Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an den vergangenen Tag, die Woche oder den Monat denken? Vielen von Ihnen sicher, was Sie geärgert oder frustriert hat. Ganz klar, denn unser Gehirn beschäftigt sich eher mit den negativen Aspekten des Lebens. Bei unseren Vorfahren diente das deren Schutz oder war sogar überlebenswichtig. Heute hat sich dieser biologische Mechanismus bei manchen verselbstständigt. Es ist zur schlechten Gewohnheit geworden, über gestern und morgen zu grübeln und sich sogar über Dinge Sorgen zu machen, die noch gar nicht da sind und wahrscheinlich nie eintreten werden. Wir hängen dann oftmals in negativen Denkschleifen richtig fest.

Hier heißt es einzugreifen, denn unsere Gedanken machen nur dann, was sie wollen, wenn wir sie lassen, wenn wir nicht reagieren.

Halten Sie sich fern von Negativem

Das heißt allerdings nicht nur, die rosarote Brille aufzusetzen. Negativ erlebte Emotionen haben selbstverständlich ein Berechtigung und sogar eine wichtige Hinweisfunktion. Egal ob es sich um Angst, Ärger oder Wut handelt, diese Gefühle signalisieren, dass etwas gerade jetzt oder allgemein im Leben nicht stimmt. Deshalb wäre es kontraproduktiv, sie einfach zu ignorieren bzw. sie ganz und gar beiseite zu schieben. Damit kämen wir ganz schnell in dem großen Bereich der psychosomatischen Erkrankungen an.

Fragen Sie sich stattdessen bei negativen Gedanken immer wieder, warum Sie etwas so stark beschäftigt, was Ihnen das sagen oder zeigen will. Oder ist es einfach nur eine schlechte Gewohnheit, dass Sie immer wieder auch über kleine Abweichungen von Ihren Erwartungen nachdenken? Dass Sie dabei alles Schöne und Positive ausblenden und sich auf die negativen Dinge und Aspekte einer Sache konzentrieren?

Wie wäre es, wenn Sie zukünftig versuchen, sich von den vielen schlechten Nachrichten, die Sie täglich umschwirren, ganz einfach fernzuhalten? Das trifft auch auf Menschen zu, die Ihnen nicht guttun, die über alles klagen. Ob das Wetter nun warm oder kühl, die Nachbarin schweigsam oder mitteilsam ist, Besuch oft oder selten kommt, alles sehen sie unter einem negativen Aspekt und nichts ist ihnen recht. Das geht sogar soweit, dass solche Menschen positive Tendenzen zwar sehen, sie aber sofort abwerten. Ob Sie den Mechanismus, der daraufhin für Sie selbst einsetzt, gleich wahrnehmen oder nicht, all das beeinflusst Sie. Negative Gedanken und Gefühle übertragen sich und rauben Ihnen Energie.

Aber das Ganze funktioniert zum Glück auch in die andere Richtung. Wenn wir uns die guten Seiten des Lebens immer wieder bewusst machen, und das möglichst täglich, führt dies dazu, dass wir uns gut fühlen. Mit diesen spürbar guten Gefühlen können wir mehr und leichter Gutes schaffen und den Erfolg dann auch bewusst genießen. Es geht uns gut, Wohlbefinden stellt sich ein. So können wir den negativen Kreislauf durchbrechen und es geht wie bei einer Spirale immer weiter nach oben statt nach unten.

Auch der Körper spielt eine Rolle

Manche Ratgeber sagen uns, wir müssten nur richtig wollen oder genug meditieren, unsere Wünsche in den Himmel schicken und, und, und …Dann würde alles fast wie von allein klappen. Doch manchmal sind wir trotzdem für alles viel zu müde und fühlen uns abgespannt. Deshalb halte ich es für wichtig, an dieser Stelle auf die körperliche Seite einzugehen. Auch ein gesunder Körper arbeitet nicht optimal, wenn er zum Beispiel unterversorgt ist, zu wenig Vitamine, Mineralien oder Hormone hat. Wenn Sie zu wenig von den Vitaminen C, D und B haben, Aminosäuren, Östrogen, Progesteron, DHEA, Testosteron oder Melatonin fehlen, macht sich das bemerkbar. Sie sind schlapp und „schlecht drauf“. Wenn Sie die Mitte der 40er Jahre bereits überschritten haben, sollten Sie dies regelmäßig testen lassen und bei Bedarf gegensteuern – und das besonders dann, wenn Ihre Werte grad noch so im Normbereich liegen.

10 Praktische Tipps zum Positiven Denken

1. Schenken Sie dem Denken größere Beachtung

Die Forschung weist darauf hin, dass zu 50 Prozent die Anlagen, zu 10 Prozent die Umstände zum Glück beitragen und wir 40 Prozent selbst in der Hand haben.

2. Gut leben braucht gut zu denken

Fragen Sie sich bei allem, was Sie tun, ob das etwas Gutes ist, ob das Ihnen und/oder Anderen etwas Gutes bringen kann. Steckt dahinter eine gute Absicht Ihrerseits? Das trifft übrigens nicht nur auf unser Tun, sondern auch auf unser Denken zu.

3. Schluss mit höher weiter schneller

Bedingungen für Zufriedenheit sind schlechte Ratgeber. Denn wenn wir nicht zufrieden sind mit dem vorhandenen werden wir es wahrscheinlich auch nicht mit dem gewünschten sein.

4. Gutes Denken will trainiert werden

Sich bewusst für etwas zu entscheiden, also wie hoch unsere Motivation ist, und „dranzubleiben“ an einem Vorhaben, das sind wichtige Komponenten für den Erfolg. Hier können wir von Sportlern und Künstlern lernen. Von Violinisten und Schachspielern ist beispielsweise bekannt, dass außergewöhnlich gute in der Regel 10 Jahre bzw. 10.000 Stunden üben, bevor sie zu Höchstleistungen kommen. So ist es auch beim positiven Denken. Bleiben Sie also dran.

