17.12.2012 -

Deutsche Arbeitnehmerinnen weisen starkes Führungspotenzial auf, sind aber deutlich seltener in Führungsetagen anzutreffen als Männer. Laut einer Studie liegt das an den unterschiedlichen Motivationsfaktoren einer weiblichen Führungskraft. Frauen erwarten im Job allgemein mehr Anerkennung und wollen weniger Macht ausüben als ihre männlichen Kollegen.

Internationaler Vergleich: Norwegen hat die meisten Chefinnen

In weltweiten Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sinkt der Frauenanteil signifikant mit wachsender Verantwortung und steigender Hierarchieebene. International sind laut Quarterly Labor Market Survey von CEB derzeit 48 Prozent der Einstiegspositionen von Frauen besetzt, jedoch nur 36 Prozent der Stellen im mittleren Management und nur noch knapp über 26 Prozent im oberen Bereich.

Ein Auszug aus der SHL Talent-Studie belegt: In einem weltweiten Vergleich der 25 Länder mit dem größten Führungsvermögen belegen deutsche Frauen beim Führungspotenzial den ersten Rang. Geht es aber um die aktuelle Situation in den Chefetagen, zeigt sich: Lediglich 13 Prozent der Führungskräfte hierzulande sind weiblich. Deutschland rangiert auf dem vorletzten Platz beim Anteil an weiblichen Führungskräften. Lediglich in Japan gibt es noch weniger Chefinnen, nur fünf Prozent. In Norwegen sind derzeit 42 Prozent der Unternehmensentscheider weiblich, in Thailand 39 Prozent, in Italien 36 Prozent und in Hongkong 33 Prozent.

Motivationsfaktoren für Frauen: Lob und Anerkennung

Auch wenn das weibliche Führungspotenzial weltweit etwas ausgeprägter ist, sind international mit 76 Prozent deutlich mehr Männer in Führungspositionen. Eine Begründung liefert SHL in einem Vergleich der Motivationsfaktoren. So stellt die Studie heraus, dass Männer in Führungspositionen vor allem von Macht und Versagensängsten angetrieben werden. Frauen wiederum lassen sich eher von einem konstruktiven Arbeitsumfeld, Lob und Anerkennung motivieren.

„Mit einer Relation von drei Männern zu einer Frau in Führungspositionen weltweit und männlichen Motivationsmotoren wie Macht oder Versagensängsten forcieren deutsche Führungsetagen eine sehr unausgeglichene Unternehmenskultur. Ein Resultat ist, dass Frauen sich automatisch ausklinken, wenn es um leitende Positionen geht“, so der Kommentar von Eugene Burke, Chief Science und Talent Analytics Officer bei SHL. Seiner Meinung nach gingen Unternehmen so wertvolle Fachkräfte verloren, die eigentlich aufgrund des demografischen Wandels und Fachkräftemangels in vielen Branchen dringend gebraucht werden.

Unternehmen müssen mehr auf die Motivationsfaktoren von Frauen eingehen

„Deutsche Unternehmen haben beim Thema Diversity noch mächtig aufzuholen. Sie müssen ihre Herangehensweise und ihre HR-Kultur schnell und grundlegend ändern, wenn sie talentierte und motivierte Bewerberinnen für sich gewinnen und leistungsstarke Mitarbeiterinnen halten möchten“, meint Oliver Barth, Managing Director bei SHL Central Europe.

Frauen sind im Laufe ihrer Karriere zunehmend demotiviert und das müssen Unternehmen zu verhindern wissen. Da weibliche Führungskräfte mehr Wert auf Anerkennung und eine angenehme Arbeitsatmosphäre legen als ihre männlichen Kollegen, sollten Unternehmen in ihrer HR-Strategie darauf eingehen um mehr Frauen als Führungskräfte zu gewinnen.

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