Wann ist es Zeit, den Job zu wechseln? Spätestens wenn die Arbeit zur unbefriedigenden Routine wird und sich Unzufriedenheit über dieses oder jenes immer weiter ausbreitet, denken Arbeitnehmer über einen Wechsel nach. Doch wer garantiert, dass nach ein paar Jahren im neuen Unternehmen die Situation nicht die gleiche ist? Nicht immer muss ein neuer Arbeitgeber her, um wieder Spaß an der Arbeit zu haben.

Zwei Drittel der Deutschen haben in ihrem Berufsleben schon bis zu fünfmal den Job gewechselt. Noch im vergangenen Jahr war jeder fünfte Arbeitnehmer aktiv auf der Suche nach einem neuen Job – so das Ergebnis einer großen CareerBuilder-Umfrage unter 1.000 deutschen Arbeitnehmern. 17 Prozent gaben dabei an, noch unentschlossen zu sein, ob sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben möchten. Über ein Drittel suchte zwar nicht aktiv, wäre aber bereit gewesen, ein attraktives Jobangebot anzunehmen. Kaum jemand ist heute noch „mit der Firma verheiratet“. Mehrere berufliche Stationen im Lebenslauf vorweisen zu können, kann hinsichtlich Knowhow und Erfahrung sogar von Vorteil sein. Nur allzu kurz sollten die Abstände zwischen den verschiedenen Arbeitsverhältnissen nicht sein. Drei bis fünf Jahre mindestens empfehlen die Experten, sonst lässt es Personaler an der Ernsthaftigkeit oder aber an der Qualifikation des Kandidaten zweifeln.

Die „Wechselsyndrome“

Doch die Entscheidung zu kündigen und in einem anderen Unternehmen einen Neuanfang zu wagen, wird in der Regel nicht getroffen, weil man schon zu lange in ein und demselben Unternehmen arbeitet. Eine zunehmende Unzufriedenheit – etwa mit dem Aufgabenbereich, mit dem Chef, dem Gehalt oder den mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten – ist meist die Ursache. Hier können Sie überprüfen, ob Sie auch an Wechselsyndromen leiden:

  • Sie haben morgens keine Energie und schleppen sich lustlos an den Arbeitsplatz. Am Abend fühlen Sie sich erschöpft und ausgebrannt. Das befriedigende Gefühl, etwas geleistet zu haben, haben Sie nur selten.
  • Sie wissen gar nicht genau, warum Sie sich für den Job entschieden haben. Irgendwie sind Sie da so reingerutscht.
  • Es gibt nur wenige Tätigkeiten in Ihrem Arbeitsbereich, die Ihnen wirklich Spaß machen. Die meisten Abläufe langweilen oder belasten Sie.
  • Immer wieder geraten Sie mit Ihrem Chef aneinander. Er ist weder offen für Vorschläge, noch zeigt er Anerkennung für Ihre Arbeit.
  • Das Arbeitsklima motiviert Sie nicht. Statt an einem Strang zu ziehen, wursteln die meisten Kollegen nur nebeneinander her.
  • Mit Ihrem Knowhow und Ihrer Berufserfahrung müssten Sie eigentlich mehr verdienen.
  • Sie fühlen sich Ihrer Firma nicht wirklich verbunden oder mögen Ihr Unternehmen schlichtweg nicht.
  • Sie haben keine Ziele, die Sie in diesem Unternehmen erreichen möchten oder können.
  • Ihr privates Umfeld leidet zunehmend unter Ihrer beruflichen Unzufriedenheit.

Eigenverantwortung statt Kündigung

Wenn Sie nun hinter all diese Aussagen grimmig ein Häkchen gesetzt haben, sollten Sie sich tatsächlich mit dem Gedanken tragen, den Job zu wechseln. Oftmals sind es jedoch nur einige der genannten Punkte, die uns tatsächlich in unserem Arbeitsalltag stören. Das negative Gefühl, das sie hervorrufen, kann dann aber immer größere Wellen schlagen. So können die Kollegen die besten der Welt und das Gehalt durchaus zufriedenstellend sein, wenn die Arbeit Ihnen keinen Spaß macht und Sie Ihre Aufgaben nur widerwillig und ohne große Motivation erledigen, wird das zu einer immer größeren Belastung. Muss die Konsequenz dann immer die Kündigung sein?

Nicht unbedingt. Sie können auch stumm leiden oder laut lamentieren in der Hoffnung, dass jemand Ihre Notlage erkennt und Ihnen hilft. Oder Sie ergreifen selbst die Initiative. Denn ohne Eigenverantwortung wird der Traumjob noch lange auf sich warten lassen. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, auch ohne Jobwechsel wieder mehr Freude an Ihrer Arbeit zu haben:

  • Was würden Sie für Ihr Unternehmen am liebsten tun?

Überlegen Sie, welche Aufgaben Sie wirklich mit Freude erledigen und welche Tätigkeiten Sie in den sogenannten „Flow“ versetzen. Meist ist es das, was Sie am besten können. Denn der Erfolg, den wir durch eine besondere Fähigkeit erzielen, spornt uns an.

  • Wie können Sie den größtmöglichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten?

Sie sind der Meinung, für das, was Sie im Moment tun, sind andere besser geeignet? Warum ist das so? Gehen Sie den Dingen auf den Grund, definieren Sie Ihre Stärken und überlegen Sie, wo im Unternehmen Sie diese am besten einsetzen können.

  • Welches Ziel wollen Sie erreichen?

Vielleicht möchten Sie ein bestimmtes Gehalt verdienen, in dieser oder jener Position arbeiten oder sich mit Themen beschäftigen, für die Sie sich begeistern können. Es liegt ganz bei Ihnen. Wichtig ist es, überhaupt ein Ziel zu haben. Dann kommt die Motivation von allein.

  • Mehr Verantwortung, ja oder nein?

Für sich die besten Arbeitsbedingungen zu schaffen, muss nicht zwangsläufig heißen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist mehr Verantwortung ja genau das, was Ihnen zu schaffen macht. Dann akzeptieren Sie das. Niemand kann Sie zu einer Karriere zwingen, die Sie im Grunde gar nicht möchten. Wer mehr Verantwortung möchte, dies aber nicht unbedingt auf Personalebene, kann eine Expertenlaufbahn einschlagen, indem er sich bei essentiellen, zukunftsorientierten Unternehmensthemen unentbehrlich macht.

  • Wie sieht Ihr Plan aus?

Wer ein Ziel hat, muss auch wissen, wie er es erreicht. Klar, dass der Traumjob nicht über Nacht kommt. Überlegen Sie, durch welche Maßnahmen Sie Ihrem Ziel näher kommen. Das kann die Beteiligung an passenden Projekten sein, die Übernahme neuer Aufgaben oder bestimmte Weiterbildungen. Setzen Sie sich Zwischenziele, um sich stets überzeugen zu können, dass es voran geht.

  • Wer kann Sie unterstützen?

Suchen Sie sich Verbündete. Mit klaren Zielvorstellungen und einer Strategie, die auch Vorteile für das Unternehmen bringt, gelingt Ihnen das schneller als Sie glauben. Zielvereinbarungsgespräche bieten eine gute Basis, um sich Unterstützung Ihrer Vorgesetzten zu sichern. Die meisten Unternehmen wissen eigenverantwortliche und zielstrebige Mitarbeiter zu schätzen. Wer immer nur jammert oder darauf wartet, dass andere etwas ändern, wird nicht zufriedener.


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