16.08.2011 -

Der Wecker klingelt und nach morgendlichem Pflegeritual setzen wir uns mit der Kaffeetasse an den Frühstückstisch, um die Zeitung zu überfliegen. Auch den Weg zur Arbeit bewältigen überwiegend sitzend – entweder im Auto, Bus oder Bahn. Danach setzen wir uns an unseren Arbeitsplatz und tun unsere Pflicht bis wir abends müde von des Tages Last auf das Sofa sinken. Auch wenn es uns bislang noch nicht bewusst war, Untersuchungen haben ergeben, dass wir durchschnittlich 14 Stunden am Tag auf unserem Hosenboden hocken. Das ist auch kein Wunder bei all den verlockenden Möglichkeiten, die uns geboten sind. Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkbänke, Stühle im Wartezimmer, im Kino, Theater, Restaurants und natürlich am Schreibtisch. Dass das nicht gesund sein kann, scheint naheliegend.

Doch ist es nicht das Sitzen als solches, das Bedenken bei Medizinern und Gesundheitsexperten verursacht. Es sind vielmehr die gutgemeinten Ratschläge unserer Eltern und Großeltern, denen wir noch heute Folge leisten: „Sitz gerade!“ oder „Zappel nicht so herum!“ Was mussten wir nicht alles in unserer Jugend hinnehmen: Regungsloses Verharren am Esstisch, gemeine Knüffe in den Rücken, damit wir – zack – wieder gerade sitzen, Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein – natürlich nur zu unserem Besten. Jetzt beschert uns das starre und andauernde Geradesitzen Rückenbeschwerden und den Firmen zunehmend Krankmeldungen.

Auch im Sitzen in Bewegung bleiben

Der Mensch besitzt einen ausgeklügelten Bewegungsapparat, der zu ebendieser auch verwendet werden soll. Sitzen, stehen, laufen, liegen – Hauptsache Sie bleiben in Bewegung. Vor allem Arbeitnehmer, die stundenlang in Schildkrötenhaltung – mit gesenktem Kopf und vorgestecktem Hals – am Computer arbeiten, leiden oftmals unter Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Der Bewegungsmangel und die einseitige körperliche Belastung führen zu Schädigungen der Wirbelsäule und der Muskulatur. Deshalb sollten Sie auch im Sitzen in Bewegung bleiben und möglichst oft Ihre Sitzposition verändern. Rutschen Sie mit dem Gesäß nach vorn, lehnen Sie sich zurück, schlagen Sie die Beine übereinander, bevor Sie sie wieder ausstrecken und dehnen.

Steh-Auf-Mitarbeiter arbeiten gesünder

Noch besser ist es natürlich, das Arbeiten im Sitzen mit stehenden Tätigkeiten abzuwechseln. Viele Firmen bieten Ihren Mitarbeitern bereits Stehpulte oder höhenverstellbare Arbeitsplätze an. Sich nun deswegen aber die Beine in den Bauch zu stehen, ist ebenso wenig förderlich wie stundenlanges Bürostuhlhocken. Es ist besser, häufiger aufzustehen und nur kurze Stehphasen von maximal 20 Minuten einzulegen. Wer es zu einer Sitz-Steh-Dynamik mit zwei bis vier Haltungswechseln pro Stunde bringt, wird schnell die positiven Auswirkungen spüren. Rücken und Nacken werden spürbar entlastet, Motivation und Arbeitszufriedenheit steigen und damit auch die Leistungsfähigkeit.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Experten empfehlen übrigens 60 Prozent der Arbeitszeit im dynamischen Sitzen zu gestalten, 30 Prozent der Zeit im Stehen zu arbeiten und in den verbleibenden 10 Prozent gezielt umherzulaufen. Das lässt sich geschickt erreichen, indem man verschiedene Arbeitsabläufe einer bestimmten Bewegung zuordnet. Normalerweise sind moderne Arbeitsplätze so gestaltet, dass der Arbeitnehmer sämtliche Tätigkeiten bequem und zeitsparend im Bürostuhl erledigen kann. Wer hier kleine Veränderungen vornimmt, kann sich und seinem Rücken schon viel Gutes tun. Wir haben einige Tipps für Sie, mit denen Sie auch im Job in Bewegung bleiben:

  • Wenn Sie nicht gerade in einem CallCenter oder ähnlich telefonintensivem Job arbeiten, stellen Sie Ihr Telefon erhöht und außer Reichweite, damit Sie zum Telefonieren aufstehen müssen. In aufrechter Haltung und ohne eingezwängtes Zwerchfell hört sich Ihre Stimme ohnehin viel eindrucksvoller an.
  • Besuchen Sie die Kollegen nebenan häufiger persönlich, als Sachverhalte per E-Mail oder telefonisch zu regeln.
  • Drucker, Kopierer und Fax sollten sich nicht in Ihrem Büroraum befinden. So sind jeden Tag ein paar auflockernde Schritte durch die Firma automatisch eingeplant.
  • Warum sitzt man während eines Meetings immer am Konferenztisch? Laden Sie stattdessen mal zu einem kurzen Steh-Meeting an entsprechenden Pulten ein. Wetten, dass die Ideen nur so sprießen?
  • Statt Akten oder andere wichtige Unterlagen griffbereit im Rollcontainer zu verstauen, richten Sie Regale ein paar Schritte vom Schreibtisch entfernt ein. Und stellen Sie die Ordner möglichst hoch, damit Sie sich schön strecken müssen.
  • Auch in Küche oder Gemeinschaftsraum sollten Bistro-Tische zu einer kurzen Kaffeepause im Stehen einladen.
  • Lassen Sie den Fahrstuhl links liegen und nehmen Sie die Treppe. Das bringt den Kreislauf in Schwung und lockert die festgesessene Muskulatur.

(Quellen: stern.de, haufe.de, sitzt.de)