Wer keinen geradlinigen Lebenslauf vorweisen kann, befürchtet häufig im Bewerbungsprozess direkt aussortiert zu werden. Einige Experten erklären hier, wie Sie am besten mit einer Lücke im Lebenslauf umgehen.

Studium abgebrochen, Job verloren, Stellenabbau… Ein Bruch im Lebenslauf kann schnell entstehen. In der Bewerbung kommt es nun darauf an, wie Sie sich dennoch ideal verkaufen.

„Etwas Schlechtes sind Lücken im Lebenslauf grundsätzlich nicht. Es gibt oft Positives, was man in dieser Zeit erfahren, gelernt oder erlebt hat“, sagt Dr. Bernd Slaghuis, Karriereberater aus Köln. „Wenn jemand ein halbes Jahr Auszeit brauchte, um sich seiner Ziele bewusst zu werden, die er oder sie nun mit einer Bewerbung angeht, kann dies eine positive Botschaft sein.“

Lücken ja, Lügen nein

Lassen Sie sich für einen lückenlosen Lebenslauf nicht zu Lügen hinreißen, indem Sie etwas hinzufügen, was so nicht stattgefunden hat oder weglassen, was Ihnen nicht gefällt. „Wer versucht, diese Lücken zu vertuschen, verliert an Glaubwürdigkeit, Authentizität und macht sich klein“, meint Bernd Slaghuis. „Niemand muss sich gegenüber einem Arbeitgeber für sein bisheriges Leben entschuldigen. Erklären Sie, wie es zu dem Bruch oder der Auszeit kam und wie Sie heute darüber denken.“

Grundsätzlich sollten alle Angaben der Wahrheit entsprechen und durch Zeugnisse, Referenzen, Zertifikate oder ähnliches belegbar sein. „Durch die Unterschrift ist der Lebenslauf eine Urkunde. Falsche Angaben können bei Entdeckung durch den Arbeitgeber somit als Betrugsversuch gewertet werden“, sagt die Karriereexpertin Martina Bandoly aus Berlin.

Den Fokus auf Erfolge legen

Wie stellt man sich nun aber trotz der Lücken auf dem Papier als interessanter Bewerber dar? Lenken Sie die Aufmerksamkeit in der schriftlichen Bewerbung von den weniger attraktiven zu den attraktiveren Stationen. „Kaschieren ist durch geschicktes Präsentieren möglich, indem Sie optisch Ihren erfolgreichen Berufsstationen mehr Raum geben“, erklärt Martina Bandoly.

Um sich optimal zu präsentieren empfiehlt es sich auch, von der chronologischen Form des Lebenslaufs abzuweichen. „Bei vielen Lücken im Lebenslauf empfehle ich immer ein Qualifikationsprofil, in dem man ohne diese chronologische Abfolge von Daten wichtige Kompetenzen und Erfahrungen auflistet“, sagt Maja Skubella, Bewerbungsberaterin aus Hamburg. „Dies kann auch nach Rubriken, also zum Beispiel nach Ausbildung, praktischen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen geordnet sein.“

Auf die ideale Darstellung kommt es vor allem an, wenn die verschiedenen Stationen im Lebenslauf nicht genau zusammenpassen. „Personaler möchten den richtigen Kandidaten für die Position, denn Fehlbesetzungen sind teuer“, sagt Martina Bandoly. „Deshalb sollte im Lebenslauf ein roter Faden bezogen auf die Karriereziele erkennbar sein, gerade wenn nicht alle Stationen aufeinander aufbauen. Durch eine geschickte Argumentationskette können die einzelnen Stationen gut verknüpft werden.“

Positive Argumentation im Vorstellungsgespräch

Auch im Vorstellungsgespräch geraten Bewerber mit einem Patchwork-Lebenslauf häufig in Erklärungsnot. „Natürlich sollten Sie fürs Vorstellunggespräch einen guten Argumentationsansatz haben. Da kann man schon auch mal etwas beschönigen“, meint Maja Skubella. „Zum Beispiel Urlaube mit einfließen lassen – nach dem Studium erst einmal pausiert, um sich Sprachfertigkeiten und internationale Kompetenzen anzueignen oder Sie haben autodidaktisch etwas gelernt.“

Wenn Sie unfreiwillig eine Auszeit nehmen mussten, etwa weil Sie sich um ein Familienmitglied gekümmert und selbst zurück gesteckt haben, empfiehlt die Beraterin die soziale Kompetenz mit einfließen zu lassen. „Ganz wichtig ist, niemals gegen etwas zu argumentieren, der neuen Firma immer positiv gegenübertreten. Alle Erfahrungen, seien sie auch nicht die klassischen aus adäquaten Anstellungen, haben Sie zu der Person gemacht, die Sie jetzt sind“, sagt Maja Skubella.

Quereinsteiger haben besondere Qualitäten

Die Arbeitswelt wandelt sich ständig. Galten Lücken im Lebenslauf vor einigen Jahren noch als Schönheitsmakel, sind sie mittlerweile keine Seltenheit mehr. Viele Arbeitgeber haben dahingehend eine geänderte Einstellung. „Es gibt immer mehr Arbeitgeber, die gezielt nach Kandidaten mit Ecken und Kanten im Lebenslauf oder nach vollständigen Quereinsteigern suchen“, sagt Bernd Slaghuis. „Was seit vielen Jahren bei Unternehmensberatungen üblich ist, hält zunehmend in Berufen Einzug, in denen Kreativität und Flexibilität gefragt sind. Die Internet-Branche ist hier an der Spitze.“

Viele Arbeitgeber sehen in solchen Bewerbern besondere Qualitäten, also nur Mut zur Lücke. „Wer sich mehrmals neu orientiert oder verschiedene Richtungen ausprobiert hat, nimmt aus diesen Lebensabschnitten häufig wertvolle Fähigkeiten mit und hat so seinen Horizont erweitert“, meint der Karriereberater. „Gerade für Management- oder Führungspositionen sind weniger die Experten und mehr die Generalisten mit breitem Horizont gefragt. Quereinsteiger sind gern gesehen, weil sie neue Perspektiven in ein Unternehmen und in Teams einbringen können.“

 


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