Andere Länder, andere Sitten! Geschäftsreisende tun gut daran, sich über die Gepflogenheiten im Ausland im Vorfeld zu informieren –  etwa bei den Industrie- und Handelskammern, im Internet oder bei auslandserfahrenen Kollegen. Wer als teutonischer Tölpel ausländische Geschäftspartner vor den Kopf stößt, riskiert im schlimmsten Fall einen wichtigen Vertragsabschluss. Damit Ihnen das nicht passiert, haben wir einige charakteristische Eigenheiten Ihrer ausländischen Geschäftspartner zusammengestellt. In diesem Beitrag liefern wir Tipps im Umgang mit Nord-, Mittel- und Südeuropäern.

In den meisten europäischen Ländern dürften Ihnen mit Ihrer hiesigen guten Kinderstube keine eklatanten Fauxpas passieren. Trotzdem gibt es Unterschiede in der Mentalität, die Sie beachten sollten und auch die Wahl des Gesprächsthemas kann unter Umständen zum Fettnäpfchen werden. Generell gilt: Bei Reisen ins europäische Ausland sollten Sie die deutsche Geschichte immer im Hinterkopf behalten und diesbezüglich Feingefühl und Zurückhaltung beweisen. Zwar müssen Sie sich nicht pausenlos für die Geschehnisse im Dritten Reich entschuldigen. Ein übermäßig selbstbewusstes oder forderndes Auftreten wird Ihnen aber wahrscheinlich schneller als Arroganz ausgelegt als einem Geschäftspartner anderer Nationalität

Per Du in Skandinavien

Die Skandinavier genießen einen hohen Lebensstandard und zeichnen sich in Europa durch Ihre liberale Lebensweise aus. Hier findet man kaum Hierarchien. Selbst in Traditionsunternehmen wird kaum zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern unterschieden. Wundern Sie sich also nicht, wenn sich die Mitarbeiter aller Hierarchiestufen duzen und man auch Sie höchstwahrscheinlich mit dem Vornamen begrüßt. Wenn Sie jetzt auf das förmliche „Sie“ bestehen, wirkt das verbissen und unhöflich. Passen Sie sich den lockeren Gepflogenheiten an. Der Skandinavier ist an und für sich ein unverkrampfter Zeitgenosse, der Humor zu schätzen weiß. Aber in manchen Punkten hört der Spaß auf: Rauchen ist fast überall verpönt und in öffentlichen Gebäuden wie Büros und Gaststätten grundsätzlich verboten. Und auch beim Thema Alkohol sollten Sie sensibel sein – sei es beim Mittrinken (Alkohol ist sehr teuer in Skandinavien) oder als Small-Talk-Thema (vor allem die Schweden leiden noch immer häufig unter Alkoholproblemen).

„Excuse me“ in Großbritannien

Der Brite ist vor allem eins: korrekt. Absolute Pünktlichkeit und zum Teil übertriebene Höflichkeit sind Maßstäbe, an denen Sie sich messen lassen müssen. „Please“ und „Excuse me“ werden geradezu inflationär gebraucht und sollten deshalb auch von Ihnen möglichst oft zu hören sein. Seien Sie nicht irritiert, wenn Ihnen zur Begrüßung nicht immer die Hand gereicht wird. Das liegt am eher zurückhaltenden Naturell der Insulaner. Zurückhaltung empfiehlt sich ebenfalls, wenn Sie auf den Nordirland-Konflikt angesprochen werden. Auch Kritik an der Monarchie eignet sich keinesfalls als Small-Talk-Thema. In Kleidungsfragen sind Sie gut beraten, wenn Sie ein konservativ-formelles Outfit wählen. Es sei denn es ist Freitag: Am Casual-Day kommen auch Briten zunehmend legerer gekleidet ins Büro.

Tischmanieren in Frankreich

Wussten Sie, dass Sie in Frankreich das Baguette nie mit der oberen Kruste nach unten auf den Tisch legen dürfen? Das bringt Unglück! Auch bricht der Franzose das Baguette und schneidet es nicht. Geflügel hingegen wird keinesfalls mit den Händen gegessen, benutzen Sie Messer und Gabel. Der übertriebene Nationalstolz der Franzosen ist spätestens seit Napoleon legendär – machen Sie sich aber niemals darüber lustig. In Sachen Pünktlichkeit und Kleidung ist man in Frankreich etwas entspannter als in Großbritannien. Das Recht, sich zu Verspäten, gilt aber nicht für Sie. Wichtige Geschäftstermine sollten Sie nicht im Juli und August vereinbaren. Zu der Hauptferienzeit werden Sie in Frankreich kaum jemanden antreffen.

Gut angezogen in Südeuropa

Auf eine Terminanfrage um 9 Uhr morgens wird ein Spanier bestenfalls mit einer hochgezogenen Augenbraue reagieren. Eine Besprechung um 21 Uhr hingegen ist keine Seltenheit. Die spanischen Manager gelten als die elegantesten in Europa, nicht zuletzt wegen ihres immer perfekt gebügelten Oberhemdes. Mit der Kleiderordnung werden Sie in Südeuropa generell zu kämpfen haben – vor allem im Sommer. Greifen Sie als Geschäftsfrau auch bei infernaler Hitze niemals zu einem schulterfreien Top und einem zu kurzen Rock. Während Männer in Griechenland und Italien durchaus einen hellen Sommeranzug wählen dürfen, erwartet man Sie in Spanien und Portugal grundsätzlich mit dunklem Anzug und hellem Hemd.

Auch wenn es die Südeuropäer mit der Pünktlichkeit nicht so genau nehmen – eine Verspätung von 15 bis 30 Minuten ist nicht ungewöhnlich – sollten Sie sich nicht das gleiche Recht herausnehmen und einen neuen Geschäftspartner warten lassen. In Italien gehört es zum guten Ton, sich nach der Familie zu erkundigen. Einem Spanier gegenüber sollten Sie keine Kritik am Stierkampf äußern, in Portugal keine Vergleiche mit den spanischen Nachbarn ziehen und einen Griechen nicht auf den Zypern-Konflikt ansprechen.


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