Sie dachten, Vorstellungsgespräche laufen immer nach Schema F ab? Falsch. Sie können sogar sehr verschieden sein. Da man vorher aber nie wissen kann, in welche Trickkiste der Personaler greift, ist es gut, die verschiedenen Gesprächstaktiken zu kennen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Varianten des Vorstellungsgespräches vor.

Mal hat man das Gefühl, nett geplaudert zu haben, beim nächsten Mal fühlt man sich von Jack Bauer höchstpersönlich ins Verhör genommen. Die Atmosphäre im Vorstellungsgespräch hängt natürlich von der Persönlichkeit des Gegenübers ab. Personaler sind schließlich auch nur Menschen und unter ihnen gibt es redselige und wortkarge, warmherzige und unterkühlte, die mit einem freundlichen Lächeln und solche, die am liebsten Pokerface tragen.

Aber wussten Sie, dass sich die meisten im Vorfeld für einen ganz bestimmten Interviewstil entscheiden? Als Bewerber müssen Sie sich diesbezüglich wohl oder übel überraschen lassen. Aber damit Sie sich besser auf die jeweilige Situation einstellen können, stellen wir Ihnen die wichtigsten Interview-Varianten kurz vor

Der Klassiker: Das strukturierte Interview

Beschreibung: Die meisten Bewerbungsgespräche werden in Form eines strukturierten Interviews geführt. Das Gespräch folgt einem ganz bestimmten Leitfaden mit zuvor festgelegten Fragen, die jedem Bewerber gestellt werden. So ist der Personaler besser in der Lage, die Kandidaten objektiv einzuschätzen und miteinander zu vergleichen. Meist hat er ein Bewertungsformular vor sich liegen, in das er schon während des Gesprächs fleißig Notizen macht.

Damit können Sie punkten: Gute Vorbereitung ist das A und O im Klassiker der Bewerbungsgespräche. Kompetenzen und Fähigkeiten, Berufserfahrung, Stärken, Schwächen, Motivation – alle relevanten Themen werden nach und nach abgefragt. Ihre Argumente sollten also sitzen. Punkten können Sie, wenn Sie in Ihren Antworten immer konkret Bezug auf die Stelle nehmen und aufzeigen können, welchen Mehrwert Sie dem Unternehmen bringen.

Vorsicht: Standardisierte Interviews sind wenig flexibel und geben dem Bewerber kaum Möglichkeiten, den Gesprächsverlauf zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Durch die objektive, einheitliche Bewertung fallen Sympathien weniger ins Gewicht. Unter diesen Bedingungen ist es schwer, sich aus der Masse an Bewerbern abzuheben. Versuchen Sie trotzdem, eigene Akzente zu setzen, um den Personaler von sich zu überzeugen.

Freestyle: Das offene Interview

Beschreibung: Im Vergleich zur standardisierten Variante ist das offene Interview das Glücksspiel unter den Bewerbungsgesprächen. Es folgt keinem Leitfaden und auch der Personaler lässt sich vom Verlauf des freien Gesprächs überraschen. Ihm ist es wichtig, Sie als Person kennenzulernen. Meist wird dieses Verfahren in Start-Up-Unternehmen oder ab einer gewissen Hierarchieebene gewählt.

Damit können Sie punkten: Wer Smalltalk beherrscht, ist für ein offenes Interview schon einmal bestens vorbereitet. Die Kunst ist es, durch seine Persönlichkeit im Gedächtnis zu bleiben und Sympathie-Bonus zu sammeln. Durch geschickte Gesprächsführung können Sie die Aufmerksamkeit auf für Sie günstige Themen lenken, andere hingegen verkürzen.

Vorsicht: Diese Form des Bewerbungsgesprächs zieht eine eher subjektive Bewerbung nach sich. Kompetenzen, Fähigkeiten und Leistungen fallen weniger ins Gewicht als die Momentaufnahme Ihrer Person. Bleiben Sie fokussiert und versuchen Sie, den Personaler auch von Ihren fachlichen Qualifikationen zu überzeugen.

Pulsbeschleuniger: Das Stressinterview

Beschreibung: Das Stressinterview ist meist nur ein Teil des Ganzen. Selten wird ein komplettes Bewerbungsgespräch als Stressinterview geführt. Aber auch so ist es zum Beispiel als Teil eines strukturierten Interviews nervenaufreibend genug. Der Personaler versucht durch unangenehme Fragen, spöttische oder provokante Bemerkungen bei Ihnen bewusst eine Stresssituation hervorzurufen. Er will herausfinden, wie souverän Sie mit schwierigen Situationen umgehen können, ob Sie belastbar sind und auch unter Druck lösungsorientiert arbeiten.

Damit können Sie punkten: Lassen Sie sich nur nicht aus der Ruhe bringen. Nehmen Sie die Angriffe des Personalers keinesfalls persönlich, sondern machen Sie sich immer bewusst, dass er Sie testen möchte. Indem Sie cool bleiben und besonnen und überlegt reagieren, zeigen Sie im eindrucksvoll, dass Sie mit Stress und Druck umgehen können.

Vorsicht: In einem Bewerbungsgespräch sind Sie ohnehin etwas nervös und angespannt. Da kann Sie eine gezielt fiese Frage schnell aus dem Konzept bringen und sogar einen Blackout verursachen. Sie sollten wissen, wie Sie in dieser Situation reagieren müssen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Das Internet gibt Hilfestellung.

Oscarverdächtig: Das situative Interview

Beschreibung: Auch das situative Interview ist meist nur ein Baustein im gesamten Vorstellungsgespräch. Hier fordert der Personaler Sie auf, eine typische Situation aus dem Arbeitsalltag zu simulieren, zum Beispiel ein Verkaufsgespräch. Der Personaler schlüpft in die Rolle des renitenten Kunden und Sie müssen mit Überzeugungskraft die Ware an den Mann bringen und dabei das Produkt natürlich optimal präsentieren.

Damit können Sie punkten: Meist müssen Sie in diesem kleinen Rollenspiel auf Informationen zurückgreifen, die zuvor im Gespräch zur Sprache kamen. Machen Sie sich also zu wesentlichen Dingen Notizen und folgen Sie aufmerksam den Anweisungen des Personalers, wenn er die fiktive Situation und Ihre Aufgabenstellung beschreibt. Mangelnde Berufserfahrung können Sie durch einen gelungenen und souveränen Auftritt wett machen.

Vorsicht: Nicht in jedem steckt ein Oscar-Preisträger. Viele Bewerber haben Hemmungen, sich auf ein Rollenspiel einzulassen. Sie kommen sich lächerlich vor und haben Angst vor der Bewertung Ihres schlechten Schauspiels. Ein Teufelskreis. Rollenspiele können Sie aber sehr gut mit Freunden üben, so dass Sie sich im Bewerbungsgespräch ganz auf die beschriebene Situation einlassen können.

 


Quellen: http://www.vorstellungsgespraech.org/, http://www.onlinemarketing.de/

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