17.07.2013 -

Beschäftigte sind unter Umständen auch dann unfallversichert, wenn sie sich eine Arbeitspause gönnen, um sich mit einem Eis abzukühlen. So entschied das Sozialgericht Heilbronn in seinem Urteil vom 08.03.2013 (Az.: 13 U 1513/11).

In dem aktuellen Fall arbeitete ein Kfz-Mechaniker in einer nicht klimatisierten Fertigungshalle eines Automobilherstellers, durch deren Glasdach die Sonne brannte. Das Thermometer zeigte sowohl in der Halle als auch draußen 30 Grad an. Während eines Leerlaufes des Fließbandes erlaubte sich der Mechaniker in der benachbarten Eisdiele ein Eis zu holen und dieses vor der Hallentür zu essen. Ein anderer Mitarbeiter riss die Tür auf, diese knallte gegen den Mechaniker, wodurch er schwere Verletzungen am Fuß erlitt.

Die Berufsgenossenschaft übernahm anfangs die Behandlungskosten, lehnte aber dann eine weitere Kostenübernahme ab. Das Eisessen sei nicht nötig gewesen, um die Arbeitskraft des Beschäftigten zu erhalten. Er hätte sich einerseits auch mit kostenlosen Erfrischungsgetränken in der Halle abkühlen können, andererseits sei die Mittagspause erst eine knappe Stunde zuvor beendet und somit eine erneute Pause noch nicht nötig gewesen.

Das Sozialgericht teilte diese Meinung nicht. Es verpflichtete die Berufsgenossenschaft, den Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen. Zwar war die Mittagspause noch nicht lange her; entscheidend sei aber, dass er nicht nur raus gegangen ist, um sich ein Eis zu holen. Er hätte seinen Arbeitsplatz in jedem Fall verlassen müssen, da er in der überhitzten Halle wegen der schlechten Raumluft seine schwere Arbeit gar nicht mehr bis zum Schichtende hätte durchhalten können. Dieses „Luftschnappen“ war dringend notwendig, um seiner weiteren Arbeitspflicht nachkommen zu können.