16.09.2010 -

Bei dem dringenden Verdacht des Arbeitgebers auf vorgetäuschte Krankheit muss der Arbeitnehmer trotz Vorliegen eines ärztlichen Attests die tatsächliche Erkrankung nachweisen. So entschied das hessische Landesarbeitsgericht in seinem Urteil vom 8.2.2010 (Az: 16 Sa 890/09)

In dem aktuellen Fall war ein Arbeitnehmer von einem Arzt arbeitsunfähig krankgeschrieben. Die Verlängerung der Krankschreibung überbrachte der vermeintlich Kranke seinem Chef persönlich und erklärte ihm dabei, dass es ihm „richtig gut gehe“. Er hole sich aber noch mal einen „gelben Schein“ bis es an seinem Arbeitsplatz wieder „vernünftig laufe“. Daraufhin kündigte der Arbeitgeber seinem Angestellten fristlos. Der Arbeitnehmer klagte dagegen mit dem Argument, dass sein Arzt ihm ja tatsächlich die Arbeitsunfähigkeit attestiert habe und er somit die Krankheit nicht vorgetäuscht habe.

Das Landesarbeitsgericht Hessen ließ dieses Argument jedoch nicht gelten. Durch die Angabe des Arbeitnehmers, dass es ihm gut gehe, sei die Aussagekraft der ärztlichen Bescheinigung „erschüttert“. Da der Angestellte trotz gerichtlicher Aufforderung nicht darlegte, welche Krankheit er hatte und welche Anweisungen ihm der Arzt konkret gegeben habe, sei von einer vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber ist dadurch so weitreichend gestört, dass eine fristlose Kündigung wirksam ist.