16.07.2013 -

Die Deutschen sind insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit, als bisher angenommen. Eine besondere Rolle nimmt dabei nicht etwa das große Geld, sondern der Chef ein. Warum das so ist und was Sie tun können, wenn Sie mit dem Vorgesetzten gar nicht so glücklich sind, erfahren Sie hier.

Die Arbeit in Deutschland ist deutlich besser als ihr Ruf: Neun von zehn Arbeitnehmern hierzulande sind mit ihrem derzeitigen Job vollauf zufrieden. Darauf verweist das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in zwei Studien zur Qualität der Arbeit. Demnach sind mehr als 88 Prozent der Erwerbstätigen mit ihrem derzeitigen Job zufrieden.

Aspekte wie Arbeitsplatzsicherheit, höheres Gehalt, wenig Stress oder nette Kollegen sind für viele Befragte in Deutschland weniger wichtig, als es in der öffentlichen Diskussion häufig den Anschein hat. Für die Arbeitszufriedenheit der Deutschen spielt vielmehr der Chef* eine besonders wichtige Rolle.

Arbeitnehmer wollen Einflussmöglichkeiten

Den meisten Arbeitnehmern sind Einflussmöglichkeiten ein Grundbedürfnis: Sie möchten eigene Ideen verwirklichen, Entscheidungen beeinflussen, die Zielvereinbarungen mitgestalten. Das IW hat festgestellt, dass es den meisten dabei schon reicht, wenn sie gelegentlich ein Wörtchen mitreden können.

Auch das Verhalten des Vorgesetzten ist für Beschäftigte von großer Bedeutung. Chefs, die einen respektvollen Umgang pflegen, gute organisatorische Fähigkeiten besitzen und ihre Mitarbeiter einbinden und über gute Konfliktlösefähigkeiten verfügen, tragen sehr zur Jobzufriedenheit bei.

Nicht genügend Unterstützung vom Chef

Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter auch nur gelegentlich unterstützen, steigt der Anteil der zufriedenen Beschäftigten bereits auf über 93 Prozent. Das erfahren hierzulande aber nur 69 Prozent der Befragten. Wenn von Unternehmensseite dann nichts geschieht, müssen Sie aber nicht tatenlos zusehen.

„Sei es, dass der Chef viel kritisiert, nur kontrolliert, ungerecht oder nicht entscheidungsfreudig ist, so ist das kein schicksalhaftes Los”, sagt Martina Bandoly, Karriereberaterin und Führungskräfteexpertin aus Berlin. „Im Laufe der Zeit haben sich in der Kommunikation zwischen Mitarbeiter und Chef wenig produktive Muster eingeschlichen.”

Veränderung beginnt beim Mitarbeiter

Der erste Schritt der Veränderung beginnt bei Ihnen selbst. „Versuchen Sie, den Chef so zu akzeptieren wie er ist. Es ist ein sehr schwieriger, aber machbarer Weg. Sobald Sie die Opferrolle verlassen und ins Handeln kommen, werden Sie feststellen, dass sich auch der Chef verändert. Das ist das Prinzip Aktion – Reaktion”, erklärt die Expertin.

Wie Sie das konkret umsetzen? Martina Bandoly empfiehlt zunächst zu versuchen, die Perspektive des Vorgesetzten zu verstehen: „Was könnten seine Ziele und Motive sein? Was erwarten seine eigenen Vorgesetzten von ihm und unter welchem Druck steht er selbst? Das weckt auf jeden Fall das Verständnis, besonders wenn Sie ehrlich überlegen, wie Sie selbst an der Stelle des Chefs handeln würden.”

Unterstützung anbieten und Sympathie aufbauen

Als nächstes beobachten Sie den Vorgesetzten und probieren dann, ihm bei Schwachstellen unter die Arme zu greifen. „Ist der Chef unorganisiert, so können Sie ihn zum Beispiel bei der Vorbereitung von Terminen unterstützen, auch wenn es nicht direkt zu den eigenen Aufgaben gehört”, sagt die Beraterin. „Sollte der Chef entscheidungsschwach sein, können Entscheidungsvorlagen mit eindeutigen Entscheidungsempfehlungen Vorgänge beschleunigen.”

Auch wenn Sie es schaffen die Sympathie zu steigern, können Sie den Chef zugänglicher machen. „Sympathie entwickelt sich durch Nähe. Uns werden Menschen immer sympathischer, je öfter wir Kontakt mit ihnen haben”, erklärt Martina Bandoly und schlägt vor: „Auch wenn es noch so schwer fällt, steigert es die gegenseitige Sympathie, den Chef bei passender Gelegenheit und in angemessener Dosierung zu loben. Auch der härteste Mensch ist für Lob empfänglich.”

Den Blick für Positives öffnen

Zeigen Sie Ihrem Chef also nicht zu deutlich, wenn Ihnen sein Führungsstil und sein Verhalten missfallen, denn er sitzt nun mal am längeren Hebel und Sie sind auf sein Wohlwollen angewiesen. Zu guter Letzt rät die Karriereexpertin den Blick aufs Positive zu lenken: „Kein Chef der Welt ist durch und durch ein schlechter Mensch. Was gibt es denn Gutes an ihm?”


*Der Einfachheit halber sprechen wir im Text vom Chef in männlicher Form, es kann aber natürlich auch die Chefin gemeint sein.

Martina Bandoly unterstützt als Karriereberaterin und Coach Menschen in beruflichen Umbruchsituationen. Mehr zu ihrem Angebot gibt es unter http://www.bandoly-karriereberatung.de.

Ein Beitrag von Stephanie Thun

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