Darf ich meinen Chef korrigieren? Wann wird geduzt? Und muss ich mit meinen Vorgesetzten auf Facebook befreundet sein? In manchen Situationen des beruflichen Alltags hilft uns der gesunde Menschenverstand nicht weiter. Wir klären auf.

Eine gute Kinderstube und gesunder Menschenverstand reichen meist aus, um sich in geschäftlichen Situationen nicht peinlich daneben zu benehmen. Schließlich ist es hinlänglich bekannt, dass man seinen Chef nicht verbal mit Schimpfnamen bewerfen sollte und auch, dass man sich nicht beliebt macht, wenn man den Kollegen das Mittagessen aus dem Kühlschrank klaut. Doch manche Situationen sind Knigge-Grauzonen, in denen das für uns naheliegende und spontane Verhalten nicht immer das richtige ist. Hier sind einige Beispiele:

Darf ich pünktlich Feierabend machen, auch wenn der Chef noch arbeitet?

Wenn Sie Feierabend haben und Ihre Arbeit erledigt ist, dürfen Sie selbstverständlich nach Hause gehen, auch wenn Ihr Chef Überstunden schiebt. Dennoch gehört es zum guten Ton, sich zu verabschieden und nicht heimlich davonzuschleichen. So weiß Ihr Vorgesetzter, dass Sie nach Hause gegangen sind. Die Frage, ob Sie noch irgendetwas tun bzw. ihm oder ihr behilflich sein können, sollten Sie nur dann stellen, wenn es Ihnen tatsächlich nichts ausmacht etwas länger zu arbeiten. Gern geleistete Unterstützung wird in der Regel auch gern angenommen.

Wenn ein Kollege das „Du“ anbietet, muss ich es annehmen?

Ob Sie sich im beruflichen Umfeld duzen, will gut überlegt sein. Ein Zurück gibt es nämlich nicht und im Zweifelsfall tritt man geschäftlich lieber zu förmlich als zu kumpelhaft auf. Auf keinen Fall sollten Sie die Entscheidung, einen Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten zu duzen, auf einer feucht-fröhlichen Firmenfeier treffen. Generell dürfen Sie das Du nur rangniedrigeren oder bei gleicher beruflicher Position neuen bzw. wesentlich jüngeren Kollegen anbieten. Sie sind nicht verpflichtet, ein angebotenes Du anzunehmen. Um Ihr Gegenüber damit nicht zu brüskieren, empfiehlt sich eine diplomatische Antwort: „Vielen Dank, ich fühle mich geehrt, möchte Ihr Angebot aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht annehmen. Sind Sie einverstanden, wenn wir damit noch warten?“

Sollten Fehler des Chefs besser nicht korrigiert werden?

In einer Präsentation vor einem Kunden unterläuft Ihrem Vorgesetzten ein offensichtlicher Fehler. Was nun? In einer solchen Situation ist Fingerspitzengefühl gefragt. Natürlich können Sie nicht laut „Halt, das stimmt nicht“ rufen, ohne ihren Chef in eine peinliche Situation zu bringen. Aber den Fehler geflissentlich zu übersehen, könnte auch Schaden nach sich ziehen. Knigge-Experten raten, dem Vorgesetzten wenn möglich unauffällig eine Notiz zukommen zu lassen, so dass er seinen Fehler von sich aus korrigieren kann. Bietet sich dazu im Meeting keine Gelegenheit, nutzen Sie die Pause, um Ihren Chef auf den Fauxpas hinzuweisen. Dann kann er seine Aussage im Nachhinein noch richtig stellen.

Das Geschäftsessen: Kann ich am Buffet nehmen, was ich will?

Das Buffet gilt gemeinhin als zwangloser als ein Geschäftsessen á la carte. Viele greifen zu, ohne einen Gedanken an die Etiquette zu verschwenden. Doch ein paar Benimmregeln gibt es auch hier. Als Gast gilt: Überladene Teller sind verpönt. Und im Übrigen auch völlig unnötig, denn Sie dürfen so oft zum Buffet gehen, wie Sie möchten. Halten Sie aber dabei die Reihenfolge eines Menus ein, kombinieren Sie also nicht Vorspeisen, Hauptgerichte und Nachspeisen auf einem Teller. Nehmen Sie bei jedem Gang ans Buffet nur einen – und zwar sauberen – Teller und mischen Sie nie Kaltes mit Warmem oder Fisch mit Fleisch. Essen und Trinken Sie nicht im Stehen, sondern fangen Sie erst an, wenn Sie wieder am Tisch sitzen.

Muss ich die Freundschaftsanfrage des Chefs auf Facebook annehmen?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mit dem Chef auf Facebook befreundet zu sein, vorausgesetzt die Freundschaftsanfrage war seine Initiative und kam nicht von Ihnen. Achten Sie dann aber unbedingt darauf, dass Ihre künftigen Facebook-Aktivitäten weder Sie noch Ihren Vorgesetzten oder die Firma in ein schlechtes Licht rücken. Auch Posts wie „Ich sterbe vor Langeweile“ oder „Wann ist endlich Freitag“ sollten Sie während der Arbeitszeit tunlichst vermeiden. Wenn Sie sich unwohl damit fühlen, Ihren Chef unter Ihren Facebook-Freunden zu wissen, lehnen Sie höflich ab und bieten Sie eine Alternative an, z.B über Xing oder LinkedIn, mit der Begründung private und geschäftliche Kontakte trennen zu wollen.

Soll ich meinem Chef die Hand geben, wenn ich ihn grüße?

Ob bei der Begrüßung ein Handschlag ausgetauscht wird, entscheidet im Berufsalltag gemeinhin der Ranghöhere. Das heißt, der Chef reicht dem Mitarbeiter die Hand, der Gastgeber dem Gast, der Ältere dem Jüngeren. Allerdings hat – und jetzt wird es kompliziert – der Mitarbeiter den Chef als erster zu grüßen. Das gleiche gilt für jüngere Mitarbeiter, die auf ältere treffen und für einzelne Mitarbeiter, die zu einer Gruppe stoßen. Also: Der Mitarbeiter grüßt und wartet dann ab, ob der Vorgesetzte den Gruß verbal oder mit Handschlag erwidert. Treffen Sie auf eine Gruppe, reicht es aus, den Ranghöchsten als ersten zu begrüßen und sich danach aus pragmatischen Gesichtspunkten durch die Gruppe zu grüßen. Zu überlegen, wer in der Hierarchie als nächstes kommt, würde Verzögerungen und viele überkreuzte Arme bedeuten.


Quelle: The Workbuzz.com

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