Praktika sind weit besser als ihr Ruf, so das Ergebnis des Praktikantenreports 2014, einer der größten Studien bislang in diesem Bereich. Statt sinnloser Beschäftigungsmaßnahmen oder Sklaventreiberei berichten Praktikanten landauf landab von netten Kollegen, anspruchsvollen Aufgaben und wertvollen Einblicken in das spätere Berufsfeld. Wir fassen die wesentlichen Ergebnisse für Sie zusammen.

In der Theorie ist so ein Praktikum eine feine Sache. Man bekommt Einblicke in verschiedene Branchen, Unternehmen und Abteilungen, um später besser beurteilen zu können, wohin der eigene Karriereweg denn führen soll. Praktika sind mittlerweile weit verbreitet – die ersten absolvieren wir bereits zu Schulzeiten. Später während des Studiums sollen wir in der praktischen Arbeit das Erlernte möglichst vertiefen und wertvolle Praxiserfahrung sammeln. Das hört sich gut an. Trotzdem assoziieren viele mit dem Begriff „Praktikum“ in erster Linie banale Beschäftigungstherapien wie Kaffee kochen, kopieren oder Büroklammern sortieren. Im schlimmsten Fall ist ein Praktikum der Vorhof zur Hölle, in dem Praktikanten 12 Stunden am Tag ohne Einweisung schuften müssen und mit ein paar mickrigen Euros abgespeist werden.

85 Prozent empfehlen das Praktikum weiter

Das Internetportal meinpraktikum.de räumt jetzt mit allen Vorurteilen auf. Als eine der größten branchenweiten Auswertungen zum Thema Praktikum, die jemals in Deutschland erhoben wurde, betrachtet der Praktikantenreport die Entwicklung der Praktika von 2009 bis 2013. Und siehe da; das Praktikum ist viel besser als sein Ruf. Vier von fünf Praktikanten sind mit ihrem Praktikum zufrieden. 85 Prozent empfehlen generell, ein Praktikum zu absolvieren. Im Rahmen der Studie wertete meinpraktium.de über 13.000 Praktika in mehr als 7500 Unternehmen und 2.100 deutschen Städten aus.

Wertschätzung und Karrierechance sind stark gestiegen

Laut Praktikantenreport hat sich die allgemeine Zufriedenheit mit dem Praktikum von 2009 bis 2013 um beachtenswerte 20 Prozent verbessert. 78 Prozent aller Praktikanten waren 2013 mit ihrem Praktikum insgesamt zufrieden. Dafür wurden sechs Einzelkategorien ausgewertet: Arbeitsatmosphäre, Betreuung, Aufgaben, Wertschätzung, Lernerfolg und Karrierechancen. In allen ist die Zufriedenheit in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen – den größten Sprung machten jedoch die Bereiche Wertschätzung und Karrierechancen. War 2009 lediglich ein Drittel der Befragten mit den beruflichen Perspektiven zufrieden, die durch das Praktikum entstanden sind, konnten 2013 bereits 67 Prozent ihr Praktikum dazu nutzen, um wertvolle Kontakte im Unternehmen zu knüpfen.

Praktika erleichtern den Berufseinstieg

Als Einstieg in einen neuen Job ist ein Praktikum den Befragten zu Folge nur bedingt geeignet. Lediglich für talentierte Quereinsteiger in die Internet- und Multimediabranche brächten Praktika häufiger die Chance auf einen Arbeitsplatz. Und auch in der Versicherungs- und Beratungsbranche würden vielversprechende Praktikanten als kommende Fachkräfte gesehen, die man binden möchte. Unabhängig von der Branche sind sich 71 Prozent Praktikanten einig darüber, dass die Schnupperzeit im Unternehmen grundsätzlich den Einstieg in das Berufsleben erleichtert. Vier Fünftel sind der Meinung, dass ein Praktikum vor allem dazu geeignet ist, das spätere Berufsfeld kennenzulernen. Zudem haben 2013 auch deutlich mehr Praktikanten erkannt, dass sie während des Praktikums wertvolle Kontakte knüpfen und so ihr eigenes Netzwerk ausbauen können.

Große Unterschiede in der Bezahlung

Ein Grund mehr für die Zufriedenheit deutscher Praktikanten dürfte die deutlich gestiegene Vergütung sein: 2013 verdienten sie mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2009. Durchschnittlich 400 Euro bekam ein Praktikant 2013 monatlich bezahlt. Vier Jahre zuvor waren es nur 160 Euro im Durchschnitt. Meinpraktikum.de sieht darin einen Indikator für anspruchsvollere Aufgaben und höherer Verantwortung während des Praktikums, aber auch für die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen das Praktikum als wertvolles Recruiting-Instrument zu schätzen wissen. Die Bestverdiener unter den Praktikanten waren in der Konsumgüterindustrie (797 Euro), in der Telekommunikation (702 Euro) und in der Beratung (614 Euro) zu finden. Praktikanten in den Bereichen Gesundheit (112 Euro), öffentliche Verwaltung (57 Euro) und Bildung (13 Euro) müssen hingegen mehr Wert auf den Praktikumsinhalt denn auf die Bezahlung legen. Auch regional waren erhebliche Unterschiede im Verdienst zu erkennen. Während Praktikanten in Hamburg knapp 470 Euro verdienten, bekamen ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt nur 60 Euro gezahlt.

Weiterempfehlung ist kostenloses Marketing für Unternehmen

Doch nicht allein die Bezahlung ist ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Praktikanten und eine Weiterempfehlung des Praktikums. Nette Kollegen, eine gute Arbeitsatmosphäre und interessante Aufgaben, bei denen der Praktikant viel Neues lernen kann, sind das Erfolgsrezept für Unternehmen, die erkannt haben, dass eine Weiterempfehlung des Praktikums im Umfeld des Praktikanten kostenloses Personalmarketing ist.

 


Quelle: www.meinpraktikum.de
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