So risikofreudig sich die Jugend in der Regel gibt, bei der Wahl der Berufsausbildung geht sie dann doch lieber auf Nummer sicher. Das sagt zumindest die Statistik: Von über 370 Möglichkeiten der Berufswahl stehen immer die gleichen 20 Ausbildungsberufe hoch im Kurs. Wir stellen vier spannenden Alternativen vor.

Von Einzelhandels- und Bürokauffrau über Kfz-Mechatroniker bis hin zu Industrie- und Bankkaufmann erringen jedes Jahr die gleichen Klassiker die Gunst der Berufswähler. Dabei ist das Angebot so vielfältig und wird damit auch ganz individuellen Interessen gerecht. Gerade in traditionellen Handwerksberufen, die langsam aber stetig in Vergessenheit geraten, haben Mutige die Chance, sich eine Existenz jenseits des Mainstreams aufzubauen. Zum Beispiel in den folgenden Berufen:

Der Geigenbauer – zart besaitet

Eine Melodie im Ohr und ein Lied auf den Lippen – Geigenbauer/innen widmen ihr Berufsleben ganz der Musik. Meist nach dem Vorbild großer Meister wie Stradivari oder Guarneri fertigen sie in sorgfältiger Handarbeit Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässe und Gamben. Sie restaurieren historisch wertvolle Instrumente oder reparieren und stellen ältere wieder neu ein.

Neben der Liebe zur Musik und zum manuellen Werken ist Sorgfalt unabdingbar für angehende Geigenbauer/innen. Serviceorientierung ist nötig, um auf die Wünsche der Kunden beim Bau der Streichinstrumente eingehen zu können. Und auch Interesse an Physik und Mathematik ist hilfreich, um Skizzen anzufertigen und zu verstehen, wie die Werkstoffeigenschaften den Klang beeinflussen. Trotz der gebotenen Abwechslung haben 2012 nur sechs junge Deutsche eine Ausbildung in diesem anspruchsvollen Beruf begonnen. Sie dauert in der Regel 3 Jahre, wird dual in Betrieb und Berufsschule durchgeführt und mit 400 Euro bis 520 Euro monatlich je nach Ausbildungsjahr vergütet. Wer sein Handwerk verfeinern will, kann die Prüfung zum/zur Geigenbauermeister/in ablegen. Voraussetzung für einen eigenen Geigenbaubetrieb ist der Meistertitel jedoch nicht.

Der Büchsenmacher – zwischen Kimme und Korn

Die Büchsenmacherei ist ein weiteres traditionelles Handwerk, das zunehmend in Vergessenheit gerät. An nur zwei Berufsschulen in Thüringen und Baden-Württemberg können sich junge Menschen zurzeit zu Büchsenmachern, also Herstellern von Sport- und Jagdwaffen, ausbilden lassen. Laut Statistischem Bundesamt haben sich 2012 lediglich 15 junge Männer für diese außergewöhnliche Lehre entschieden.

Büchsenmacher müssen Präzisionsarbeit leisten. Ob Flinte, Büchse, Luftgewehr, Kleinkalibergewehr oder Pistole für Jäger und Sportschützen – damit die Waffe später einwandfrei funktioniert, sind anspruchsvolle Millimeterarbeit und höchste Konzentration nötig. Anhand vorgegebener Zeichnungen, aber auch ohne Vorlage fertigen sie mit traditionellen Techniken oder modernen, teils rechnergesteuerten Maschinen Bauteile aus Metall, Holz und Kunststoff und montieren diese. Nachbildungen von historischen Büchsen sind eine besondere Kunst und stellen höchste Anforderungen an den Büchsenmacher, der sich dabei genau an alte Vorlagen halten und historischen Handwerkstechniken anwenden muss. Die duale Berufsausbildung zum/zur Büchsenmacher/in dauert drei Jahre und kann dem Auszubildenden bis 780 Euro pro Monat im dritten Lehrjahr bringen.

Der Revierjäger – im Wald zu Hause

Mehr frische Luft geht nicht. Revierjäger arbeiten fern ab von Schreibtisch und Fabrikhalle. Ihr Job ist es, die artenreiche und gesunde Tierwelt in ihrem Revier zu erhalten und deren Lebensraum zu pflegen und zu schützen. Sie legen Äsungs- und Deckungsflächen für das Wild an, schützen die Tiere vor gefährdenden Eingriffen durch Menschen und versorgen im Winter Futterstellen. Natürlich bejagen sie ihr Revier auch, um den Wildbestand zu regulieren. Auch der Bau und die Instandhaltung von Hochsitzen sowie anderer Jagdeinrichtungen fallen in ihren Aufgabenbereich. Durch einen ökologisch ausgerichteten Wildackerbau sowie die Schaffung und Pflege von Streuobstwiesen, Hecken, Gewässern und Naturschutzflächen sorgen sie für eine Verbesserung des Lebensraums.

Umfangreiche Kenntnisse in Biologie sind Voraussetzung, um über die Wildarten und ihre Verhaltensweisen bestens Bescheid zu wissen. Handwerkliches und technisches Geschick hilft beim Bau von Zäunen und Futterkrippen sowie bei notwendigen Reparaturen im Revier. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Wer will, kann danach die Prüfung zum Revierjagdmeister ablegen. Die Ausbildungszeit wird mit 500 Euro bis 720 Euro monatlich vergütet.

Der Destillateur – die richtige Mischung macht‘s

Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren. Und damit dieses auch hervorragend schmeckt, muss der Destillateur sein Handwerk verstehen. Er produziert hochwertige Spirituosen zum Beispiel aus Früchten, Kräutern und Agraralkohol. Er erzeugt Essenzen, Sirupe und ätherische Öle oder mischt hochprozentigen Alkohol mit anderen Zutaten nach Rezept zu Likör, Weinbrand oder Rum. Die Kunst seiner Arbeit liegt darin, das richtige Mischungsverhältnis von Alkohol, Aromen und eventuell Zucker zu finden. Die Produkte werden sorgfältig geprüft, um eine gleichbleibenden Qualität zu sichern. Wenn alles stimmt, filtriert er den Alkohol, lagert ihn und füllt ihn ab. Nebenbei entwickelt er neue Rezepturen.

Destillieren, Mazerieren, Perkolation – Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik sind Voraussetzung, um Mischungsverhältnisse zu berechnen und in verschiedenen Testverfahren die Qualität des Erzeugnisses beurteilen zu können. Angehende Destillateure verdienen während der dualen Ausbildung zwischen 550 Euro und 850 Euro je nach Lehrjahr.

 


Quellen: http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/, www.bz-jobs.de, www.faz.net

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