Barack Obama und Wladimir Putin frönen ihm genauso wie damals Margret Thatcher oder wahrscheinlich auch ihr Nachbar – dem Morgenritual. Wir verraten Ihnen, warum Ihnen automatisierte Tätigkeiten und Abläufe helfen können, motivierter, entspannter und leistungsfähiger in den Arbeitstag zu starten und wie Sie Ihr ganz persönliches Morgenritual finden.

Barack Obama beginnt den Tag mit einem ausgiebigen Fitness-Training, Wladimir Putin geht ein paar Bahnen schwimmen und Anna Wintour tankt auf dem Tennis-Court die nötige Energie für den Tag. Claus Hipp schließt vor Arbeitsbeginn die Wallfahrtskapelle auf dem Firmengelände in Pfaffenhofen auf und Margret Thatcher verpasste am Morgen nie eine Ausgabe ihrer Lieblingsradiosendung „Farming Today.“ Die meisten Menschen beginnen den Tag bewusst oder unbewusst mit einem Ritual und bis zum Abend folgen unzählige weitere – von A wie Absacker und Aufguss bis Z wie Zähneputzen und Zigarette danach.

Rituale bieten Orientierung und Sicherheit

Während die einen Rituale als verstaubte Gewohnheiten abtun, die Menschen dazu bringen, zu handeln ohne nachzudenken und in festgefahren Strukturen zu verharren, sehen andere ein größeres Potenzial in rituellen Tätigkeiten. Denn Rituale bieten Orientierung in einer unübersichtlichen Welt. „Die Gesellschaft differenziert sich, der Stress nimmt zu. Da können Rituale helfen“, sagt der Anthropologe Christoph Wulf von der Freien Universität Berlin gegenüber tagesspiegel.de. Weil sie das Leben strukturieren und Emotionen beherrschbar machen. Weil sie Sicherheit vermitteln.

Rituale entstehen durch Wiederholungen

Morgenrituale, wie eingangs beschrieben, können zudem einen positiven Effekt auf Motivation, Ausstrahlung und Leistungsfähigkeit haben, weil wir sie mit positiven Emotionen verknüpfen. Wer den Tag mit einer Tätigkeit beginnt, die er wirklich gern macht, kommt gut gelaunt an den Arbeitsplatz, während andere schon vor lauter Morgenhektik gestresst sind. Es kann also durchaus hilfreich sein, sich ein paar gepflegte Morgenrituale zuzulegen. Doch man erlernt sie nicht in dem Sinne, wie man Vokabeln paukt. Rituale entstehen durch Wiederholungen. Haben Sie also Geduld, wenn die Änderungen im morgendlichen Ablauf zunächst ungewohnt sind. Drei bis vier Wochen sollten Sie ihrem Ritual Zeit lassen, um beurteilen zu können, ob es sich bewährt. Dann erst stellt sich der ritualtypische Automatismus ein, über den man nicht nachdenkt und für den das Gehirn wenig Energie verbraucht.

8 Rituale für einen guten Morgen

Vielleicht haben Sie ja schon ein Ritual, mit dem Sie jeden Morgen in den Tag starten. Das heißt aber nicht, dass Sie es nicht verändern oder ausbauen können. Ein Morgenritual kann auch aus mehreren kleinen Tätigkeiten bestehen. Wir haben einige Vorschläge für Sie zusammengestellt. Wichtig ist, dass Sie sich genügend Zeit für das Ritual nehmen, um es genießen zu können, ohne dass es morgens hektisch wird.

  1. Ein Lächeln schenken! Lächeln Sie Ihr Spiegelbild an, wenn Sie ins Bad kommen, wie einen lieben Freund und freuen Sie sich darüber, sich zu sehen.
  2. Den Kreislauf ankurbeln! Eine Tasse heißes Wasser mit frischer Zitrone oder Ingwer entgiftet den Körper und weckt die Lebensgeister. Aber bitte nicht einfach zwischen dem Zähneputzen und Sockensuchen hinunterstürzen, sondern in Ruhe genießen.
  3. Ein Liedchen trällern! Wer regelmäßig singt, lebt gesünder, ist lebensfroher, zuversichtlicher und tatkräftiger. Das hat der deutsche Musikpsychologe Dr. Karl Adamek bei 500 Probanden empirisch nachweisen können. Es genügen schon wenige Strophen, um die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin anzukurbeln. Gleichzeitig bilden sich beim Singen Hormone wie Testosteron, Adrenalin und Kortisol zurück, die uns aggressiv und stressanfällig machen. Stellen Sie also eine Playlist mit Liedern zusammen, bei denen Sie gerne aus vollem Hals mitsingen – zum Beispiel unter Dusche oder im Auto auf dem Weg zur Arbeit.
  4. Einen Plan haben! Eine morgendliche To-Do-Liste hilft Ihnen, den Tag zu planen, Aufgaben zu strukturieren. Notieren Sie in Ruhe alles, was Sie an diesem Tag erledigen wollen – beruflich und privat. Ordnen Sie die Tätigkeiten nach ihrer Dringlichkeit und setzen Sie sie in einen groben Zeitrahmen. Wenn Sie zur Arbeit kommen, können Sie sich ganz entspannt ans Werk machen.
  5. Ins Schwitzen kommen! Auch beim Sport lassen sich wunderbar Gedanken ordnen und Pläne machen. Viele Menschen kommen bei körperlicher Ertüchtigung auch auf kreative Ideen und Einfälle, ganz zu schweigen von den positiven Auswirkungen auf die eigene Fitness. Außerdem ist die körperliche Überwindung zu schweißtreibender Tätigkeit der erste kleine Erfolg des Tages. Egal ob Schwimmen, Joggen, Radfahren, Krafttraining oder eine andere Sportart – gut ist, was gut tut.
  6. Einen Spaziergang machen! Wer sich noch nicht für den 5 km Waldlauf morgens um halb sechs berufen fühlt, kann auch einfach eine halbe Stunde spazieren gehen. Gerade am frühen Morgen hält die Natur ganz besondere Erlebnisse und Eindrücke bereit, die von Stress und Hektik ablenken und uns auf Wesentliches fokussieren.
  7. One Moment Meditation! Um Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und innere Ruhe zu erlangen, braucht es nur sechzig Sekunden. Organisationsberater Martin Boroson ist überzeugt, indem Sie nur eine Minute lang meditieren, können Sie morgens jeden Moment nutzen, um in kürzester Zeit zu entspannen, Stress abzubauen, den Geist zu erfrischen und kreative Kräfte zu wecken. Wie es funktioniert, zeigt er auf seiner Website www.one-moment-meditation.de
  8. Das Gehirn leeren! Braindump ist eine Technik, die Ihrer Kreativität morgens auf die Sprünge hilft. Im Grunde ist es wie ein Brainstorming jedoch ohne jegliche Vorgaben. Gleich nach dem Aufstehen nehmen Sie sich drei leere A4-Seiten und einen Stift. Dann schreiben Sie so lange, bis die drei Seiten gefüllt sind. Das machen Sie jeden Morgen, ohne Ausnahme. Was Sie schreiben, ist dabei ganz egal. Achten Sie nicht auf wohlwollende Formulierungen, Rechtschreibung oder Grammatik. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen gerade in den Sinn kommt – ohne Zusammenhang oder Regeln. So schicken Sie Ihr Gehirn jeden Morgen auf einen Kreativtrip.

Quellen: www.brigitte.de, www.zeitzuleben.de, www.tagesspiegel.de, www.one-moment-meditation.de,

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