Sich auf Stellenangebote zu bewerben mit 50 Jahren ist noch immer sehr schwer und birgt Nachteile gegenüber jüngeren Bewerbern. Dabei können Sie einiges mehr in die Waagschale werfen, vor allem Erfahrung. Um den potentiellen Arbeitgeber von sich zu überzeugen, sollten sie allerdings eine andere Bewerbungsstrategie wählen…

Anfang bis Mitte Dreißig mit guter Ausbildung sowie einigen Jahre Berufserfahrung und derzeit in einer vergleichbaren Position – dieses Raster wird, dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt zum Trotz, bei Stellenausschreibungen meist angesetzt, um die Flut der eingehenden Bewerbungen zumindest grob zu filtern. Reife und erfahrene Arbeitnehmer fallen in den meisten Fällen hindurch. Denn wer diesem gängigen Schema nicht entspricht, kann kaum darauf hoffen, dass seine Bewerbung überhaupt gelesen wird. Allerdings sind qualifizierte Fach- und Führungskräfte ja bekanntermaßen Mangelware. Ein Umstand, der vor allem Arbeitnehmern der Generation 50+ in die Karten spielt, wenn sie sich für einen Arbeitsplatzwechsel entscheiden. Sie müssen es nur schaffen, aus der Masse der Bewerber herauszustechen.

Einstellung und Ausstrahlung

„Kein Arbeitgeber stellt einen unmotivierten Mitarbeiter ein. Egal welche Erfahrungen dieser besitzt.“ Karriereberater Alexander Büsing weiß, dass vor allem ältere Arbeitnehmer weniger Selbstvertrauen zeigen, wenn sie mit jüngeren um eine Stelle konkurrieren. Völlig grundlos, denn sie können mit vielen anderen starken Argumenten punkten. „Wichtig ist, dass der Arbeitssuchende eine positive Grundhaltung zu einer neuen Herausforderung entwickelt und diese auch ersichtlich in seinen Bewerbungsunterlagen und im Vorstellungsgespräch durchwirken lässt“, so Büsing. Ich will noch einmal zeigen was ich kann oder Hauptsache, ich hab noch eine paar Jahre einen Job – ein Arbeitgeber merkt den Unterschied sofort.

Falls Sie also einige Jahre mehr auf dem Arbeitszeitkonto verbuchen können, sollten Sie verinnerlichen, dass nicht das Geburtsdatum sondern der Mehrwert, den Sie dem Unternehmen bringen, ausschlaggebend für eine Einstellung ist. Wer seine Stärken kennt und motiviert einen Neuanfang wagt, kann den Arbeitgeber mit überzeugenden Argumenten für sich gewinnen.

Die Spielregeln kennen für bewerben mit 50

Liegt die letzte Bewerbung schon einige Jahre zurück, ist es hilfreich, sich erst einmal mit den aktuellen Spielregeln vertraut zu machen, empfiehlt Büsing. Die Vielzahl von Bewerbungsratgebern im Internet und Buchhandel zeigt auf, worauf Personaler heute besonderen Wert legen. So können Sie die Bewerbungsunterlagen entsprechend anpassen. Ihre Bewerbungsstrategie jedoch muss eine andere sein, als die der 25- bis 35-Jährigen. Zunächst sollten Sie versuchen, einen persönlichen Kontakt zum Personalverantwortlichen oder sogar zum potentiellen Fachvorgesetzten herzustellen. In einem kurzen Telefonat können Sie auf Ihre Erfahrungen und Stärken in Bezug auf die zu besetzende Stelle hinweisen. Ein Vermerk auf das Gespräch mit Herrn oder Frau XY im Anschreiben, sorgt dann in jedem Fall für die gewünschte Aufmerksamkeit. Auch Job- und Bewerbermessen geben Gelegenheit, sich potentiellen Arbeitgebern vorzustellen. Hier zählen insbesondere ein professionelles und selbstbewusstes Auftreten sowie eine positive Ausstrahlung.

Da kenn ich doch jemanden

Ältere Arbeitnehmer haben nicht nur mehr Erfahrung sondern auch mehr berufliche Kontakte als ihre jüngeren Kollegen. Nutzen Sie diese ganz gezielt bei der Jobsuche! „Der Kontakt zu Personen und Netzwerken zählt zu den erfolgreichsten Bewerbungsstrategien“, bestätigt Karriereberater Alexander Büsing. Auch wenn die Kontaktaufnahme ein wenig Selbstüberwindung koste. Ein einfaches „Kennen Sie eine freie Stelle?“ reiche aber bei der Kontaktaufnahme nicht aus. „Besser ist hier eine aktive Selbstdarstellung mit den Eigenschaften und Stärken, die der Arbeitssuchende mitbringt“, so Büsing. Im Übrigen kann ein gutes Netzwerk Ihnen auch Pluspunkte beim potentiellen Arbeitgeber verschaffen, wenn Ihre Kontakte dem Unternehmen hilfreich sind.

Sprungbrett Zeitarbeit

Eine andere, ebenfalls erfolgreiche Strategie bei der Jobsuche ist die Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma. Diese haben oft interessante Angebote für ältere Arbeitnehmer. Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung können Sie Ihre Fähigkeiten konkret unter Beweis stellen und den zukünftigen Arbeitgeber samt Kollegen von sich überzeugen. Haben Sie das geschafft, ergeben sich daraus nicht selten attraktive Jobangebote.

Damit können Sie punkten

Nein, mit 50 oder mehr Jahren zählen Sie keinesfalls zum alten Eisen, sondern können dem Arbeitgeber gegenüber jüngeren Bewerbern eine Menge Vorzüge bieten. Zum Beispiel:

  • Berufliche Erfahrung: Kein Universitätsabschluss der Welt ist für ein Unternehmen so wertvoll wie eine langjährige Berufserfahrung. Denn dank dieser Erfahrung beweisen Sie in vielen Situationen ein besseres Urteilsvermögen und sparen dem Unternehmen so Zeit und Geld.
  • Persönliche Erfahrung: Auch von Ihrer Lebenserfahrung kann das Unternehmen profitieren, denn in kritischen Situationen reagieren Sie besonnener und beweisen Weitblick.
  • Arbeitsmoral: Ältere Arbeitnehmer wissen, worauf sie sich einlassen und sind daher eher bereit, Privates hinten anzustellen, wenn es der Job erfordert. Für jüngere Kollegen haben Sie aus Sicht des Arbeitgebers Vorbildcharakter.
  • Familie: Ältere Arbeitnehmer haben in der Regel weniger familiäre Verpflichtungen, weil keine kleinen Kinder mehr zu betreuen sind. Für den Arbeitgeber bedeutet das eine stärkere Fokussierung auf den Job und weniger Fehlzeiten.
  • Netzwerke: Gute berufliche Kontakte sind für jeden Arbeitgeber interessant, denn durch sie spart das Unternehmen Zeit (zum Beispiel bei der Suche nach einem Partner oder Dienstleister), Geld (etwa bei Vertragsverhandlungen) und gewinnt unter Umständen neue Kunden.

 


Quelle: http://www.bewerben.de/informationen/uebersicht.htm

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