Nobody is perfect – erst recht nicht der eigene Vorgesetzte. Es gibt kaum ein Unternehmen, in dem der Chef nicht zur Zielscheibe der Mitarbeiterkritik wird. Nicht selten gerechtfertigt. Wer das Gefühl hat, im Chefsessel selbst eine bessere Figur zu machen, sollte dennoch geschickt vorgehen, um seine Karriere nicht unabsichtlich abrupt zu beenden.

Unwissend, nicht durchsetzungsstark, pedantisch, ein Schwätzer oder ein Kontrollfreak – die Liste der chefmäßigen Verfehlungen ist lang und Mitarbeiter stellen sich erstaunt die Frage, wie es dieser Mann oder diese Frau soweit gebracht hat. Wenn Sie in naher Zukunft beweisen wollen, dass Sie diesen Job besser machen können als Ihr jetziger Chef, sollten Sie mit seinen Fehlern geschickt umgehen können. Hier sind fünf Beispiele:

Punkt 1: Bloß nicht bloßstellen!

Ihr Chef hat von der Thematik keinen blassen Schimmer, tut aber so und versucht mit gefährlichem Halbwissen zu beeindrucken. Für Sie wäre es ein leichtes Spiel, ihn bloßzustellen. Tun Sie es nicht! Nicht unter vier Augen und erst recht nicht vor versammelter Mannschaft. Er wird garantiert keine anerkennenden Worte für Ihr Knowhow übrig haben, wenn Sie Ihn wie einen Idioten dastehen lassen. Mit seiner verletzten Eitelkeit haben Sie sich keinen Gefallen getan. Denn dann wird er seine Autorität aufgrund seiner Position ausspielen und Sie sind der Leidtragende. Vergessen Sie nicht, er sitzt am längeren Hebel. Wenn Sie merken, Ihr Chef versteht die Materie nicht, möchte aber trotzdem mitreden, geben Sie ihm geschickt mehrere Entscheidungsmöglichkeiten zur Auswahl. Tragen Sie sie vor, als würden Sie in dem Moment laut darüber nachdenken mitsamt Vor- und Nachteilen. Noch einfacher machen Sie es ihrem Vorgesetzten, wenn Sie ihn mit einem „Sind Sie auch der Meinung, dass…“ sanft in die richtige Richtung lenken.

Punkt 2: Polieren Sie sein Selbstwertgefühl!

Auch wenn Sie sich den lieben langen Tag über das vermeintliche Unvermögen Ihres Vorgesetzten wundern, versetzen Sie sich auch ab und zu in seine Lage. Gerade im mittleren Management suchen Führungskräfte häufig zwischen permanentem Ergebnisdruck von oben und aufsässigen, nörgelnden Mitarbeitern nach ihrer Souveränität. Helfen Sie ihm, sein Selbstwertgefühl ein bisschen aufzupolieren, in dem Sie ihn häufig um Rat fragen. Natürlich nicht ohne die Lösung schon parat zu haben. Sie müssen ihm nur das Gefühl geben, er wäre selbst darauf gekommen. Vermeiden Sie anklagende Formulierungen wie „Sie haben vergessen, dass…“. So etwas will kein Chef hören. Eine geschicktere Formulierung wäre: „Ich habe darüber nachgedacht, ob wir nicht ‚dieses oder jenes‘ berücksichtigen sollten.“ Und mit einem abschließenden „Aber das können Sie sicher besser beurteilen“, lassen Sie keinen Zweifel an seiner Kompetenz.

Punkt 3: Teilen Sie Ideen nur vor Publikum

Eine häufig verbreitete Unart von Vorgesetzten ist es, sich mit fremden Federn zu schmücken. Da werden in Führungskreisen gute Ideen von Mitarbeitern gern mal als die eigenen verkauft und der kreative Kopf zwei Hierarchieebenen darunter bekommt nicht einmal ein müdes Dankeschön. Hier nachsichtig zu sein, bringt Ihnen auf Dauer überhaupt nichts. Wenn Sie Ihren Chef unter Verdacht haben, Sie auf diese Weise auszunutzen, dann vermeiden Sie es, ihm Vorschläge unter vier Augen zu unterbreiten. Stellen Sie Ihre Ideen möglichst immer im Beisein anderer – zum Beispiel in Meetings – vor oder besser noch: Bringen Sie sie zu „Papier“. In einer Email lassen im BCC-Feld ganz geschickt Zeugen für Ihre geistigen Leistungen adressieren – wenn möglich sogar die Chefs Ihres Chefs.

Punkt 4: Beschweren Sie sich nicht über ihn

Sie sind der Meinung, Sie haben das Zeug zum besseren Chef? Gut. Dann akzeptieren Sie, dass Sie es mit seiner Hilfe schneller nach oben schaffen als ohne oder gar gegen ihn. Loyalität ist dabei ein Schlüsselkriterium. Wenn Ihr Vorgesetzter das Gefühl hat, Sie verhalten sich ihm gegenüber nicht loyal, wird er Ihnen bewusst oder unbewusst Steine in Weg legen. Sich beim Vorgesetzten Ihres Chefs über dessen Verhalten zu beschweren, sollten Sie daher im nur Notfall, zum Beispiel bei Mobbing oder kriminellem Verhalten, in Erwägung ziehen. So schwer es Ihnen vielleicht fallen mag, versuchen Sie Probleme immer erst persönlich aus dem Weg zu räumen und dabei unvoreingenommen ins Gespräch zu gehen. Wenn Ihr Chef merkt, dass Sie sich trotz der Schwierigkeiten loyal verhalten, wird er vielleicht schneller einlenken.

Punkt 5: Kritik zu üben, ist leicht. Es besser zu machen, nicht.

Es ist eigentlich immer das Gleiche: Selbst Kollegen, die sich nicht riechen können, sind harmonisch vereint im Lästern über den Chef. Ein gemeinsames Feindbild verbindet eben. Doch bevor Sie über die Unzulänglichkeiten Ihres Chefs herziehen, sollten Sie überlegen, ob und wie Sie die Dinge besser regeln könnten. Mit allen Konsequenzen. Oft haben Mitarbeiter einen engen Fokus auf ihre eigene Arbeit, während der Vorgesetzte das große Ganze überblicken muss und daher Notwendigkeiten für unliebsame Entscheidungen sieht, die Ihnen vielleicht verborgen bleiben. Aus eigener Erfahrung wissen Sie, dass es utopisch ist, es immer jedem Recht zu machen. Eine Führungskraft wird tagtäglich aufs Neue mit dieser Tatsache konfrontiert. Sie muss im Übrigen auch nicht in allen Bereichen perfekt sein, um sich als solche zu legitimieren.

Sie können von Ihrem Chef lernen, um sich auf Ihre eigene Führungsrolle vorzubereiten. Das betrifft Dinge, die gut funktionieren, aber auch Prozesse und Verhaltensweisen, die Sie später besser machen können. Bleiben Sie dabei loyal, ohne Ihrem Vorgesetzten in den Allerwertesten zu kriechen und warten Sie auf Ihre Chance, sich zu beweisen.

 


Quelle: QS TopMBA.com Applicant Survey 2015

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