5. Sorgen Sie selbst für Ihr Wohlbefinden

Das ist so enorm wichtig, weil Ihre guten Gedenken und Gefühle die negativen in ihrer Wirkung auf Körper und Geist ausgleichen. Das heißt, wenn Sie gerade etwas Freudvolles erleben oder etwas Schönes denken bzw. in Ihr Bewusstsein holen, können Sie schneller regenerieren und sind schneller fit für neue Anforderungen.

6. Stecken Sie die Welt mit positiver Stimmung an

Eine positive Stimmung erleichtert uns die Wahrnehmung anderer positiver Dinge. So kann ein positiver Kreislauf entstehen. Je mehr dabei mitmachen, umso schöner und leichter.

7. Beachten Sie das kleine Glück

Wussten Sie zum Beispiel, dass die meisten Menschen tendenziell glücklich sind? Natürlich nicht immer und nicht mit allem. Vergessen wird manchmal das ganz „normale“ Glück. Es ist eher klein und fein, wie bei einem guten Kundengespräch, einem erholsamen familiären Nachmittag oder dem netten Plausch mit der Nachbarin. Je mehr wir die kleinen Glücksmomente im Alltag beachten, umso öfter werden wir sie erleben.

8. Schätzen Sie alles, was Sie haben

Eine Arbeit, ein Partner, eine gute Gesundheit, alles scheint ganz selbstverständlich zu sein, bis …, ja, bis sie uns abhanden kommen. Unser Gehirn passt sich an Gutes, an Gewohntes, schnell an. Den Wert für uns spüren wir erst, wenn Verlust droht, wenn etwas davon plötzlich nicht mehr da ist. Auch hier lohnt es sich, den Focus umzustellen auf das, was wir haben, solange wir es haben.

9. Eine positive Sprache bringt positive Gefühle

Auch Worte sind Indikatoren. Wir entscheiden uns nicht ohne Grund mal für das eine, dann für ein Synonym oder das Gegenteil. Der amerikanische Begründer der Positiven Psychologie, Martin Seligmann, hat 80 Millionen Tweets und Nachrichten bei Facebook ausgewertet. Er fand „herzschützende“ Worte, wie „thanks“ (danke), „great“ (toll), „interesting“, „love“.

10. Geben Sie Gutes weiter

In manchem alten Poesiealbum steht, dass die Freude, die wir geben, ins eigne Herz zurückkommt. Und das stimmt, denn Fürsorge für andere Menschen ist ein Glücksbringer. Zwei Stunden pro Woche sollten es sein.

Eine Formel mit Varianten

Erinnern Sie sich noch an den Mathematikunterricht und an das Thema Division? Je kleiner der Nenner (unter dem Bruchstrich) oder je größer der Zähler (über dem Bruchstrich), umso größer wird das Ergebnis. Es hat mir Spaß gemacht, auf dieser Grundlage eine Formel zum Positiven Denken zu entwickeln. Damit können Sie sich testen: Gibt es Einflüsse, Voraussetzungen, Entscheidungen oder anderes, die Ihnen das positive Denken in Zukunft leichter machen?

Positives Denken =

Entscheidung + Absicht + Dranbleiben + Sprache + Dankbarkeit + Bewusstsein + Menschen  + Gewohnheiten

./.

Anlage + Körper+ Erwartungen + Umstände

 

Spielen Sie ruhig einmal verschiedene Varianten durch. Geben Sie jedem Wert, der Sie beeinflusst oder um den Sie sich kümmern, eine 1, allen anderen eine 0.

Lassen Sie mich das an zwei Beispielen zeigen. 1. Wenn Sie seit Kindertagen ein Optimist mit einem sonnigen Gemüt sind, einen gesunden Körper haben, realistische Erwartungen und sich von Umständen nichts anhaben lassen, dann wäre im Nenner nur 0+0+0+0. Das heißt, die Chance auf positives Denken ist unendlich groß. Dabei ist es dann egal, was im Zähler steht. 2. Wenn Sie nicht die Absicht haben, sich um das Thema positives Denken zu kümmern, dadurch auch nicht dranbleiben wollen, sich nicht um eine positive Sprache bemühen, Ihnen das auch gar nicht bewusst und wichtig ist, sie niemandem dankbar für Ihr Leben sind, Sie schlechte Gewohnheiten haben und keine sozialen Beziehungen pflegen, dann wäre im Zähler nur 0+0+0+0… und das Ergebnis wäre: Null Chancen auf positives Denken.

Unser aller Ergebnis liegt sicherlich irgendwo dazwischen, denn beide Fälle sind die Extreme. Vielleicht haben Sie jetzt Lust bekommen, Ihre eigene Formel aufzustellen, an der Sie sich orientieren wollen. Ergänzen Sie, was in Ihrem Leben eine Rolle spielt. Suchen Sie nach Ihren Chancen für ein positives Denken.

 

Dr. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und Expertin für Leistung UND Wohlbefinden. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, aufzuzeigen, wie der Spagat zwischen Lust auf Leistung und Erhalt der eigenen Ressourcen in der Welt von heute gelingen kann. Nach 15 Jahren in Führungspositionen der freien Wirtschaft ist sie heute erfolgreiche Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin. Sie wurde vom Ministerium für Wirtschaft und Energie als Vorbildunternehmerin ausgezeichnet. Dr. Ilona Bürgel lebt und arbeitet in Dresden und Aarhus DK. www.ilonabuergel.de


Bildquelle: © Brian A Jackson, Shutterstock