03.09.2013 -

Viele Studien – eine Tendenz: Stressbedingte psychische Erkrankungen nehmen in Deutschland zu. Nicht selten sind die Ursachen die hohe Arbeitsbelastung und der berufliche Leistungsdruck. Doch anstatt die Probleme bei der Wurzel zu packen, schlucken immer mehr Arbeitnehmer lieber eine Pille…

Was haben Jan Ullrich, Ben Johnson und Diego Maradona mit rund fünf Prozent der deutschen Arbeitnehmer gemeinsam? Sie nahmen leistungssteigernde Substanzen, um in ihrem Job bestehen oder Bestleistungen erbringen zu können. Doping, also. Doch während für Spitzensportler diesbezüglich klare Verbotsregeln gelten, wird man sich des Problems beim „normalen“ Rest der arbeitenden Bevölkerung erst jetzt zunehmend bewusst. Denn bislang gab es kaum Studien über den Gebrauch von aufputschenden Mitteln am Arbeitsplatz.

Doping für die Leistungsgesellschaft

Laut aktuellem AOK Fehlzeitenreport 2013, stieg in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Fehltage, die durch den Konsum stimulierender Medikamente verursacht wurden, um fast 400 Prozent. Eine weitere AOK-Studie zeigt ebenfalls, Gehirndoping ist auf dem Vormarsch. Demnach gaben fünf Prozent der Beschäftigten an, in den vergangenen zwölf Monaten leistungssteigernde Präparate ohne medizinische Notwendigkeit genommen zu haben. Von den unter 30-Jährigen waren es sogar gut acht Prozent. Die Dunkelziffer ist vermutlich wesentlich höher.

„Die neue Arbeitswelt mit ihren Anforderungen an Flexibilität, Erreichbarkeit und Mobilität ist der Nährboden für neue Süchte“, begründet AOK-Chef Uwe Deh die Ergebnisse in einer Presseerklärung. Arbeitnehmer hoffen, durch Psychopharmaka oder Amphetamine berufliche Stresssituationen besser bewältigen zu können. Denn trotz Enttabuisierung des Themas Burnout, trotz verbessertem Gesundheitsmanagement und Maßnahmen für eine Work-Life-Balance arbeitet man in Deutschland nach den Regeln der Leistungsgesellschaft. Wer ausfällt, ist kein Leistungsträger sondern leistungsträge.

Über die Hälfte geht krank zur Arbeit

Vor dem Hintergrund wundert es nicht, dass mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland sich hin und wieder auch krank zur Arbeit schleppt. In einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Bundesinstituts für Berufsbildung gaben 57 Prozent der 20.000 Befragten an, dass sie trotz Krankheit im Durchschnitt an 11,5 Tagen im Jahr nicht zu Hause bleiben. Demnach hätten besonders Beschäftigte, die unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden, Hemmungen, sich ins Bett zu legen. Neben mangelnden Vertretungsmöglichkeiten wurde vor allem die Angst vor einer Entlassung als Grund angegeben. Wer Leistungsträger sein möchte, kann es sich eben nicht erlauben, krank zu sein.

Noch größer ist die Hemmschwelle, wenn es sich um seelische Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen handelt. In diesem Zusammenhang zeigt eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit, dass sich Berufstätige mit psychischen Problemen häufig nicht krankschreiben lassen. Aus Angst vor Nachteilen im Job ignoriere mehr als ein Drittel der Befragten eine seelische Erkrankung. Die Befragung von 3000 Männern und Frauen durch das Forsa-Institut habe außerdem ergeben, dass psychische Erkrankungen in Deutschland trotz der öffentlichen Debatte um Depressionen und Burnout noch immer nicht als Krankheit akzeptiert sind. Mehr als zwei Drittel der Befragten sei der Arbeitsausfall durch ein Seelenleiden unangenehmer als eine Krankschreibung aufgrund körperlicher Symptome.

Psychisch bedingte Fehltage nehmen weiter zu

Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Depressionen, Angststörungen und Burnout bei Arbeitnehmern immer häufiger zu beobachten und laut aktuellem DAK-Gesundheitsreport sogar der dritthäufigste Grund für Fehlzeiten im Job sind. 13 Prozent aller Fehltage gingen im ersten Halbjahr 2013 auf diese Diagnosen zurück. Und obwohl laut DAK-Studie jeder dritte Arbeitnehmer psychische Leiden lieber ignoriert als sie behandeln zu lassen, ist die Zahl der psychisch bedingten Krankschreibungen dennoch stark gestiegen.  Laut DAK fehlte 2012 aufgrund psychischer Beschwerden jeder 22. Arbeitnehmer – mehr als doppelt so viel wie noch vor 15 Jahren.

Stress und Burnout selbst vorbeugen

Aufgrund dieser Entwicklung sollten Vorgesetzte für ihre Mitarbeiter immer ein offenes Ohr haben und alles daran setzen, die Arbeitsplätze angenehmer zu gestalten. Aber es gibt auch einige Dinge, die Sie selbst zur Vorbeugung und als Sofortmaßnahme gegen Stress und Burnout unternehmen können. Ein paar Hinweise dazu finden Sie in diesen Beiträgen:

Fünf Methoden gegen Stress am Arbeitsplatz

Burnout – Wie man das Ausbrennen verhindern kann

So lässt sich Stress abbauen


Quellen: haufe.de, spiegel online, frankfurter rundschau online

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