25.04.2013 -

Vieles machen deutsche Betriebe richtig und gut bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Doch nach wie vor passieren auch haarsträubende Fehler, die für viele Unternehmen existenzbedrohend sein können, wie die Studie „Career’s Best Recruiters“ zeigt.

„Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern. Dieser fundamentale Paradigmenwechsel scheint endlich in den Betrieben angekommen zu sein“, interpretiert Studieninitiator Markus Gruber das Ergebnis der diesjährigen Studie „Career’s Best Recruiters“ unter den Top-500-Arbeitgebern Deutschlands.

Professionelles Recruiting, das den Bewerber in den Mittelpunkt stellt, ist heute also unverzichtbar. „Es sind die Mitarbeiter, die erfolgreiche Unternehmen von den weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheiden“, unterstreicht dies Professor Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz.

Einblick in den Unternehmensalltag bieten

Der offene Einblick in den Unternehmensalltag ist zu einem Muss geworden. Dazu zählt etwa Mitarbeiter in Form von Testimonials vorzustellen (67 Prozent der befragten Arbeitgeber setzen dies bereits um), Fotos aus dem Arbeitsalltag zeigen (umgesetzt von 47 Prozent) oder sich offen gegenüber der Anfrage zeigen, das Unternehmen näher kennenzulernen (37 Prozent).

Beim Einsatz von Social-Media-Angeboten im Recruiting ist zwar ein Aufwärtstrend erkennbar – insgesamt nutzen 82 Prozent der getesteten Arbeitgeber das Social Web, um ihr Unternehmen online zu präsentieren. Jedoch lediglich 56 Prozent aller untersuchten Betriebe nutzen die Plattformen aktiv für die Personalsuche.

Defizite beim Umgang mit Bewerbern

In vielen Unternehmen wird über Fachmangel geklagt und dennoch lässt der Umgang und Kontakt mit Bewerbern teils erheblich zu wünschen übrig. So wird häufig nicht auf Formulierungen in Stellenanzeigen geachtet, die Kontaktaufnahme zur Personalabteilung erschwert und Initiativbewerbungen bleiben häufig unbeantwortet.

Lange Reaktionszeiten auf Initiativbewerbungen

Bei der Reaktion auf Initiativbewerbungen können Unternehmen noch Einiges verbessern. Insgesamt 26 Prozent der versendeten Initiativbewerbungen bleiben innerhalb der gesetzten Frist von zehn Werktagen komplett unbeantwortet.

„Hinter jeder geschriebenen Initiativbewerbung steckt Interesse am Arbeitgeber selbst und erheblicher Aufwand“, kommentiert Gruber. Den Einsatz potenzieller Mitarbeiter nicht zu honorieren, macht schlechte Stimmung gegen die Marke – und kann auch viele Anstrengungen, die Top-Recruiting ausmachen, zunichtemachen. „Bereits einen Tag zu spät reagiert, kann der beste Bewerber bereits bei der Konkurrenz gelandet sein“, betont Professor Dr. Christoph Beck.

Unvorteilhafte Formulierungen in Online-Stellenanzeigen

Wenn Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte für sich gewinnen wollen, müssen Arbeitgeber Bewerbern ihre Jobs auch schmackhaft machen. Auf eine ausgewogene Formulierung von Anreizen und Anforderungen in ihren Online-Stellenanzeigen achten aber nur 15 Prozent der untersuchten Arbeitgeber. Darüber hinaus sollten Stellenanzeigen so formuliert sein, dass nicht bloß fachlich geeignete, sondern auch zum Unternehmen passende Bewerber angesprochen werden.

Schwierige Kontaktaufnahme zur Personalabteilung

Als größtes Defizit zeigt sich, dass oftmals bereits die Kontaktaufnahme zu einer HR-Ansprechperson eine erste Hürde darstellt. Bei 25 Prozent der untersuchten Arbeitgeber wurde eine Kontaktaufnahme regelrecht verwehrt. Entweder wurde keine Telefonnummer angegeben oder die Vermittlung stellte nicht zur Personalabteilung durch. Selbst bei den Erreichbaren zeichnete sich lediglich die Hälfte der Unternehmen durch Offenheit und Freundlichkeit aus.

REWE Group bester Recruiter Deutschlands

Auch Unternehmen und Branchen mit den besten Recruiting-Maßnahmen wurden in der Studie beurteilt. Der Gesamtsieg ging an die REWE Group, die vor allem mit einem professionellen und wertschätzenden Umgang mit Bewerbern punktete. „Jede Bewerbung, vom Auszubildenden bis zum hochqualifizierten Experten, betrachten wir als Chance für das Unternehmen. Mitarbeiterorientierung beginnt für uns nicht erst am ersten Arbeitstag, sondern bereits im Recruiting-Prozess“, erläutert Berndfried Dornseifer, Leiter Personal und Personalentwicklung Konzern bei der REWE Group. An der Spitze des Branchenrankings stehen dieses Jahr die Versicherungen. Sie überzeugen durch ihre hervorragend gestalteten Karrierebereiche auf den Webseiten und die hohe Wertschätzung im Umgang mit Mitarbeitern.

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