„Wie man sich bettet, so liegt man“ heißt es so schön. Im übertragenen Sinne gilt Ähnliches für die Sitzordnung im Meeting. Denn mit der Wahl Ihres Sitzplatzes können Sie durchaus Einfluss auf Ihre Karriere nehmen – positiven wie negativen. Wir sagen Ihnen, was Sie Ihren Kollegen mit Ihrer Platzwahl signalisieren und wo Sie sich besser nicht niederlassen sollten.

Sie sitzen immer auf dem gleichen Platz? Die meisten Ihrer Kollegen machen das nicht anders. Forscher, allen voran die US-Psychologin Sharon Livingston, haben längst entdeckt, dass hinter dieser „Stammplatzmentalität“ weit mehr steckt als behagliche Routine und das Abstecken des eigenen, firmeninternen Claims. Der Platz am Konferenztisch verrät viel über Ihren Status und Ihre Einstellung. Sitzen Sie gern in der Nähe des Chefs oder lieber ein bisschen abseits, um alles besser beobachten zu können? Wer sitzt Ihnen gegenüber? Sitzen Sie gern mit dem Rücken zur Tür oder zum Fenster?

Mit Ihrer Wahl legen Sie schon vorab Ihre geistige Position fest und verhalten sich unbewusst danach. Aber wer den Sitzcode durchschaut, kann nicht nur das Verhalten seiner Kollegen besser beurteilen – er kann so auch aktiv seine eigene Rolle innerhalb des Teams, der Abteilung oder des Unternehmens neu definieren.

Was der Sitzplatz über Sie verrät

Im Zentrum der Macht

Wer sich rechts und links vom Chef postiert, hofft dabei, dass etwas von seinem Glanz auch auf das eigene bescheidene Haupt abstrahlt. Wobei die rechte Seite immer als die sympathischere wahrgenommen wird. Wer sich während des Meetings mit dem Chef austauschen und über Insider-Witze lachen kann, demonstriert den anderen – ich gehöre zu den Privilegierten.

Per Eckball ins Tor

Wer analytische Fähigkeiten für sich nutzen kann, setzt sich häufig auf eine Eckposition. Von dort aus hat er alles im Blick, gerät kaum in mögliche Schussbahnen und hat genug Zeit, seine Schlüsse zu ziehen. Die gewonnen Erkenntnisse können Sie bei nächster Gelegenheit karrierefördernd einsetzen.

Hinter den Fronten

Widersacher wählen meist unbewusst gegenüberliegende Plätze. Damit demonstrieren sie auch ohne aktiv an der Diskussion teilzunehmen, dass sie sich von der Einstellung des/der anderen abgrenzen.

Mittendrin statt nur dabei

Wer sich selbst eher als Moderator oder Teamführer sieht, setzt sich gern mitten rein ins Getümmel – aber immer so, dass er/sie möglichst alle Teilnehmer im Blick hat und auch von allen gesehen wird. Das verschafft gleichermaßen Präsenz und Akzeptanz.

Die Tür im Rücken, die Sonne im Gesicht

Wer sich unbewusst gern auf diese Plätze setzt, tut sich selbst keinen Gefallen, denn statusniedriger kann man nicht mehr Platz nehmen. Wenn Sie direkt mit dem Rücken zur Tür sitzen, können Sie eintretende Personen nur erkennen, indem Sie sich umständlich umdrehen. Und wer wird wohl gebeten, schnell noch den Laufburschen zu mimen und die fehlenden Unterlagen zu holen? Genau. Sie. Sitzen Sie dann auch noch mit Blick gegen das Fenster müssen Sie die anderen Teilnehmer im Gegenlicht unvorteilhaft anblinzeln. Auch können Sie deren Mimik aus dieser Position nur schlecht erkennen. Die Folge: Sie wirken unsicher und ohne Durchblick.

Die Tischordnung bestimmt den Gesprächsverlauf

Wenn Sie selbst ein Meeting oder eine Besprechung organisieren wollen, sollten Sie auch ein paar Gedanken an die Tischordnung verschwenden. Denn nicht nur wo wir sitzen – auch wie wir sitzen, nimmt Einfluss auf den Gesprächsverlauf. Unterschiedliche Sitzordnungen können so ganz unterschiedliche Gruppeneffekte fördern. Sitzen alle Teilnehmer beispielsweise um einen runden oder zu einem Quadrat gestellten Tisch, eignet sich diese Konstellation hervorragend für kreative oder projektbezogene Teambesprechungen. Es gibt keine augenscheinlichen Hierarchien, aber anders als beim Stuhlkreis führt die Tischfläche zwischen den Teilnehmern zu einer gewissen Distanz, die manchen hilft sich zu öffnen.

Für eine Powerpointpräsentation ist dieses Arrangement aber denkbar ungünstig, denn mindestens ein Viertel der Teilnehmer sitzt dann mit dem Rücken zur Präsentationsfläche. Für diesen Zweck ist die klassische U-Form oder der Halbkreis wesentlich besser geeignet. Den an der offenen Stirnseite platzierten Moderator können alle Teilnehmer gleich gut sehen und hören. Vor allem der Halbkreis ohne Tische fördert die Offenheit in der Gruppe und ist eine gute Grundlage für Brainstormings.

Geht es darum, als Moderator oder gar Schiedsrichter zwischen zwei Lagern zu fungieren, wählen Sie am besten das Board, einen langen Tisch, an dem sich beide Lager gegenüber sitzen und Sie an der Stirnseite Platz nehmen. Noch mehr Distanz und Kontroverse erreichen Sie, indem Sie zwei lange Tische wie eine römische Zwei parallel stellen. Eine optimale Sitzordnung, um Verhandlungen oder Schlichtungsgespräche zu führen.

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