Auf kritische Fragen im Vorstellungsgespräch ist man als Bewerber in der Regel gut vorbereitet. Doch auch im Joballtag kann uns der Chef mit unerwarteten oder vermeintlich unverfänglichen Fragen ins Schleudern bringen. Anhand von einigen Beispielen zeigen wir Ihnen, wie Sie souverän antworten.

Ob bewusst subtil gestellt oder ohne böse Hintergedanken – hinter der einen oder anderen Frage vom Chef kann schon mal ein Fettnäpfchen lauern. Reagieren Sie zum Beispiel zu emotional oder zu vertrauensselig, hat das eventuell negative Auswirkungen auf Ihre Karriere. Denn jede Kommunikation mit dem Vorgesetzten beeinflusst, wie Sie von ihm wahrgenommen werden. Das sollten Sie vor allem bei vermeintlich informellen Gesprächen, zum Beispiel auf Firmenfeiern oder bei Treffen außerhalb des Büros, im Hinterkopf behalten.

„Warum gehen Sie bei der Planung von einer Umsatzsteigerung von zwei Prozent aus?“

Wieso, weshalb, warum? Mit diesen Fragen signalisiert Ihr Chef – bewusst oder unbewusst – dass ihm etwas nicht passt. Er hätte ja auch fragen können: „Mit Hilfe welcher Kennzahlen haben Sie eine Umsatzsteigerung von zwei Prozent errechnet?“ Indem er aber fragt, warum es so ist und nicht anders, gibt er ihnen gleichzeitig zu verstehen, dass „anders“ in seinen Augen die bessere Vorgehensweise gewesen wäre. „Warum-Fragen schaffen leicht eine Situation, in der der Befragte sich verhört fühlt und meint, sich rechtfertigen zu müssen“, erklärt FOCUS-Online-Experte Andreas Patrzek. Folglich reagiere der „Angeklagte“ mit Ausreden, Abwehr oder Verteidigung. Das können Sie vermeiden, indem Sie ruhig und sachlich bleiben. Überlegen Sie, welche Fakten zur Ihrer Entscheidung / Vorgehensweise geführt haben und liefern Sie Ihrem Chef eine schlüssige Argumentation. Als kommunikatives Sahnehäubchen fragen Sie ihn, ob er eine andere Vorgehensweise empfehlen würde.

„Ich habe gehört, Sie suchen nach einem neuen Job. Ist da was dran?“

Erwischt! Versuchen Sie jetzt nicht, sich aus der Affäre zu ziehen und den Sachverhalt als Gerücht zu tarnen. Falls Sie tatsächlich mit dem Gedanken spielen, den Job zu wechseln und bereits ihre Fühler ausgestreckt haben, spielen Sie mit offenen Karten. Sie können davon ausgehen, dass Ihr Chef seine Informationen aus einer verlässlichen Quelle hat. Beantworten Sie seine Frage aber nicht zwischen Tür und Angel, sondern schlagen Sie ein kurzes Gespräch unter vier Augen vor. Nehmen Sie die Situation bitte nicht zum Anlass, sich über alles und jeden in der jetzigen Firma zu beschweren und damit den Jobwechsel zu begründen. Setzen Sie den Fokus stattdessen auf Ihre Karriere: Sie möchten Ihre Laufbahn in einer anderen Branche weiterführen oder Sie haben ein sehr interessantes Angebot bekommen, das Sie in Ruhe überdenken wollen. Plaudern Sie dabei keine Details aus, kurze informative Antworten sind völlig ausreichend.

„Wie beurteilen Sie meine Führungskompetenz?“

Oha, Sie kommen ins Schwitzen? Mit dieser Frage dürfen Sie im Mitarbeitergespräch durchaus rechnen. Alexandra Neidhardt, Autorin bei business-wissen.de rät zu Mut und Ehrlichkeit, empfiehlt aber, in jedem Fall die Feedback-Regeln einzuhalten: „Seien Sie in Ihren Äußerungen so konkret wie möglich. Machen Sie keine Verallgemeinerungen wie ‚Sie machen immer…‘.“ Stattdessen solle man die Situation, in der man mit dem Verhalten des Chefs nicht zufrieden war, möglichst objektiv aus der Sicht eines Zuschauers beschreiben – ohne Interpretationen oder Deutungsversuche. Sprechen Sie außerdem nur für sich selbst und nicht im Namen einer Gruppe.

„Wissen Sie, was mit dem Kollegen Maier los ist? Er macht ständig Fehler.“

Vorsicht, dünnes Eis! Lassen Sie sich niemals mit Ihrem Vorgesetzten auf Gespräche oder Spekulationen über Kollegen ein. Im Unternehmen ist es ohnehin schwer genug, die Gerüchteküche im Zaum zu halten. Ein Chef, der sich aktiv am Flurfunk beteiligt, verschlimmert die Situation und begünstigt Missverständnisse und Streit unter den Mitarbeitern. Will Ihr Vorgesetzter Sie über einen anderen Kollegen ausfragen, ziehen Sie sich elegant aus der Affäre, indem Sie vorgeben, keine Kenntnisse von der Situation zu haben. Legen Sie höfliches Desinteresse an den Tag und wechseln Sie wenn möglich das Thema. Sobald Ihr Chef realisiert, dass Sie sich nicht an Klatsch und Tratsch beteiligen, wird er Sie nicht mehr mit solchen Fragen behelligen.

„Der Projektstart lief ja nicht ganz reibungslos. Aber jetzt haben Sie doch sicher alles im Griff, oder?“

Mit dieser Suggestivfrage gibt ihr Chef schon vor, welche Antwort er von Ihnen erwartet. Vielleicht hat er gerade keine Zeit für ein längeres Gespräch und keine Nerven für weitere Probleme. Mit Suggestivfragen setzt er Sie bewusst oder unbewusst unter Druck, in der gewünschten Richtung zu antworten. Das sei auf Sachebene informationsverschleiernd und auf zwischenmenschlicher Ebene beziehungsgefährdend, warnt Experte Andreas Patrzek. Wie man am besten auf solche Fragen reagiert, hängt auch vom Charakter des Vorgesetzten ab. Duldet dieser in der Regel keinen Widerspruch und legt großen Wert auf Hierarchien, macht man laut Patrzek wohl besser gute Miene zu bösem Spiel. Will man jedoch das Thema ernsthaft besprechen, darf man sich von der Suggestion nicht beeinflussen lassen. „Nein, ich habe nicht alles im Griff“, müsste dann Ihre offene Antwort lauten. Oder Sie antworten mit einer Gegenfrage: „Wieso sind Sie der Meinung, dass…?“ Sie können den Chef auch locker auf seine Suggestion hinweisen: „Wollen Sie eine ehrliche Antwort oder eine gefällige?“


Quellen: www.focus.de, www.business-wissen.de

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