In ihrer Beratungspraxis überprüfen Christian Püttjer und Uwe Schnierda regelmäßig Bewerbungsunterlagen von Kundinnen und Kunden – und das seit über 20 Jahren. Spannend dabei ist ein Vergleich aktueller Zeugnisse mit alten Ausbildungs- und Arbeitszeugnissen. Was hat sich geändert? Und welche Trends gelten für moderne Zwischen- und Schlusszeugnisse?

In Zeiten flacher beruflicher Hierarchien sind Arbeitsinhalte umfassender und Zuständigkeiten komplexer geworden, was auch entsprechend im Arbeitszeugnis vermerkt werden sollte.

Hinzu kommt, dass künftige Arbeitgeber auch mittels der Zeugnisanalyse erfahren wollen, auf welche Weise ein Bewerber zum weiteren Unternehmenserfolg beitragen könnte. Idealerweise sollte ein Zeugnis daher zusätzliche Einstellungsargumente enthalten.

Wie lassen sich diese Vorgaben in der Zeugnispraxis zu Ihren Gunsten umsetzen? Sicher haben auch Sie die Chance, Einfluss auf Ihr Arbeitszeugnis zu nehmen. Nutzen Sie diese sieben neuen Trends, damit Ihr Zeugnis neue Arbeitgeber überzeugt:

1. Aussagekräftiger Aufgabenblock

Früher wurden Aufgaben im Zeugnis eher knapp dargestellt, als Aufgabenbeschreibung reichte beispielsweise das Stichwort „Kundenbetreuung“. Heute wird genauer beschrieben: „Kundenbetreuung: telefonische Beratung, Angebotserstellung und -anpassung, Vertragsausfertigung, Nachverfolgung bis zum Abschluss.“

2. Kosten im Blick

Falls zutreffend, sollten Sie signalisieren, dass Sie an Ihrem Arbeitsplatz auch die Kosten im Blick hatten. Lassen Sie Formulierungen wie „Er fand gleichermaßen praktikable und wirtschaftliche Lösungen.“ oder „Ihr beharrlicher Einsatz führte zu einer Steigerung der durchschnittlichen Auftragsgrößen.“ einfließen.

3. Besondere Erfolge

Besondere Erfolge lassen sich für jedes Arbeitsfeld und jeden Arbeitnehmer finden, dennoch tauchen sie in viel zu wenigen Zeugnissen auf. Leiten Sie besondere Erfolge mit Formulierungen wie „Besonders hervorheben möchten wir …“ oder „Besonders zu erwähnen sind …“ ein, beispielsweise so: „Besonders hervorheben möchten wir Frau Schmidts überdurchschnittlichen Einsatz, mit dem sie ihren Kolleginnen und Kollegen stets kompetent und zuverlässig zur Seite stand.“

4. Kontakt zum Kunden

In vielen Berufen ist der Kontakt zu Kunden ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit. Dann sollte dies auch ausdrücklich im Zeugnis vermerkt werden, beispielsweise so: „Durch seine konstruktive Gesprächs- und Verhandlungsführung vertrat er unser Unternehmen auch gegenüber Kunden immer vorbildlich.“

5. Sprachkenntnisse in Aktion

In Zeiten globaler Märkte sind gute Fremdsprachkenntnisse unverzichtbar. Nicht nur im Lebenslauf sollten diese Kenntnisse beschrieben werden, auch im Zeugnis können Sie Ihre Sprachkenntnisse im Anschluss an die Fachkenntnisse in Aktion darstellen: „Frau Schmidt überzeugte zudem durch ihre Fähigkeit schwierige technische Sachverhalte auf Englisch verständlich zu vermitteln.“

6. Zusätzliche Projektarbeit

Wenn Sie sich von der Fachkraft zur Führungskraft weiterentwickeln möchten, benötigen Sie Belege für erste Führungserfahrungen. Hierbei helfen Verweise auf die Mitarbeit in Projektgruppen. Künftige Führungskräfte sollten das im Zeugnis zum Beispiel so formulieren: „Herr Schmidt hat sehr engagiert und überzeugend im Projekt ‘Social Media-Aktivitäten‘ mitgearbeitet und mit seinen Ideen zum Projekterfolg beigetragen.“

7. Innovativ und kreativ

Ohne permanente Veränderungen, Innovationen und Optimierungen verlieren Firmen ihren Wettbewerbsvorsprung. Wenn Sie hier Impulse gegeben oder neue Wege beschritten haben, gehört Ihre Innovationsfähigkeit auch ins Arbeitszeugnis. Formulieren Sie doch so: „Unter Federführung von Frau Schmidt konnten wir unsere Marketingprozesse konsequent weiterentwickeln. Der Einsatz der von ihr neu entwickelten Tools und Kennziffern führte zu einem deutlichen Wachstum im Bereich E-Commerce.“

Fazit:

Die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, deutlichen Einfluss auf die Formulierungen im Zwischen- oder Schlusszeugnis zu nehmen. Nutzen auch Sie diese Chance! Überlegen Sie sich, welche der sieben Trends in Ihr Zeugnis passen, damit Ihre bisherige gute Arbeit auch für künftige Arbeitgeber deutlich erkennbar wird.

 


Über die Autoren:
Christian Püttjer und Uwe Schnierda sind seit 1993 als Bewerbungsberater und Karrierecoaches tätig. Ihre Erfahrungen aus Einzelcoachings und Seminaren rund um die Themen Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch, Arbeitszeugnis und Assessment-Center haben sie in mehr als 70 Praxisratgeber eingebracht und damit schon über einer Million Leserinnen und Lesern weitergeholfen. Püttjer & Schnierda bloggen auf Karriereakademie.

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