Sie, dass Sie wieder gehen können. Dabei haben Sie doch nur hochkonzentriert auf Ihre Schuhspitzen gestarrt, als der Personaler vom Engagement des Unternehmens in Mittelamerika berichtete. Suchen Sie beim nächsten Mal lieber Blickkontakt um zu signalisieren, dass Sie aufmerksam zuhören. Machen Sie sich Notizen, so dass Sie später auch gezielt nachfragen können. Interesse zeigen Sie auch, indem Sie sich sehr gut vorbereiten. Recherchieren Sie im Vorfeld gründlich über das Unternehmen – über seine Struktur, Historie, die Produkte & Dienstleistungen. Scannen Sie auch die News, um über aktuelle Entwicklungen im Bilde zu sein.

Sie haben nicht auf Ihre Körpersprache geachtet.

Dass Sie unentwegt auch mit Mimik und Gestik kommunizieren, wissen Sie. Trotzdem hatten Sie während des Gesprächs andere Dinge im Kopf, als die Position Ihrer Handflächen und den Winkel der Knie zu überprüfen. Tatsächlich verlangt es einiges an Übung, um Körpersprache bewusst einzusetzen, ohne dabei einen allzu verkrampften Eindruck zu hinterlassen. Diese Übung sensibilisiert und Sie werden sich der eigenen Körperhaltung besser bewusst: Beobachten Sie am besten zu zweit andere Menschen, zum Beispiel Passanten in einer Einkaufsstraße oder Gäste eines Cafés. Beschreiben Sie sich gegenseitig so genau wie möglich die Mimik und Gestik ihrer Mitmenschen. Dann überlegen Sie sich, was diese gerade denken oder sagen könnten.

Sie waren zu fordernd

In dem Bestreben, möglichst selbstsicher zu wirken, sind Sie ein wenig über das Ziel hinausgeschossen und haben von sich aus Gehaltsforderungen gestellt, bei denen dem Personaler kurzzeitig die Sprache wegblieb. Beim nächsten Mal warten Sie, bis der Personaler das Thema Entlohnung anspricht. Sie informieren sich im Vorfeld über ein angemessenes Gehalt, indem Sie vergleichbare Löhne für Ihre Position, die Branche, die Region und das Unternehmen recherchieren. So vermeiden Sie unrealistische Forderungen. Seien Sie zudem offen für Kompromisse (geldwerte Vorteile) und stellen Sie nicht schon im Bewerbungsgespräch kleinkarierte Bedingungen, etwa zu Spesenabrechnungen, Freizeitausgleich oder Firmenwagen.

 


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