14.01.2013 -

Wie sollte man seinen Lebenslauf schreiben, damit er auch wirklich gelesen wird? Die Antwort darauf weiß am ehesten jemand, der sich täglich mit diesem Thema beschäftigt.

Jörg Stegemann kann auf viele Berufsjahre in der Personalberatung zurückblicken. „In meinem Berufsleben habe ich tausende Anschreiben und Lebensläufe gelesen“, sagt er und verrät: „Die Wahrheit ist, dass ich das Anschreiben nur überfliege und mirfür den Lebenslauf nicht mehr als eine Minute Zeit nehme. Dassollte ich vielleicht nicht so direkt sagen, aber ich bin eben eine ehrliche Haut.“

Zudem bestätigt er: „Bei all den Lebensläufen, die ich bisher in Händen hielt, habe ich noch nicht einen gesehen, zu dem ich keine Verbesserungsvorschläge gegeben habe.“

Im Folgenden finden Sie die Insider-Tipps des Profis:

Vergessen Sie nicht, dass Ihr Empfänger sehr viele Bewerbungen erhält.

Er muss alsoschnell entscheiden, ob Sie passen oder nicht. Bis zu 90 Prozent aller Bewerbungen passen übrigens nicht und so erzählte mir einer meiner Kunden, ein milliardenschwerer Konzern, dass sie auf ihre Vakanz für einen neuen CFO (Chief Financial Officer) 250 Bewerbungen erhalten haben. Eine davon war eine 27jährige Oboespielerin, die angab, noch nie im Finanz- und Rechnungswesen gearbeitet zu haben, aber sich schnell einarbeiten könne und schon immer CFO werden wollte…

Bringen Sie Ihre Message schnell und klar rüber.

Dies ist wirklich mein wichtigster Tipp, denn alle Manager, die ich kenne, haben keine Zeit. Ihr Lebenslauf sollte maximal zwei Seiten, niemals jedoch länger als drei Seiten sein. Genau, niemals. Neulich hatte ich einen Kandidaten, der mir erzählte, er schriebe 14 Seiten, da er sein fehlendes Studium kompensieren wolle. Nein, das ist eine Zumutung und niemand, der effizient arbeitet, hat Zeit, so etwas zu lesen

Allewichtige Informationen sollten auf einen Blick zu erkennensein.

Sprich: Name, Kontaktdaten, letzter bzw. aktueller Job sowie Studien/ Ausbildung. Ob Sie nun studiert haben oder nicht, es wird oft ein wichtiges Kriterium sein und sollte sofort zu sehen sein, daher ist die erste Seite der beste Platz. Pro Stelle empfehle ich 3-10 Bullet Points, nicht jedoch mehr als 3, wenn die Aufgabe länger als 10 Jahre zurückliegt.

Wählen Sie einen eindeutigen Dateinamen.

Dies ist wichtig damit Ihr Lebenslauf unverändert abgelegt werden kann, (z.B. „Stegemann_CV“). Kürzlich sendete mir ein Kandidat „Lebenslauf_englisch“; das kann ich nur umbenannt verwalten. Senden Sie ihn als PDF und vergessen Sie nicht, unter Properties/ Eigenschaften den Autor zu überprüfen: oft lese ich den Namen des aktuellen Arbeitgebers und dies bedeutet, dass dieser Lebenslauf am Arbeitsplatz geschrieben wurde (was keinen guten Eindruck hinterlässt).

Zum ThemaHobbys:

Eine Bewerberin fragte uns, ob sie Bauchtanz als Qualifikation oder unter Interessen angeben solle. Nun, das kommt auf die Stelle an, für die man sich bewirbt. Nennen Sie Hobbies oder Interessen nur, wenn relevant, also z.B. „schnelle Autos“, wenn Sie sich bei Porsche bewerben.

„Dritte Seite: Was Sie noch über mich wissen sollten“.

Ich rate dazu, die sogenannte „Dritte Seite“, auf der Sie dem geneigten Leser mitteilen, dass Sie teamfähig, belastbar, flexibel und – naja, jeder hat Schwächen – manchmal etwas zu perfektionistisch sind, zu vermeiden. Ich weiß nicht, wer diese Idee hatte und warum sie sich durchgesetzt hat, aber Sie riskieren, ausgelacht zu werden…

Letzter Schritt:

Prüfen Sie (oder bitten Sie zwei frische, neue Augen darum), Ihren CV auf Lücken, einen erkennbaren roten Faden. Grammatik- und Rechtsschreibfehler. (Diese sind unendschuldbar und wenn Sie in diesem Sattz zwei entdeckt haben, sind Sie auf dem richtigen Weg). Falls Sie Lücken im Lebenslauf haben, erklären Sie diese ehe sie Grund für eine Absage werden können und versuchen Sie, einen roten Faden herzustellen, so nicht sofort erkennbar, indem Sie etwa Ihre Wechselmotivation anführen.

Das Fazit des Headhunters:

Machen Sie es uns einfach, Sie einzuladen! Wir haben keine Zeit und müssen schnell entscheiden. Erwähnen Sie nur Erwähnenswertes, Relevantes, das Wichtigste auf der ersten Seite. Wenn Ihr Lebenslauf länger als drei Seiten ist, setzen Sie Schwerpunkte und kürzen Sie ihn. Überprüfen Sie zuletzt Schlüssigkeit und Lückenlosigkeit: Wenn Sie diese nicht erklären, werden wir Ihnen im Interview unangenehme Fragen stellen!


Über Jörg Stegemann:
Jörg Stegemann arbeitet seit 2001 in der spezialisierten Personaldienstleistung und -beratung und war in dieser Zeit für drei große Unternehmensgruppen tätig, seit 2007 europaweit. In seiner Karriere hat er mehrere hundert Menschen in neue Anstellungen vermittelt und tausende von Kandidaten von Einstiegs- bis Geschäftsführungslevel beraten. Jörg Stegemann bloggt in englischer Sprache auf My Job Thoughts | Career advice from a Headhunter

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