Wie Sie hierzulande im Geschäftsalltag auftreten müssen, um Ihre Karriere zu fördern, wissen Sie. Doch sind Sie auch noch kniggefest, wenn der Chef Sie in die USA, nach Russland oder China schickt? Denn hier gilt: Andere Länder, andere Sitten. Die wichtigsten haben wir für Sie zusammengefasst

Im letzten Newsletter haben Sie erfahren, wie sie in Geschäftsbeziehungen mit unseren europäischen Nachbarn punkten können. Heute nehmen wir die geschäftlichen Umgangsformen mit russischen, amerikanischen und chinesischen Geschäftspartnern genauer unter die Lupe.

In den USA: Vorsicht bei Komplimenten

Auf Pünktlichkeit und diszipliniertes sowie höfliches Verhalten wird im amerikanischen Geschäftsleben großen Wert gelegt. Die Businesskleidung ist sehr formell: Herren tragen grundsätzlich dunkle Anzüge mit hellen Hemden. Krawatte ist Pflicht! Geschäftsfrauen wählen in der Regel ein Business-Kostüm, immer häufiger auch einen Hosenanzug. Nackte Beine und eng anliegende Hosen sind verpönt. Ausnahme ist in den meisten Unternehmen der Casual Friday, an dem man in legerem Outfit zur Arbeit erscheinen darf.

Anders als in Deutschland sprechen sich die Geschäftspartner mit den Vornamen an. Dennoch sind Hierarchien für die Amerikaner sehr wichtig und dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Es ist durchaus üblich, zu einem Geschäftstermin mit einem erfahrenen Anwalt zu erscheinen. Im US-Geschäftsleben werden Männer und Frauen absolut gleich behandelt. Komplimente an Geschäftspartnerinnen sollten Sie unterlassen, ebenso wie intensiven Blickkontakt – das kann in den USA sehr schnell als sexuelle Belästigung ausgelegt werden.

Beim Geschäftsessen wählen Sie Wein oder Wasser. Bier ist unangemessen. Generell wird zu geschäftlichen Anlässen nur wenig Alkohol konsumiert. In den USA wird alles auf dem Teller in mundgerechte Stücke zerteilt, das Messer dann auf dem rechten oberen Tellerrand abgelegt und nur noch mit der Gabel gegessen. Die freie Hand gehört dann unter den Tisch. Dennoch sehen die Amerikaner die europäische Tischkultur als Vorbild an, sie müssen sich also nicht verstellen.

In Russland: Durchhaltevermögen ist gefragt

Die „neuen Russen“ gelten als modern und aufgeschlossen. Trotzdem ist Russland immer noch Männerland und 90 Prozent der Arbeitslosen sind Frauen. Als Begründung wird meist die Etikette bemüht. Die Emanzipation verletzt den Stolz des russischen Mannes. Es gilt in Russland als absolut unhöflich, wenn Frauen Weinflaschen selber öffnen, in Anwesenheit von Männern eine schwere Tasche tragen oder gar die Rechnung bezahlen „müssen“.

Generell wird viel Wert auf Statussymbole, wie Handys, schicke Autos und teures Essen gelegt. Wenn Männer in der Öffentlichkeit viel Alkohol trinken, wird das nicht als negativ beurteilt. Eine Einladung, den Geschäftspartner zu Hause zu besuchen, dürfen Sie keinesfalls ausschlagen. Bringen Sie der Dame des Hauses ein Gastgeschenk mit und weigern Sie sich nicht, die Ihnen angebotenen Hausschuhe zu tragen. Die Businesskleidung entspricht dem europäischen Standard. Im Winter ist es jedoch durchaus üblich in Stiefeln zum Geschäftstermin zu fahren und erst vor Ort die Schuhe zu wechseln.

Bei Verhandlungen müssen Sie Durchhaltevermögen zeigen. Die russischen Bürokratiemühlen mahlen langsam und vorzeitig Deadlines zu setzen, gilt als unhöflich. Zumal diese im Gros der Fälle ohnehin nicht eingehalten werden kann. Russische Geschäftspartner scheuen sich nicht, während der Verhandlung Ihre Gefühle durch Mimik und Gestik kundzutun. Zustimmung und Zufriedenheit werden durch Winken und Nicken zum Ausdruck gebracht. Schüttelt man Ihnen nach dem Treffen intensiv die Hände, dürfen Sie sich über einen erfolgreichen Geschäftstermin freuen. Geschäftspartnerinnen werden in Russland dann beim nächsten Treffen mit einem dreifachen Wangenkuss begrüßt.

In China: Keine Zähne zeigen

In Asien ist eine der wichtigsten Regeln, das Gesicht zu wahren. So wird Ihnen auch bei chinesischen Geschäftspartnern auffallen, dass Mimik und Gestik nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Sie sind gut beraten, dass gleiche zu tun, denn nicht unbedingt haben Gesten die gleiche Bedeutung wie bei uns. Zeigen Sie nicht mit dem Finger auf Gegenstände oder Personen. Bei lautem Lachen die Zähne zu zeigen, gilt als unanständig. Halten Sie sich deshalb immer die Hand vor den Mund.

Offene Konfrontationen werden Sie in China nicht austragen können. Das Wort „nein“ existiert im Sprachgebrauch nicht und ein „Ja“ bedeutet nicht zwingend auch die Zustimmung des chinesischen Geschäftspartners. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, um herauszufinden, welcher Meinung dieser wirklich ist. Um einen Chinesen nicht vor den Kopf zu stoßen, sollten auch Sie anstelle einer direkten Verneinung eine ausweichende Formulierung finden. Dafür dürfen Sie dann aber bei Tisch nach Herzenslust schmatzen und rülpsen. Damit zeigen Sie, dass es Ihnen richtig gut schmeckt.

Visitenkarten, möglichst zweisprachig, sind unverzichtbar für chinesische Geschäftsbeziehungen und werden immer mit beiden Händen übergeben. Man begrüßt sich in China in der Regel mit einer Verbeugung und nicht mit einem Händedruck. Hierarchien sind sehr wichtig und nur gleichrangige Geschäftspartner dürfen miteinander verhandeln. Bei der Business-Kleidung sollten Sie auf Schwarz und Weiß verzichten, denn dieses sind Trauerfarben. Ansonsten gelten konservative Standards: Männer tragen dunkle Anzüge, Frauen Kostüme in gedeckten Farbe und ohne Aufsehen erregenden Ausschnitt.


(Quellen: stern.de, wissen.de, BIZZ Karriereguide)