29.03.2017

N-E-I-N – die vier harmlosen Buchstaben sind eine echte Geheimwaffe. Experten sagen: Wer sie nicht zu nutzen weiß, kommt im Leben zu kurz, übergeht sich und seine Bedürfnisse und gefährdet seine Gesundheit. Wir erklären, warum es so wichtig ist, ab und zu nein zu sagen.

Der Schweizer Entwicklungspsychologe Jürg Frick ist überzeugt: Unsere Neigung, den Bitten anderer ohne Rücksicht auf die eigenen Wünsche nachzukommen, ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Burn-out. Trotzdem scheint es vielen schwer zu fallen, auch ab und zu „nein“ zu sagen. Laut einer Studie von FOCUS und TNS Emnid antworten 80 Prozent der Deutschen nur allzu oft mit ja – die jüngeren häufiger als die älteren. Kommt die Bitte vom eigenen Chef nicken in der Regel 47 Prozent der Frauen, aber nur 36 Prozent der Männer pflichtbewusst mit dem Kopf.

Ja-Sager folgen, aber führen nicht

Vielleicht lebt es sich als Ja-Sager auf den ersten Blick leichter: keine Rechtfertigungen, keine enttäuschten Mitmenschen, keine Probleme. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Wer ständig und allem zustimmt, gibt seiner Umgebung ein falsches Signal: der ist für alles zu haben! Das bringt nicht unbedingt Sympathiepunkte bei den Kollegen, denn der emsige Fleißarbeiter lässt deren Leistungen unter Umständen schlecht aussehen. Außerdem zollen sie jemandem, der nicht gelegentlich mit einem Nein aneckt, um eigene Interessen zu vertreten, keinen Respekt. Im fehlt das Leader-Gen. Ja-Sager ordnen sich unter, sie folgen statt zu führen. Da wird die Karriere überschaubar.

Das Sag-Nein-Training beginnt mit der Selbstanalyse

Dabei gehört zum Nein-sagen lediglich die richtige innere Einstellung und etwas Übung. Zunächst müssen Sie herausfinden, warum Ihnen das Nein so schwer fällt. Wir haben die Klassiker einmal zusammengestellt:

  • Ich bin egoistisch, wenn ich die Bitte ablehne.
  • Ich will nicht herzlos wirken.
  • Die brauchen mich, ohne mich schaffen sie es nicht.
  • Wenn ich es nicht mache, wer soll es sonst tun?
  • Ich möchte, dass der andere mich nett findet.
  • Die mögen mich nicht mehr, wenn ich Nein sage.
  • Ich habe schneller meine Ruhe, wenn ich nein sage.
  • Ich hoffe, dass meine Bitten auch nicht abgeschlagen werden.
  • Ich fühle mich dem anderen gegenüber in der Schuld.

Achten Sie darauf, wie Ihr Körper reagiert, wenn Sie sich beim nächsten Mal zu einem Ja überreden lassen. Vielleicht steigt leichte Panik in Ihnen auf, der Puls geht schneller, Ihr Magen krampft sich zusammen oder Sie spüren den bekannten Kloß im Hals? Wenn Sie diese Anzeichen bewusst wahrnehmen, wissen Sie, wann ein Nein angebracht ist. Jetzt muss es Ihnen nur noch über die Lippen kommen.

Auch bei einem Nein macht der Ton die Musik

„In sehr vielen Fällen ist das Wie eines Neins von entscheidender Bedeutung“, schreibt Jürg Frick. „Wer ruhig, bestimmt und freundlich Nein sagt, muss sich ja wohl etwas überlegt haben, könnte ja vielleicht sogar recht damit haben, hat sogar manchmal eine Vorbildwirkung! Ihm wird eher argumentative Sachlichkeit als unüberlegte Emotionalität zugebilligt – und das beeindruckt die Menschen in der Regel doch in erheblichem Maße.“ Das Gegenüber muss sicher sein, dass es um die Sache geht und keine persönliche Entscheidung ist, die im Affekt oder gar im Zorn getroffen wurde.

5 x Nein – So können Sie eine Bitte freundlich ablehnen

  1. Höflich aber bestimmt Nein sagen: „Ich glaube, ihr schafft das auch ohne mich.“ oder „Dieses Mal kann ich euch leider nicht unterstützen.“
  2. Um Bedenkzeit bitten: „Ich muss erst prüfen, ob ich Zeit dafür habe.“ oder „Ich überlege es mir und gebe Ihnen am Ende der Woche Bescheid.“
  3. Mit Begründung ablehnen: „Ich kann heute nicht länger arbeiten, weil ich verabredet bin.“ oder „Ich habe nicht die Kapazitäten, um das Projekt zu übernehmen.“
  4. Verständnis zeigen: „Ich kann verstehen, dass Sie diese Projekt gerne abschließen wollen, sehe aber keine Möglichkeit, das diese Woche zu erledigen.“
  5. Klartext reden: Entschuldigen Sie sich nicht für Ihr „nein“ à la „Es tut mir sehr leid…“, sondern formulieren Sie klar: „Ich habe wirklich keine Zeit.“

Auch wenn es Ihnen zu Beginn schwer fällt, sich zu einem Nein durchzuringen und die Reaktionen der Gegenseite irritieren können – da müssen Sie jetzt durch. Mit jedem Nein wird es in Zukunft leichter und Sie werden merken, dass Sie dafür weder Kritik und Sympathieverlust in Kauf nehmen müssen. Stattdessen werden Sie selbstbewusster und können Ihre neue Entscheidungsfreiheit genießen.

 


Quellen: http://www.juergfrick.ch, http://www.focus.de, http://www.gu.de

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