Wird in einer Anzeige ein „Geschäftsführer gesucht“, ohne weitere Zusätze, aus denen hervorgeht, dass auch weibliche Bewerberinnen angesprochen werden sollen, so ist dies eine geschlechtsspezifische Diskriminierung. So entschied das OLG Karlsruhe in seinem Urteil vom 13.09.2011 (Az: 17 U 99/10).

In dem aktuellen Fall hatte sich eine Personalleiterin mit 20-jähriger Berufserfahrung, die auch als Anwältin zugelassen war, auf ein Stelleninserat eines gewerblichen Unternehmens mit der Überschrift „Geschäftsführer gesucht“ beworben. Auch der weitere Anzeigentext war geschlechtsneutral formuliert und beschrieb das Anforderungsprofil sowie die Aufgaben der zu besetzenden Stelle. Einen eindeutigen Hinweis darauf, dass alternativ auch eine Geschäftsführerin in Frage komme, gab es in der gesamten Annonce nicht.

Als ihre Bewerbung abgelehnt wurde, forderte sie vor Gericht eine Entschädigung in Höhe von zwei Monatsgehältern, immerhin fast 25.000 €, wegen geschlechtsbezogener Benachteiligung.
Das Oberlandesgericht gab ihr im Grunde Recht, feilte lediglich an der Höhe der Entschädigung. Der Begriff „Geschäftsführer“ sei eindeutig männlich und wurde weder durch den Zusatz „/in“  oder „m/w“ erweitert. Die Bewerberin habe somit einen Anspruch auf Entschädigung nach dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Angemessen sei hierfür der Betrag eines Monatsgehalts, immerhin noch knapp 13.000 €. Laut Gericht müsse die Betragshöhe abschreckende Wirkung haben, um Arbeitgeber künftig von solchen Verstößen abzuhalten.