26.02.2014 -

Wie der Arbeitsalltag während der Karnevalstage aussieht, hängt stark von der Region ab und ist eine individuelle Entscheidung der Unternehmen. Hier folgen Knigge- und Rechtstipps zum Thema.

In den Faschingshochburgen an Rhein und Main haben längst die Jecken das Kommando übernommen, denn für sie beginnt jetzt die heiße Phase der fünften Jahreszeit. Wie aber der Arbeitsalltag während der Karnevalstage aussieht, hängt stark von der Region ab und ist eine individuelle Entscheidung der Unternehmen.

Gegenseitige Toleranz im Karneval

Ob Karneval, Fasching oder Fastnacht: Die einen lieben das verrückte Treiben, die anderen können damit gar nichts anfangen und sind froh, wenn der Aschermittwoch vorbei ist. „Wichtig ist in diesen Tagen gegenseitige Toleranz und Feingefühl“, betont die Knigge- und Benimmtrainerin Karin F. Hallinger aus Landsberg am Lech. Vor allem im Büro ist es wichtig, die Bedürfnisse der anderen zu respektieren und sich an gewisse Regeln zu halten – sonst gibt es schnell Ärger mit den Kollegen oder dem Chef.

Weiberfastnacht: Vorsicht beim Krawattenkürzen 

Das Schlips-Abschneiden an Weiberfastnacht sollte im Büro vermieden werden, sofern Sie keinen (rheinländischen) Chef haben, der jedes Jahr demonstrativ wieder seine kürzer werdende alte Krawatte anzieht.

Wer sich ohne zu fragen mit der Schere an fremden Krawatten zu schaffen macht, kann im schlimmsten Fall von schlipsgeschädigten Herren auf Schadenersatz verklagt werden. Denn: Rechtlich gesehen gilt das Schlipsabschneiden als Eigentumsverletzung. „Am besten fragt man, bevor man die Schere ansetzt, damit die Herren in die jecke Tat einwilligen können“, rät Pamela Klein, ROLAND-Partneranwältin von der Remscheider Kanzlei Dr. Bürgel & Kollegen.

Karnevalsfeier im Büro? Der Chef entscheidet

Wenn Sie vorhaben, dem Karneval auch am Arbeitsplatz zu frönen und mit den Kollegen eine Polonaise durchs Büro zu tanzen, sollten Sie derartige Vorhaben unbedingt vorher mit Ihrem Chef besprechen. Auch unerlaubter Alkoholgenuss am Arbeitsplatz kann üble Folgen haben, auch wenn es sich nur um ein Glas Sekt handelt. Im schlimmsten Fall droht Ihnen eine Abmahnung.

Bei vielen Firmen in den rheinländischen Hochburgen ist es durchaus üblich, dass die Mitarbeiter verkleidet im Büro sitzen. Ähnliches wäre etwa in Bayern undenkbar und man würde in Verkleidung eher schräge Blicke ernten. Enthält der Arbeitsvertrag oder die Betriebsvereinbarung Kleidungsvorschriften, sind diese zu beachten.

„Ob auf die ‚tollen Tage’ im Büro angestoßen werden darf und ob Kostüme erlaubt sind, bestimmt der Chef. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert eine Abmahnung, im Wiederholungsfalle sogar die Kündigung“, erklärt Pamela Klein.

„Es gibt auch andere Wege, ein wenig Stimmung ins Büro zu bringen“, meint Karin F. Hallinger. „So spricht zum Beispiel nichts dagegen, einfach ein paar Krapfen mit ins Büro zu bringen und den Kollegen anzubieten. Vielleicht bekommt der ein oder andere durch solche Leckereien ja Lust, nach Büroschluss noch mit Ihnen um die Häuser zu ziehen.

Wer feiern kann, muss auch wieder arbeiten können

Wenn Sie während der Arbeitszeit feiern gehen wollen, müssen Sie Urlaub beantragen; die Faschingstage sind keine offiziellen Feiertage. Lediglich in den Karnevalshochburgen gibt es in vielen Unternehmen entsprechende Betriebsvereinbarungen oder spezielle Regelungen im Arbeitsvertrag, laut denen die Mitarbeiter etwa am Rosenmontag frei haben.

Fehlt ein Arbeitnehmer wegen ausgiebigen Feierns am Folgetag unentschuldigt, kommt er seiner Pflicht, zur Arbeit zu erscheinen, nicht nach. „Wer zu kräftig feiert und deswegen nicht zur Arbeit kommt, muss mit einer Abmahnung rechnen. Wiederholt sich der Vorfall, ist die ordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechtmäßig“, so Pamela Klein. Es gilt also das altbewährte Motto: Wer feiern kann, kann auch arbeiten.

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