Jeder möchte Jobsuchenden Ratschläge geben, und während einige davon hilfreich sind, verfehlen andere Tipps ihren Zweck. Dieser Beitrag deckt die größten Bewerbungsmythen auf.

Da sich der Arbeitsmarkt ständig verändert, sind Dinge, die einmal gut funktioniert haben, möglicherweise nicht mehr angebracht. Das heißt nicht, dass Sie alles anzweifeln müssen, was Ihnen gesagt wird. Seien Sie sich jedoch der verbreiteten Bewerbungsmythen bewusst, zu denen die folgenden gehören:

Mythos Nr. 1: Sie sollten Ihren Lebenslauf auf eine Seite beschränken; ist er länger, werden Personalchefs ihn gar nicht erst lesen.

Nur wenige Arbeitgeber sind so streng, dass sie Ihren Lebenslauf aussortieren werden, weil er länger als eine Seite ist. Viel wichtiger ist, dass er interessant zu lesen, exakt auf die angestrebte Stelle zugeschnitten und — das ist vielleicht am wichtigsten — fehlerfrei ist. Tatsächlich gaben 84 Prozent der von Robert Half International befragten Führungskräfte an, dass Bewerber schon mit einem oder zwei Fehlern im Lebenslauf aus dem Rennen seien; 47 Prozent sagten, bereits ein Fehler sei ausschlaggebend. Während für Berufsanfänger ein einseitiger Lebenslauf vorzuziehen ist, benötigen Bewerber mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung möglicherweise eine zusätzliche Seite, um ihre berufliche Laufbahn und ihre bisher erbrachten Leistungen darzustellen. Denken Sie jedoch daran, die Aufmerksamkeit des Personalchefs nicht durch irrelevante Details abzulenken.

Mythos Nr. 2: Es ist zwecklos, bei einem Unternehmen um ein Gespräch zu bitten, das gerade nicht einstellt.

Selbst wenn das Unternehmen im Moment keine Einstellungen plant, ist es gut möglich, dass Sie einen Termin für ein Informationsgespräch bekommen. Versuchen Sie, ein Treffen mit jemandem zu arrangieren, vorzugsweise mit einer Führungskraft aus der Personalabteilung, die Ihnen mehr über das Unternehmen erzählen kann. Diese Person kann Ihnen Informationen geben, die im Internet oder in den Unternehmensbroschüren nicht zu finden sind, wie beispielsweise die Frage nach kurz- und langfristigen Unternehmenszielen. Viele Arbeitgeber sind gerne bereit, sich mit Ihnen zusammenzusetzen, wenn Sie echtes Interesse zeigen. Ein Informationsgespräch führt wahrscheinlich nicht zu einem Stellenangebot, aber Sie werden Ihr berufliches Netzwerk vergrößern und dadurch möglicherweise von zukünftigen Stellenangeboten in diesem Unternehmen erfahren.

Mythos Nr. 3: Wenn Sie sich um eine Stelle beworben und noch nichts gehört haben, können Sie davon ausgehen, dass die Stelle bereits besetzt worden ist.

Dass das Unternehmen noch nicht mit Ihnen in Verbindung getreten ist, heißt nicht, dass kein Interesse besteht. Personalchefs sind häufig so beschäftigt, dass es nach der Veröffentlichung der Stellenanzeige bis zu zwei Monate dauern kann, bis sie sich bei den Bewerberinnen und Bewerbern melden. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen; finden Sie stattdessen selbst heraus, wo Sie stehen. Eine überwältigende Mehrheit von 94 Prozent der von Robert Half International befragten Führungskräfte gab an, dass Bewerber die Personalchefs nach dem Einsenden der Bewerbungsunterlagen kontaktieren sollten; 82 Prozent der Befragten empfehlen, dies innerhalb von zwei Wochen zu tun — sei es per E-Mail, telefonisch oder mit einem persönlichen Brief.

Mythos Nr. 4: Die qualifiziertesten Bewerber bekommen die Stelle.

Während Arbeitgeber natürlich geeignete Fachkräfte einstellen möchten und deshalb die Ausbildung, Fähigkeiten und Erfahrung der Bewerber und Bewerberinnen sorgfältig mit den Stellenanforderungen vergleichen, verlassen sie sich bei der Entscheidung auch auf ihre Intuition. 46 Prozent der von Robert Half International befragten Führungskräfte gaben an, sich bei Einstellungsentscheidungen sehr stark auf ihr Gespür zu verlassen; weitere 49 Prozent hören zumindest gelegentlich auf ihr Bauchgefühl. Zu den Eigenschaften, aufgrund deren sich ein Arbeitgeber intuitiv für jemanden entscheidet, gehören häufig soziale Kompetenzen, beispielsweise die Fähigkeit, mit dem übrigen Team zusammenzuarbeiten. Wenn Sie sich also für eine Stelle interessieren, aber nur die Minimalanforderungen erfüllen, verwerfen Sie die Stellenanzeige nicht gleich. Aufgrund Ihrer Persönlichkeit können Sie möglicherweise mit jemandem mithalten, der über mehr Erfahrung verfügt als Sie.

Mythos Nr. 5: Die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt lässt keinen Spielraum für Gehaltsverhandlungen.

In einigen Fachrichtungen übersteigt die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften weiterhin das Angebot. Bewerber und Bewerberinnen mit Branchenerfahrung und fachlicher Kompetenz erhalten daher häufig mehrere Angebote. Wenn Sie sich darüber informieren, was diejenigen mit ähnlichen Qualifikationen in Ihrem Bereich verdienen, können Sie für sich die beste Möglichkeit auswählen und eine angemessene Vergütung aushandeln.

Mythos Nr. 6: In harten Zeiten sollten Sie das erste Angebot annehmen.

Eine lang andauernde Jobsuche kann Sie unter Druck setzen, jedes Angebot anzunehmen. Vermeiden Sie es jedoch möglichst, eine Stelle anzunehmen, die Ihnen mehr Kummer als Freude bringt. Eine verhasste Arbeit zu ertragen — sei es für eine Woche oder ein Jahr — kann Sie beruflich zurückwerfen und auch Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden gefährden. Vielleicht müssen Sie sich in einigen Situationen mit einer nicht ganz optimalen Aufgabe abfinden, aber solange Sie es sich finanziell leisten können, sollten Sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie auf die perfekte Stelle warten.

Oft ist es ratsam, bei der Jobsuche verschiedene Quellen nach Ratschlägen anzuzapfen. Aber wie bei jeder Suche kann es irreführende Hinweise geben. Wenn Sie typische Mythen früh erkennen, werden Ihre Bewerbungsbemühungen sehr viel effektiver sein, und Sie werden leichter die Stelle finden, die Sie suchen.


Robert Half International Inc. ist die größte und führende spezialisierte Personalvermittlungsagentur. Sie verfügt über ein globales Netzwerk von mehr als 350 Niederlassungen in Nordamerika, Europa, Asien, Australien und Neuseeland. Weitere Informationen zu unseren Dienstleistungen rund um Beruf und Karriere erhalten Sie auf www.rhi.com

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