15.12.2016 -

Zu bescheiden, um über eigene Erfolge zu sprechen. Zu höflich, um sich nicht unterbrechen zu lassen. Zu unsicher, um neue Aufgaben zu fordern und zu hilfsbereit, um gelegentlich auch mal nein zu sagen. Frauen legen sich oft selbst Steine in den Karriereweg. Mit den richtigen Tipps kommen Sie leichter voran.

Herr Müller, seines Zeichens erfolgreicher Marketingleiter, Macho und auf dem Karrieresprung ganz nach oben, wacht eines Morgens in einem wohlgeformten Frauenkörper auf. „Das war’s mit der Karriere“, ist einer seiner ersten Gedanken und er soll Recht behalten. Karrierecoach Martin Wehrle berichtet in seinem Buch „Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!“ (Mosaik Verlag) in gewohnt amüsanter Weise, warum das Berufsleben einer Frau für jeden Mann ein Skandal wäre. „Was wäre los im Land, wenn ältere Managerinnen in ihren Vorzimmern leichtbekleidetet Jünglinge als Chefsekretäre hielten?“, fragt er im Vorwort. „Wenn Männer ein Fünftel weniger als Freuen verdienten, obwohl sie mehr Gewinn erwirtschaften? Ich garantiere Ihnen: Die Hölle wäre los!“

Frauen leiten zwei Bereiche: die Kaffeemaschine und den Geschirrspüler

Die Hölle erfährt der Frau gewordene Macho Müller nun am eigenen Leib. Ab sofort wird er beim Reden unterbrochen, mit Blicken ausgezogen, als „Schätzchen“ angesprochen, mit wenig Geld abgespeist, für Hilfsarbeiten eingespannt und zu guter Letzt schwanger als Muttertier abgeschrieben. Das Buch ist urkomisch und schockierend zugleich. Denn alles, was Müller als Frau am Arbeitsplatz erlebt, wurde Wehrle in seinen Karrierecoachings so zugetragen. „Es ist ganz normal, dass Frauen so behandelt werden. Noch immer.“ Wehrle weiß aus beruflicher Erfahrung: „Frauen leiten in Firmen vor allem zwei Bereiche, die Kaffeemaschine und den Geschirrspüler.“

Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt der Anteil der Frauen in den Chefetagen der großen Unternehmen Deutschlands bei mageren drei Prozent. Daran wird auch die von der Politik geforderte Frauenquote nicht viel ändern. Karriereexperten wie Wehrle raten deshalb Frauen, die beruflichen Erfolg anstreben, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Auch wir haben einige Tipps, wie Sie im männerdominierten Geschäftsleben, den Spieß ganz charmant umdrehen:

Mann kann das! Frau auch?

Na klar können Sie! Frauen konzentrieren sich leider viel zu oft auf Dinge, die sie vermeintlich nicht beherrschen, statt auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen. Während Mann mit unerschütterlichem Optimismus neue Aufgaben an sich reißt, hadert Frau mit der Verantwortung. Schenken Sie sich mehr Vertrauen und haben Sie keine Angst vor neuen Aufgaben. Sie werden daran wachsen.

Eigenlob stinkt doch, oder?

Tut es nicht! Sonst müsste es in allen Unternehmen mit männlicher Führungsriege riechen wie im Schweinestall. Frauen warten darauf, entdeckt zu werden. Eigene Erfolge stellen Sie häufig als Teamleistung dar und sie hoffen, dass der Chef ihre Kompetenz und ihr Engagement erkennt und von selbst honoriert. Geben Sie die Hoffnung auf und präsentieren Sie stattdessen Ihre Leistungen und Erfolge – in Meetings, in Gesprächen mit Vorgesetzten, gegenüber den Kollegen. Sie sollten in der Lage sein, selbstbewusst in 30 Sekunden darzulegen, was Sie im Job einmalig macht.

Das können Sie doch noch besser.

Müssen Sie aber nicht! Verabschieden Sie sich vom Perfektionismus, ein Laster, das meist Frauen mit sich umhertragen und ein echter Karrierekiller. Natürlich geht alles immer noch besser und schöner, aber häufig steht dann der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Lernen Sie, Prioritäten zu setzen und Aufgaben zweckgemäß zu erledigen. Mit Fleiß allein machen Sie keine Karriere.

Wenn ich Sie kurz unterbrechen darf?

In der Tat sind die meisten Frauen viel zu höflich, um diesen Einwurf geflissentlich zu überhören und einfach weiterzureden. Aber jetzt reden Sie und zwar so lange, bis Sie Ihren Gedanken zu Ende geführt haben. Will Ihnen jemand dazwischen plappern, reden Sie einfach weiter – laut und deutlich. Lässt das den Unterbrecher nicht verstummen, wenden Sie sich direkt an ihn mit der Bitte ausreden zu dürfen.

Würden Sie uns schnell mal einen Kaffee bringen?

Und schon zuckt es im Hirn und Frau strebt zur Kaffeemaschine. Warum eigentlich? Vielleicht liegt es am Helfersyndrom, das bei Frauen meist stärker ausgeprägt ist. Natürlich spricht nichts dagegen, zu helfen. Allerdings darf soziales Verhalten nicht einseitig sein. Helfen Sie denjenigen, von denen Sie auch Hilfe und Unterstützung erwarten können. Und seien Sie sich bewusst: Männer wissen auch, wie eine Kaffeemaschine funktioniert.

Ich geh‘ nicht so gern auf Partys.

Sollten Sie aber, zumindest auf die richtigen. Wenn Sie beruflich vorankommen wollen, brauchen Sie Verbündete. Gerade Frauen versuchen oft, als Einzelkämpferinnen zu bestehen. Wer aber im Beruf wirklich weiterkommen möchte, braucht Kontakte und ein Netzwerk, das Unterstützung, Tipps und Hilfestellung bietet. Besuchen Sie deshalb regelmäßig Firmenveranstaltungen und Branchentreffs, um sich mit Leuten innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu vernetzen.

Bescheidenheit ist eine Zier.

Doch besser lebt sich‘s sich ohne ihr! Frauen suchen das Gehaltsgespräch mit ihrem Vorgesetzten deutlich seltener als Männer und treten dabei oft zu bescheiden auf. „Eine Gehaltserhöhung wäre wirklich schön…“ Bitte keinen Konjunktiv. Sie möchten mehr Gehalt? Dann verlangen Sie es. Setzen Sie die Summe ruhig ein bisschen höher an, damit Ihr Chef Verhandlungsspielraum hat.


Quellen: http://www.randomhouse.de/Paperback/Herr-Mueller-Sie-sind-doch-nicht-schwanger/Martin-Wehrle/e434941.rhd?mid=1&serviceAvailable=true#tabbox

www.unicum.de

Bildquelle: © gstockstudio – Fotolia.com