06.11.2012 -

„Haaatschi“ – mit atemberaubenden 100 km/h katapultiert der Kollege gegenüber Millionen von ansteckenden Schleimtröpfchen bis zu fünf Meter weit in die Gegend. Ausweichen zwecklos. In der kalten Jahreszeit sind vor allem Büros florierende Umschlagplätze für Erkältungsviren. Dabei ist die Kälte draußen gar nicht ursächlich für laufende Nasen und kratzende Hälse, sondern vielmehr die Wärme drinnen. Denn wie wir mögen es auch Keime mollig warm und trocken. Nun ist „trocken“ in den Wintermonaten nicht unbedingt verkehrt: Trockene Füße trotz Schneematsch, trockener Humor selbst im größten Stress und ein guter trockener Rotwein am Abend machen die kalte Jahreszeit erträglicher. Geht es aber um die Büroluft ist „trocken“ kein empfehlenswertes Prädikat.

Trockene Luft erhöht Ansteckungsgefahr

In vielen Büros sinkt die Luftfeuchtigkeit in den Wintermonaten von empfohlenen 50 auf 30 Prozent und verursacht dadurch Konzentrationsmangel, Atemwegsreizungen und Kopfschmerzen. Und auch die Immunabwehr der Schleimhäute hängt entscheidend von der Raumluftfeuchte ab. Ist diese unzureichend, können Mikroorganismen nicht optimal abtransportiert werden und die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten nimmt zu. Vor allem die Grippenviren lieben es schön trocken. Amerikanische Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen steigenden Grippefällen und der Raumluftfeuchte ermittelt. Bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 20 – 35% steigt das Risiko sich mit einem Influenza-A-Virus anzustecken auf das Dreifache. Denn die Viren haben in zu trockener Luft eine längere Lebensdauer und können sich durch feine Tröpfchen schneller und weiter verbreiten.

Von der Hand in den Mund

Und das Verbreiten von Keimen geht vor allem im Büro schneller, als Sie „Gesundheit“ sagen können. Mit jeder Bewegung verteilen Sie Viren: von der Türklinke auf den Telefonhörer, vom Drücker des Aufzugs auf Ihren Schal und von der Euro-Münze auf die Tastatur. Da Ihre Hände zwischenzeitlich auch unbewusst in Ihrem Gesicht beschäftigt sind – Sie reiben sich die Augen oder fahren mit den Fingern über die Lippen – gelangen die Viren in kürzester Zeit in Ihre Schleimhäute. Et voilá: Schon sind Sie stolzer Besitzer einer gepflegten Erkältung.

Um gesund durch den Winter zu kommen, empfehlen Experten heute wie unsere Omas schon damals vor allem drei Dinge: ausreichend Hygiene, saubere Luft und gesundes Essen. Wenn Sie unsere Regeln beherzigen, haben Sie gute Chancen, erkältungsfrei zu bleiben.

Regel Nr. 1: Hygiene!

Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife beugt vor. Praktisch sind auch kleine Desinfektionssprays für unterwegs, die den Keimen auf Ihren Händen den Garaus machen. Versuchen Sie außerdem, in Zeiten von Erkältungswellen, Menschenansammlungen zu meiden und sich außerhalb der Schusslinien von Hustern und Niesern zu bewegen. Wenn Sie nießen müssen und nicht mehr rechtzeitig ein Taschentuch herausholen können, dann halten Sie nicht die Hand vor Mund und Nase, sondern nießen Sie in Ihre Armbeuge. Dann verteilen Sie die Keime nicht gleich beim nächsten Griff zum Telefonhörer.

Regel Nr. 2: Frische Luft!

Pflanzen in Büros und Arbeitsräumen können das Klima hingegen verbessern, denn sie bauen Kohlendioxid ab, produzieren Sauerstoff und erhöhen auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit. Die Wirkung der Pflanzen ist in der Regel abhängig von ihrer Größe und von ihrer Blattoberfläche. Je größer diese ist, umso mehr Wasser kann auf ihr verdunsten.
Luftbefeuchter, die regelmäßig gereinigt und gewartet werden, beleben mit mikrofeinem Sprühnebel die Büroluft und sorgen so für den gleichen Effekt. Wasserschalen auf der Heizung sind dagegen weniger zu empfehlen. In der Regel gedeihen die Bakterien darin prächtiger als Ihr Immunsystem. Öffnen Sie mehrmals täglich weit die Fenster für einige Minuten. Das erfrischt Kopf und Raumklima. Außerdem verhindert Stoßlüften, dass bei kalten Außentemperaturen zu viel Feuchtigkeit nach außen verloren geht.

Regel Nr. 3 Abwehrkräfte stärken!

Mit der richtigen Ernährung können Sie Ihr Immunsystem stärken. Vor allem Vitamine und Spurenelemente wie Zink und Selen steigern Ihre Abwehrkräfte. Vitamin A in Milch, Eiern oder Spinat hält die Immunzellen aktiv. Vitamin C in Kiwis, Brokkoli oder roter Paprika stärkt die Abwehr, wenn sich die Erkältung bereits anbahnt. Vitamin E in Haselnüssen sorgt für den Zellschutz der Immunzellen. Und einem Vitamin D-Mangel, bedingt durch die spärlichen Sonnenstunden im Winter, beugen Sie am besten mit Fischgerichten und Avocados vor. Die Versorgung mit ausreichend Zink stellen Sie mit Vollkornprodukten sicher und zwei bis drei Liter Wasser, Tee oder zuckerarme Fruchtsäfte helfen Ihren Schleimhäuten auch bei trockener Heizungsluft standhaft gegen Keime zu bleiben.