Online-Shops schießen wie Pilze aus dem Boden und qualifizierte Mitarbeiter sind gefragter denn je. Auch lernwillige Quereinsteiger können hier schnell Fuß fassen. Tipps für einen erfolgreichen Berufseinstieg in die digitale Shopping-Branche.

Schuhe, Elektroartikel, getreidefreies Hundefutter oder Sonnenschutz und Plissee – im Internet wird heutzutage einfach alles angeboten. Die Vorteile gegenüber Käufen im stationären Handel liegen auf der Hand: keine langen Fußwege oder lästiges Warten an der Kasse – und oftmals sehr viel günstigere Preise. „In Deutschland stieg der Umsatz in den Vergleichsjahren 2013 und 2014 von 34 Mrd. Euro auf 43 Mrd. Euro ‒ das entspricht allein in diesem Zeitraum einer Wachstumsrate von ungefähr 25 Prozent“, sagt Margrit Leidenroth vom Kreditversicherer Euler Hermes Deutschland, Fachbereichsleitung Kreditprüfung/Branchenschwerpunkt Handel über die aktuelle Entwicklung.

Auch künftig bieten Online-Shops gute Möglichkeiten, Gewinne zu verbuchen. Damit steigen automatisch die Aussichten, sich mit einer Aus- oder Weiterbildung im Online-Sektor dauerhaft einen Arbeitsplatz zu sichern.

Ein Online-Shop ist schön, macht aber viel Arbeit

Was wie selbstverständlich an Produkten, Preisen und Detail-Informationen auf einer Shop-Seite zu finden ist, erfordert die tägliche, konzertierte Aktion eines größeren Teams. Das sind im Wesentlichen Produktmanager, Informatiker, Content Manager, Marketing-Spezialisten, Versand und Kundenservice.

Eine professionelle Shop-Pflege erfordert dabei nicht nur ein ständig aktualisiertes Sortiment, sondern auch eine nutzerfreundliche Shop-Bedienung, die den Kunden sicher durch den Bestell- und Bezahlvorgang leitet. So mancher Seitenbesucher hat auch schon mal eine Frage zum Produkt und muss entsprechend vom Kundenservice freundlich beraten werden. Darüber hinaus informiert sich das Gros der Kunden laut Statistik vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) vor dem Kauf direkt auf der Internetseite des Online-Händlers über das Produkt. Gut geschriebene Texte und ansprechende Bilder sind also ein weiteres wichtiges Kriterium.

Und darin liegt im Umkehrschluss auch ein Knackpunkt: Ein potentieller Käufer, der sich durch eine unüberschaubare Shop-Navigation wursteln muss, nicht die gewünschten Informationen findet, seine Ware zu spät bekommt oder mangelhaft beraten wird, kommt nicht mehr wieder. Und: Die Konkurrenz schläft nicht. Daher hat im Online-Bereich tatsächlich jeder Mitarbeiter eine wichtige Schlüsselfunktion für den Erfolg des Unternehmens – ob Produkttexter, Marketing-Experte, IT-Abteilung, Versand oder Beratungsservice.

Die 4 wichtigsten Jobs im Online-Shop

  • Produktmanager: Sie sind unter anderem für den Ausbau und die fortlaufende Optimierung des Produktsortiments verantwortlich. Sie beobachten den Markt, arbeiten Produktideen aus, entwickeln Marketingstrategien, gestalten Produktverpackungen und -namen und koordinieren auch den Einkauf bei Herstellern. Eine Aus- oder Fortbildung im kaufmännischen Bereich oder ein Studium der Betriebswirtschaftslehre oder des Marketings sind eine gute Basis für diesen Beruf.
  • Informatiker: Sie entwickeln Shopsysteme, programmieren Anwendungen, analysieren und beheben Fehler, organisieren Datenbanken und sind für die IT-Sicherheit zuständig. Der Berufseinstieg erfolgt über den klassischen Ausbildungsweg oder über ein Studium. Tipp: Es werden auch Duale Studien angeboten, in denen ein Studien- und Ausbildungsabschluss zugleich möglich ist. Der Vorteil eines dualen Studiums ist, dass der Student in der vorlesungsfreien Zeit schon konkret in einem Unternehmen arbeitet und die Ausbildung vom Unternehmen bezahlt wird. Grundvoraussetzungen für diesen Beruf sind vor allem gute Schulnoten in Mathe, technisches Grundverständnis und logisches Denken.
  • Content Manager: Ihr Kernbereich ist der Content (aus dem Englischen: Inhalt) eines Onlineportals. Sie beauftragen Produkt- und Ratgebertexte oder schreiben sie selbst, sie organisieren die Bebilderung und Videos, planen redaktionelle Themen und stellen schließlich den Inhalt auf der Webseite ein. Eine Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Wer journalistische Erfahrungen oder eine Fortbildung zum Online-Redakteur gemacht hat, ist für diesen Beruf am besten gewappnet. Erfahrungen im Umgang mit Content-Management-System und im suchmaschinenoptimierten Schreiben sind von großem Vorteil.
  • Online-Marketing-Spezialisten: Sie sind für die Konzeption und Umsetzung von Marketingstrategien zuständig. Das Ziel ist, den Bekanntheitsgrad des Online-Shops und seiner Produkte zu stärken. Sie überwachen und analysieren den Markt, legen geeignete Zielgruppen fest und leiten daraus erfolgversprechende Maßnahmen unter anderem für Suchmaschinenmarketing und Aktivitäten in den Social-Media-Kanälen ab. Ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing oder im E-Commerce ist ideal. Besonders wichtig ist ein sicheres Gespür für die Bedürfnisse der Kunden.

Auch Quereinsteiger haben gute Chancen!

„Der Mitarbeiterbedarf ist mittlerweile derart groß, dass auch Quereinsteiger gute Chancen haben, eine Anstellung im Online-Sektor zu bekommen“, erklärt Dirk Thümmler, Geschäftsführer vom Online-Shop Livoneo, der sich auf Plissee und Sonnenschutz spezialisiert hat. Voraussetzungen seien aber – neben einer Affinität für E-Commerce – sich fortlaufend fortzubilden, da sich auch die Technik und die Kundenwünsche ständig weiterentwickeln.

So können beispielsweise Journalisten, die im Printbereich keine Beschäftigung mehr finden, auch ohne Grundausbildung als Produkttexter und Online-Redakteure arbeiten. Wer als Einzelhandelskaufmann im stationären Bereich sachkundig in bestimmten Produktbereichen ist, kann zum Beispiel sofort im Kundenservice tätig werden und sogar bis ins Produktmanagement aufsteigen.

Grundsätzlich ist ein mehrmonatiges Praktikum in einem Online-Unternehmen eine gute Herangehensweise, langfristig in den E-Commerce einzusteigen. Für Erwerbslose besteht darüber hinaus sogar die Option, sich passende Weiterbildungskurse von der Arbeitsagentur über einen sogenannten Bildungsgutschein finanzieren zu lassen.

Weitere Informationen zu Praktikums- und Studiumsmöglichkeiten in Online-Shops gibt es z. B. auf der Webseite des Sonnenschutz-Anbieters Livoneo.

 


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