Lampenfieber – wer hat es nicht schon am eigenen Leib erlebt? In Situationen, in denen wir dem Urteil anderer ausgesetzt sind, seien es Bewerbungsgespräche, Prüfungen oder das Reden vor Publikum, scheint uns unser Körper besonders gern im Stich zu lassen: ein flaues Gefühl im Magen, kalte Hände und auch eine unsichere Stimme können uns zu schaffen machen.

1. Lampenfieber ist halb so schlimm!

Auch wenn sich Lampenfieber unangenehm anfühlt – versuchen Sie, die Einstellung zu Ihrer Nervosität zu verändern: Lampenfieber signalisiert uns, dass es jetzt um die Wurst geht. Adrenalin wird ausgestoßen, der Blutdruck steigt und bereitet den Körper auf Leistung vor. Diesen Kick können Sie für Ihren „Auftritt“ nutzen. Und Lampenfieber vergeht meist von selbst: nach fünf bis zehn Minuten drosselt der Körper die Adrenalin-Produktion und beruhigt sich wieder.

2. Ihr Lampenfieber wird gar nicht bemerkt!

Solange sich das Lampenfieber nicht in zitternden Händen oder einer unsicheren Stimme äußert, bemerkt Ihr Gegenüber meist gar nicht, wie aufgeregt Sie sind: er kann ja nicht in Ihr Inneres schauen. Auch wenn’s da drinnen ganz anders aussieht, gelingt es den meisten von uns ganz gut, nach außen ruhig zu wirken. Vertrauen Sie also auch in dieser Hinsicht auf sich selbst!

3. Entwickeln Sie den Tunnelblick der Bühnenprofis!

Bühnenprofis – ob Sänger, Schauspielerinnen, Entertainer – entwickeln oft einen Tunnelblick. Sie lassen sich nicht von Nebensächlichkeiten, die nichts mit dem bevorstehenden Auftritt zu tun haben, ablenken. Sie richten Ihre Konzentration immer auf den nächsten Schritt, der zu tun ist, und tun diesen mit voller Aufmerksamkeit und Präsenz. Sich auf möglichst viele Eventualitäten vorzubereiten ist wichtig. Kurz vorher sollte man aber dann den Dingen ihren Lauf lassen und sich nicht alle möglichen Szenarien im Geiste ausmalen – zu leicht gerät man ins Grübeln darüber, was alles schief laufen könnte.

4. Den Körper stabilisieren

Bewegung vor dem „Auftritt“ baut Adrenalin ab, kurbelt unsere Atmung an und verhindert, dass wir „erstarren“: also lieber die Treppe nehmen, als mit dem Aufzug fahren. Beim Sitzen verleiht ein guter Kontakt der Fußsohlen zum Boden Stabilität. Wer leicht den Druck der Sohlen auf den Boden erhöht, bemerkt, dass er sich automatisch aufrichtet. Eine aufrechte Körperhaltung vermittelt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen Selbstsicherheit. Außerdem ermöglicht sie den Atem- und Kehlkopfmuskeln, frei und unverkrampft zu funktionieren. Dagmar Trefz – Stimmtraining Stimmlich souverän in Stress-Situationen

5. Atmung: A & O für eine sichere Stimme

Nicht nur um sich körperlich zu beruhigen, auch für die Stimme ist eine tiefe, gleichmäßige Atmung das A & O. Wichtig ist, dass Sie dabei nicht forciert die Luft einziehen oder beim Einatmen Schultern und Brustbein nach oben ziehen. Legen Sie Ihre Hände rechts und links an die unteren Rippen Ihres Brustkorbs, formen Sie mit den Lippen ein stummes „o“ oder „u“ und atmen Sie langsam durch den Mund ein und aus. Nehmen Sie wahr, wie die Rippen sich zur Seite bewegen, und der Brustkorb sich erweitert. Diese Übung – einige Minuten durchgeführt – beruhigt und vertieft Ihren Atem.

6. Warm-up für die Stimmbänder

Für ein stimmliches Warm-up eignen sich vor allem die Vokale „u“, „o“ und „a“. Erzeugen Sie mit diesen Vokalen langgezogene Töne: Sie beginnen auf einer bestimmten Tonhöhe und gleiten mit der Stimme nach unten, dann wieder nach oben usf. – ähnlich dem Ton einer Sirene. Nur dass der Ton weich und wohlig in Ihrer Kehle schwingen und keinesfalls gepresst oder schrill klingen sollte.

7. Reden mit Punkt und Komma

Wenn wir aufgeregt sind, reden wir gern schnell und ohne Punkt und Komma. Damit setzen wir uns noch mehr unter Druck, zumal wenn wir hektisch einatmen. Auch wird die Gefahr, uns zu verhaspeln größer. Oder wir greifen vermehrt zum „Äh“, um uns Pausen zum Nachdenken und Atmen zu verschaffen. Atmen Sie deshalb – bevor Sie loslegen – einmal bewusst und tief durch. Achten Sie zu anfangs auf ein angemessenes Sprechtempo. Lassen Sie sich während des Sprechens genügend Zeit für Sprechpausen, die Ihre Rede strukturieren und Ihnen Zeit geben, ihre Gedanken zu formulieren und in Ruhe Atem zu holen.

Wer trotzdem noch Probleme hat, in Stress-Situationen die Kontrolle über seine Stimme zu behalten, muss diesen nicht hilflos ausgesetzt bleiben. Ein Stimmtraining kann mit sehr differenzierten und auf die Person des Sprechers, der Sprecherin abgestimmten Übungen die Funktion der Stimme so weit stärken, dass sie Belastungen standhält und in „spannenden“ Momenten ihren Dienst nicht versagt.


Zur Autorin: Dagmar Trefz arbeitet als Stimmtrainerin in Stuttgart vor allem mit Fach- und Führungskräften, die stimmlich in ihrem Beruf gefordert sind, von der IT-Ingenieurin bis zum Bankvorstand. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. www.stimme-trefz.de, www.bewerbung-trefz.de

Kontakt: Dagmar Trefz – Stimmtraining Büro: Heubergstr. 19, 70806 Kornwestheim Telefon: 07154/800 88 66 E-Mail: Dagmar.Trefz@t-online.de


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