Ende November freut sich etwa die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland auf ein gut gefülltes Konto. Viele Arbeitgeber zahlen dann mit dem Weihnachtsgeld freiwillig einen Bonus für Engagement und Leistung. Wir haben Wissenswertes rund um die erste Bescherung des Jahres zusammengetragen.

Früher gab’s Schuhe statt Schotter

Schon früher wurden Bedienstete vor den Feiertagen mit Sondergaben belohnt, um ihnen ein Weihnachtsfest ohne finanzielle Sorgen, dafür aber mit kleinen Geschenken zu ermöglichen. Schustergesellen bekamen zum Beispiel traditionell zum Weihnachtsfest ein Stück Leder geschenkt, um sich daraus ein paar eigene Schuhe zu machen. Wahrscheinlich pflegten auch die anderen Zünfte ganz ähnliche Traditionen, aus denen sich später das Weihnachtsgeld entwickelte.

Nicht für die hohe Kante gedacht

Wer sein Weihnachtsgeld im Sparsocken versteckt, handelt nicht im Sinne der Volkswirtschaft. Für die ist das jährliche Weihnachtsgeld eine fest eingeplante Größe. Der Bonus soll zu mehr Konsumfreude verleiten und so die Binnennachfrage ankurbeln. Shoppen für den guten Zweck: Wer mehr Geld im Einzelhandel ausgibt, stärkt das Wachstum und festigt den Aufschwung.

Das machen Deutsche mit dem Bonus

Den volkswirtschaftlichen Nutzen mehr oder weniger vor Augen, machen die meisten Arbeitnehmer mit dem Weihnachtsgeld genau das, was man von ihnen erwartet. Sie kaufen Geschenke, planen den nächsten Urlaub oder geben es für größere Anschaffungen aus. Allerdings ergab eine im Jahr 2013 von Ver.di bei TNS Infratest in Auftrag gegebene repräsentative Erhebung, dass ein großer Teil der Beschäftigten auf das Weihnachtsgeld angewiesen ist, um Schulden zu begleichen, in die Altersvorsorge zu investieren und anfallende Versicherungsbeiträge zu zahlen.

Die Hälfte geht leer aus

Laut einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) bekamen im vergangenen Jahr rund 54 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Weihnachtsgeld. Dabei hatten Mitarbeiter mit Tarifbindung deutlich bessere Karten. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) von ihnen konnten sich über die Zusatzzahlung freuen, bei den Beschäftigten ohne Tarifbindung waren es nur 42 Prozent. Die Umfrage ergab auch, dass Frauen den Bonus seltener bekommen als Männer und auch Angestellte in den neuen Bundesländern deutlich schlechter abschneiden als ihre westdeutschen Kollegen.

Banker & Chemiker bekommen die dicksten Päckchen

Beschäftigte im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie oder in der westdeutschen Chemieindustrie wurden im vergangenen Jahr vom Arbeitgeber reich beschert. Die Höhe ihres Weihnachtsgeldes lag bei 95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens. So erhielt ein Bankmitarbeiter je nach Tätigkeit und Qualifikation zwischen 2.035 Euro und 4.495 Euro Weihnachtsgratifikation. Spitzen-Tarifkräfte in der chemischen Industrie kamen sogar auf ein Plus von bis zu 5.455 Euro. Angestellte von Versicherungen, Einzelhandel und Metallindustrie bekamen hingegen nur 55 – 80 Prozent eines Monatslohns als Weihnachtsgratifikation.

Zur Zahlung verpflichtet

Einen Rechtsanspruch auf Weihnachtsgeld haben Beschäftigte nur dann, wenn die Zahlung im Tarif- oder Arbeitsvertrag oder aber im Rahmen einer Betriebsvereinbarung festgehalten wurde. Wenn der Arbeitgeber drei Jahre in Folge Weihnachtsgeld ohne den Vorbehalt der Freiwilligkeit bezahlt hat, muss er dies auch weiterhin tun – auch wenn es nicht vertraglich vereinbart wurde. Beim Weihnachtsgeld gilt außerdem der Gleichbehandlungsgrundsatz: Erhalten alle Arbeitnehmer bzw. alle einer bestimmten Gruppe ein Weihnachtsgeld, darf ein Einzelner, der Gruppe zugehöriger, ohne sachliche Gründe nicht von der Zahlung ausgenommen warden.

Kein 13. Gehalt

Im Gegensatz zum Weihnachtsgeld ist das 13. Gehalt keine freiwillige Leistung sondern ein fester, vertraglich vereinbarter Gehaltbestandteil. Das Jahresgehalt wird dann einfach in 13 Raten gezahlt. Das Weihnachtsgeld hingegen gehört als Sonderzahlung nicht zum regulären Arbeitsentgelt. Hier kann der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag oder bei der jeweiligen Auszahlung darauf hinweisen, dass es sich um eine rein freiwillige Leistung handelt und so etwaigen Rechtsansprüchen durch betriebliche Übung vorbeugen.

Mindestlohn und Weihnachtsgeld

Wer aufgrund des Mindestlohngesetzes einen höheren Stundenlohn bekommt, muss nicht befürchten, dass der Arbeitgeber die zusätzlichen Kosten durch die Streichung des Weihnachtsgeldes wieder kompensiert. Das darf er nämlich nicht so ohne weiteres. Da das Weihnachtsgeld keine Vergütung für die Arbeitsleistung sondern eine zusätzlich gezahlte Prämie darstellt, darf der Arbeitgeber sie auch nicht auf den Mindestlohn anrechnen.

Ausnahmen gibt es immer

Es ist möglich, bestimmte Arbeitnehmergruppen vom Weihnachtsgeld auszuschließen, wenn es einen sachlichen Grund dafür gibt, z.B. ein höheres Gehalt oder eine variable leistungsabhängige Vergütung. Auch eine bestimmte Dauer der Betriebszugehörigkeit kann zur Voraussetzung für einen Weihnachtsgeldanspruch gemacht werden und damit neue Mitarbeiter von der Zahlung ausschließen. Eine Teilzeittätigkeit hingegen ist kein sachlicher Grund, um vom Weihnachtsgeld ausgeschlossen zu warden.

Bloß nicht in Übung bleiben

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum der Arbeitgeber immer darauf hinweist, dass er Ihr Weihnachtsgeld freiwillig zahlt? So verhindert er das Entstehen einer betrieblichen Übung und den Anspruch auf die Gratifikation im kommenden Jahr – selbst dann, wenn sie die letzten 12 Jahre regelmäßig gezahlt wurde. Ist der Freiwilligkeitsvorbehalt bereits klar im Arbeitsvertrag formuliert, muss der Arbeitgeber ihn nicht jährlich wiederholen. Er ist dann berechtigt, die Zahlung eines Weihnachtsgeldes nach Ankündigung zu verweigern oder es zu kürzen.

Quellen:http://arbeits-abc.de/weihnachtsgeld/  https://www.bbx.de/wer-bekommt-weihnachtsgeld/, http://www.ig-metall.de/


Bildquelle: © Family Business – Shutterstock.com