21.03.2012 -

Ein Umzug kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern vor allem Geld. Unterstützung kommt nicht selten vom Chef. Schließlich soll der Umzug an den neuen Arbeitsplatz weder Motivation noch Produktivität beeinträchtigen. Wo und wie der Arbeitgeber unter die Arme greift, ist jedoch Verhandlungssache…

Neuer Job, neue Stadt, neue Wohnung –  dass Arbeitnehmer in ihrem Berufsleben mehrmals den Wohnort wechseln, ist längst gang und gäbe. Doch auch wenn die Bereitschaft zur Mobilität zu Gunsten der eigenen Karriere vorausgesetzt wird, bedeuten Umzugskisten auch immer Umzugskosten. Und die sind nicht ohne: Renovierung, Makler und Spedition belasten das Konto ebenso wie möglicherweise doppelte Mietzahlungen oder die Ausstattung einer Zweitwohnung. Einen rechtlichen Anspruch auf finanzielle Umzugshilfen vom Arbeitgeber gibt es nicht. Jedoch ist vielen Unternehmen daran gelegen, Mitarbeiter bei einem schnellen und möglichst stressfreien Umzug zu unterstützen. Denn wird dieser zur finanziellen und nervlichen Belastung, sinkt automatisch die Produktivität.

Sonderurlaub

Deshalb gewähren die meisten Arbeitgeber ein bis zwei zusätzliche Urlaubstage für einen berufsbedingten Umzug. Doch Achtung: Per Gesetz ist der Anspruch auf Sonderurlaub bei Umzug nicht geregelt, sondern vielmehr in individuellen (Betriebs)Vereinbarungen oder Tarifverträgen festgelegt. Da ein Umzug mit all den notwendigen Behördengängen kaum neben der regulären Arbeitszeit zu bewerkstelligen ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig mit dem Chef die Möglichkeit eines Sonderurlaubs zu klären oder normale Urlaubstage zu beantragen. Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer vom Unternehmen an einen anderen Arbeitsplatz versetzt wird. Ist damit ein Umzug verbunden, wird der Arbeitgeber für diesen in Regel auch immer einen Sonderurlaub gewährleisten. Auch betriebliche Übung kann einen Anspruch auf Sonderurlaub rechtfertigen: Wurde in der Vergangenheit einzelnen Mitarbeitern Sonderurlaub bei Umzug gewährt, so gilt dies für alle anderen Mitarbeiter auch. Betriebsrat und Personalabteilung sind in jedem Fall die richtige Adresse, um sich eingehend zu informieren.

Wer trägt die Kosten?

Wer berufsbedingt umziehen muss, tritt entweder eine ganz neue Stelle an oder wird von seinem Arbeitgeber an einen neuen Standort versetzt. Die meisten größeren Unternehmen haben für beide Fälle in der Regel Rahmenverträge mit Dienstleistern geschlossen, die den Umzug im Auftrag der Firma abwickeln. Doch einen Anspruch darauf hat der Arbeitnehmer nicht. Inwieweit der Arbeitgeber sich an den Umzugskosten beteiligt, ist individuell verschieden und liegt immer in seinem Ermessen. So gewähren manche Unternehmen zum Beispiel zeitlich gestaffelte Umzugsprämien: Je schneller der Mitarbeiter im neuen Job einsatzbereit ist, desto großzügiger fällt die Prämie aus. Davon lässt sich dann zum Beispiel die doppelte Mietbelastung finanzieren, die bei einem Umzug noch vor Ende der Kündigungsfrist der alten Wohnung zwangsläufig anfällt. Oft zahlen Unternehmen für die Zeit der Wohnungssuche am neuen Arbeitsplatz die Unterbringung in einem Hotel oder Appartement. Auch über die Übernahme der Fahrtkosten oder einen Pendelzuschlag während der Probezeit lässt sich mit dem neuen Chef verhandeln.

Arbeitslose, die für einen neuen Jobs einen Umzug in Kauf nehmen, sollten sich in jedem Fall in der Agentur für Arbeit über eine Kostenerstattung informieren.

Behält der Arbeitnehmer seinen Hausstand und bezieht einen Zweitwohnsitz am Beschäftigungsort, ist es Verhandlungssache, inwieweit der Arbeitgeber für die zusätzlichen Kosten einer doppelten Haushaltsführung aufkommt. Meist werden dem Mitarbeiter jedoch die Kosten für die wöchentlichen Heimfahrten oder eine Bahncard finanziert.

Doppelte Haushaltsführung

Wenn der Chef knausert, bleibt immer noch Vater Staat: Bei einem berufsbedingten Umzug lassen sich die damit verbundenen Aufwendungen als Werbungskosten steuerlich absetzen. Dazu gehören unter anderem: Transportkosten für die Möbel, Aufwendungen für durch den Transport verursachte Schäden, Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwand, doppelte Mietzahlungen in der Regel bis zu 3 Monaten, längstens jedoch für 6 Monate, Maklergebühren für eine neue Mietwohnung sowie Kosten für den Nachhilfeunterricht bis zu einer festgelegten Höhe für die Kinder. Daher ist es ratsam, alle Belege sorgfältig aufzubewahren. Zusätzlich und ohne Einzelnachweis kann für sonstige Umzugskosten eine Umzugskostenpauschale geltend gemacht werden: 641 bzw. 1283 Euro für Ledige bzw. Verheiratete und 283 Euro für jede weitere im Haushalt lebende Person.

Auch die doppelte Haushaltsführung ist für eine positive Überraschung bei der Steuererklärung gut. Sofern nicht vom Arbeitgeber subventioniert, können die Bruttomiete für die Zweitwohnung, Fahrtkosten für die wöchentlichen Heimfahrten sowie Verpflegungsmehraufwendungen zusätzlich zu den oben beschriebenen Umzugskosten steuermindernd geltend gemacht werden.


(Quellen: finanztipp.de, SZ online, N24.de, tippser.de)

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