Am 23. Juni ist Tag des Öffentlichen Dienstes. Als Arbeitgeber kann der Staat mit durchaus attraktiven Karrierechancen punkten. Dabei stehen auch Quereinsteigern viele Türen offen. Welche Vorteile ein Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst mit sich bringt und wie der Einstieg gelingt, lesen Sie hier.

“1. ChefBK m.d.B.u.Prfg. 2. BK z.K. 3. z.d.A.” Das ist Beamtendeutsch und bedeutet so viel wie: Die schriftliche Vorlage muss zunächst vom Kanzleramtschef (ChefBK) geprüft werden, geht dann an die Bundeskanzlerin (BK) zur Kenntnisnahme, um am Ende zu den Akten zu wandern. Beamte mögen es eben schriftlich. Alles muss als Vorgang ordnungsgemäß nummeriert und abgelegt werden. Da macht selbst das Bundeskanzleramt keine Ausnahme.

Der Staat hat ein Personalproblem

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, der dem Beamtentum zu Unrecht den Ruf eingebracht hat, umständlich, langsam und wenig flexibel zu sein. Der Klischee-Beamte vermeidet jegliche Anstrengung und wartet hinter seinem Schreibtisch geduldig auf den Dienstschluss. Das entspricht keineswegs den Tatsachen. Dennoch denkt so mancher sehnsüchtig: „Beamter müsste man sein.“ Die Chancen dafür standen nie besser. Als Arbeitgeber steht der Staat derzeit vor einem gewaltigen Personalproblem, berichtet die Welt. Demnach werden sich den nächsten anderthalb Jahrzehnten die Engpässe so sehr zuspitzen, dass bis zu 816.000 Stellen in staatlichen Einrichtungen unbesetzt bleiben. Länder und Kommunen dürften bis 2030 immer größere Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Da ist jeder neue Beamte herzlich willkommen.

Öffentlicher Dienst: Alles andere als langweilig

Allerdings bezieht sich der Engpass auf den gesamten öffentlichen Dienst, nicht nur den Beamtenstand. Wer hier eine Karriere anstrebt, rennt offene oder eben öffentliche Türen ein. Gut qualifizierte Fachkräfte werden in den verschiedensten Bereichen händeringend gesucht. Dabei handelt es sich nicht nur um vermeintlich langweilige Verwaltungsarbeit in Behörden. Im Gegenteil, die Arbeitsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig: Neben der öffentlichen Verwaltung gibt es Jobs in der Energieversorgung, der Wissenschaft, Bildung und Forschung, Gesundheit, bei Vereinen, Verbänden und Stiftungen, bei Sparkassen, Landes- und Bundesbanken oder Versicherungen. Die Bandbreite reicht vom Kanalarbeiter bis zum Nuklearmediziner, von der Kita-Erzieherin über den Bundeswehr-Offizier bis hin zum Staatssekretär im Finanzministerium.

Für jeden die passende Laufbahn

Mit etwa 5 Millionen Mitarbeitern ist der öffentliche Dienst der größte Arbeitgeber in Deutschland. Für den Staat kann man entweder als Beamter, tariflich Angestellter oder Arbeiter tätig sein. Dabei fällt die Wahl auf eine von vier verschiedenen Laufbahnen mit unterschiedlichen Einstiegsvoraussetzungen:

  • Für eine Beschäftigung im einfachen Dienst genügt ein Hauptschulabschluss oder ein gleichwertiger Abschluss.
  • Für eine Karriere im mittleren Dienst wird ein Realschul- oder Hauptschulabschluss mit Abschluss einer geeigneten Berufsausbildung vorausgesetzt.
  • Wer in den gehobenen Dienst einsteigen will, benötigt mindestens das Abitur oder die Fachhochschulreife.
  • Für Berufe im höheren Dienst oder im gehobenen technischen Dienst, wird ein Hochschulabschluss, der für die jeweilige Laufbahn geeignet ist, vorausgesetzt.

Bezahltes Studium bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr bildet junge Nachwuchskräfte im zivilen und militärischen Bereich aus. Abiturienten können sich nach der Schule freiwillig für die Streitkräfte verpflichten lassen und dann als Offiziersanwärter auf Kosten des Staates studieren – von Wirtschaftslehre über Ingenieurwesen bis zu Sozialwissenschaften. Entweder an einer der zwei Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München oder an einer zivilen Hochschule. Auch Schulabgänger ohne Abschluss haben bei der Bundeswehr eine Chance auf Ausbildung.

Auch Quereinsteiger können verbeamtet werden

Da der öffentliche Dienst genau wie die Privatwirtschaft um jeden guten Bewerber kämpfen muss, haben auch Quereinsteiger hervorragende Chancen auf eine Karriere als Beamter oder Tarifangestellter. Für einen Quereinstieg gelten dieselben Bedingungen wie für den klassischen Weg in die Beamtenlaufbahn: sind die für ausgeschriebene Position nötigen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen erfüllt, kann man sich bewerben und Beamter werden. Die Altersobergrenze für die Verbeamtung liegt in der Regel bei 35 Jahren. Aber diese Grenze wurde bereits teilweise nach oben verschoben, um mehr Quereinsteiger mit Berufserfahrung einsetzen zu können. Außerdem gelten bei Bund und Ländern unterschiedliche Regelungen. Konkretes Nachfragen lohnt sich daher auf jeden Fall.

Die Vorteile: Versorgungsgarantie und Work-Life-Balance

Als Arbeitgeber ist der Staat in jedem Fall attraktiv. Er punktet vor allem mit guten und sicheren Einkommen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch wenn vor allem berufserfahrenen Akademikern in der freien Wirtschaft höhere Gehälter gezahlt werden, wissen viele den Sicherheitsaspekt als Beamter im öffentlichen Dienst zu schätzen. Eine lebenslange Versorgungsgarantie als Lohn für die Treuepflicht gegenüber dem Dienstherrn inklusive Ruhegehalt nach der Berentung ist durchaus erstrebenswert. Beamte zahlen zudem keine Beiträge zu Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Nach einem zweijährigen Vorbereitungsdienst und mindestens zwei Probejahren wird man zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Da Beamte keinen Arbeitsvertrag haben, können sie nicht kündigen, sondern nur ihre Entlassung beantragen. Das bedeutet gleichzeitig, dass sie nicht gegen ihren Willen entlassen werden können – sofern kein Disziplinarverfahren gegen sie vorliegt oder sie zu einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr verurteilt worden sind.

 


Quellen: https://www.bundeswehrkarriere.de/fuer-schueler/studieren-bei-der-bundeswehr

http://www.interamt-experience.de/themenartikel/der-quereinstieg.php

http://www.karriere.de/karriere/der-staat-will-sie-9152/

http://www.bigkarriere.de/ratgeber/arbeitswelt/karriere-beim-staat

http://www.bund.de/Content/DE/Service/Ueber-bundde/ueber-bundde_node.html

https://www.welt.de/wirtschaft/article162632099/Der-Staat-steht-vor-einem-gewaltigen-Personal-Problem.html

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