04.04.2014 -

In Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern wäre es so nützlich, besser vernetzt zu sein. Doch dafür fehlt es oft an Zeit und Motivation. Ein Münchner Start-up bringt daher Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen jetzt beim täglichen Mittagessen zusammen.

Für Mitarbeiter großer Unternehmen ist es normal, die meisten Kollegen gar nicht zu kennen. Der typische Joballtag lässt sich meist ohne Kontakte über die eigene Abteilung hinaus erledigen. Und auch zum Mittagessen geht man eigentlich immer mit denselben Leuten. Doch warum ist das so? Weil man nicht muss, oder weil man nicht will?

„In den meisten größeren Firmen herrscht ‚Silodenken‘ und es gibt Vorurteile zwischen Abteilungen“, sagt Christoph Drebes, Geschäftsführer des Münchner Start-ups TheInnerCrowd. „Meistens werden Kontakte in andere Abteilungen nur über konkrete Projekte geknüpft. Um gezielt neue Geschäftsbereiche kennenzulernen, fehlen oft die nötige offene Kultur und die Zeit.“

Kontakte in der eigenen Firma oft unterschätzt

Dabei sind gerade Kontakte innerhalb der eigenen Firma so wichtig. Bei großen Unternehmen wird es aber immer mehr zur Herausforderung, einen Gesamtüberblick über die Organisation und ihre Prozesse zu erhalten. Um dies zu ändern, kam Drebes und den anderen zwei Firmengründern letztes Jahr die Idee für Mystery Lunch. Die Idee dahinter: Die verfügbare Zeit zum Essen mit Netzwerken und Wissensaustausch verbinden. „Teilnehmer von Mystery Lunch profitieren von neuen Kontakten und können so Zusammenhänge besser verstehen. Im gesamten Unternehmen steigt so die Produktivität und neue Ideen werden schneller generiert“, so Christoph Drebes.

Neue Gesichter beim Mittagessen

Der intelligente Algorithmus hinter Mystery Lunch vernetzt automatisch in regelmäßigen Abständen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen. Die Teilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip üblicherweise ein oder zwei Mal im Monat zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen. „Beim Zuweisen von Lunchpartnern achten wir explizit darauf, dass man ständig neue Kollegen und Abteilungen kennenlernt“, erklärt Drebes.

Wem es zu zweit zu langweilig wird, der kann über Mystery Lunch auch an einem Gruppenlunch teilnehmen. Das System würfelt dann eine beliebige Anzahl an Kollegen zusammen. „Das Spannende an unserem System ist, dass wir die Funktionalität individuell an die Anforderungen unserer Kunden anpassen. So lassen sich zum Beispiel auch Szenarien wie das Zusammenführen zwei ehemals getrennter Abteilungen hervorragend durch unser System unterstützen“, sagt Christoph Drebes.

Beim Lunch sind Hierarchien schnell vergessen

Wer also neue Kontakte knüpfen will, kann dies am besten in der ungezwungenen Atmosphäre des Mittagessens tun. Drebes erklärt, dass Mystery-Lunch-Teilnehmer sich untereinander auch von einer persönlichen Seite kennenlernen und viel schneller Anknüpfungspunkte finden als im reinen Business-Alltag. „Ein Mittagessen ist ein völlig unverbindlicher Austausch, bei dem Hierarchien, Jobpositionen und Teamgrenzen schnell vergessen werden“, so der Unternehmer. „Das Interessante ist, dass langfristig gerade die menschliche Komponente zwischen Mitarbeitern entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens ist.“

Regelmäßig mit einem völlig neuen Kollegen essen zu gehen, bedeutet also konstantes Wachstum des eigenen internen Netzwerks und ein erhöhtes Gesamtverständnis über die Firma. „Mitarbeiter schauen im wahrsten Sinne des Wortes ‚über den Tellerrand‘ und lernen, wie die Firma an unterschiedlichen Ecken tickt“, meint Drebes. „Der am meisten genannte positive Effekt ist, bei Bedarf leichter den richtigen Ansprechpartner zu finden, da man als regelmäßiger Mystery Luncher viele Teile der Organisation kennen gelernt hat.“

Bei jedem „mysteriösen Mittagessen“ Neues erfahren

Bei Telefónica gibt es die meisten Teilnehmererfahrungen, denn dort wurden in fünf Ländern bereits 5000 Mystery Lunches organisiert. „Für meine Rolle ist es extrem wichtig zu wissen, wer für was in unserer Firma verantwortlich ist“, erklärt Cecilie Justesen, die als Business Manager Legal bei Telefónica Digital in London arbeitet. „Es kann jedoch sehr schwierig sein, neue Leute aus anderen Abteilungen kennen zu lernen, wenn ich nicht mit ihnen in einem Projekt arbeite. Mystery Lunch war die perfekte Lösung hierfür – ich treffe neue Leute und lerne sogar noch mehr neue Menschen durch meine Lunch-Partner kennen.“

„Bei jedem ‚mysteriösen Mittagessen‘ lerne ich etwas Neues über unsere Firma“, bestätigt Ulrike Bünn von Telefónica Germany in München.

Von diesem vermehrten Austausch unter den Mitarbeitern profitiert nicht zuletzt auch das Unternehmen. „Bei nur einer erfolgreichen Verbindung zwischen den zwei richtigen Mitarbeitern können viele neue Ideen für das Unternehmen entstehen“, sagt Christoph Drebes.

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