Professionelle Pflege im Alter ist ein viel diskutiertes und gleichzeitig auch ein besonders emotionales und existentielles Thema. Denn nicht immer ist die Unterbringung in einem Pflegewohnheim für den Patienten die beste Lösung: Fast 90 Prozent aller Über-50-Jährigen geben an, ihre Wohnung oder ihr Haus im Alter ungern verlassen zu wollen. Genau hier setzt das Konzept der ambulanten Altenpflege an: Eine Pflegefachkraft, die den Patienten vor Ort in seiner eigenen Wohnung bei ausgewählten Tätigkeiten unterstützt, ermöglicht diesem die Erhaltung größtmöglicher Selbstständigkeit. Dadurch kann der Patient wie gewohnt seine sozialen Kontakte aufrecht erhalten, genießt aber zugleich ein individuell festgelegtes Maß an Sicherheit durch die regelmäßigen Hausbesuche der professionellen Pflegekraft. Dieses Konzept, das für viele Pflegebedürftige eine echte Alternative zum oft gefürchteten, stationären Wohnheim darstellt, bietet auch für die ausgebildeten Pflegekräfte viele Vorteile. Wir haben mit Julia, 24, aus Straubing über ihren Arbeitsalltag in der häuslichen Krankenpflege Renate Protschka und die Anforderungen an diese spannende Tätigkeit gesprochen.

Wie sieht für dich ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag aus?

Mein Arbeitstag beginnt offiziell dann, wenn ich zum ersten Patienten komme. Die Tätigkeiten sind unterschiedlich, dazu gehören Blutzucker messen und Insulin spritzen (bei Diabetikern), Assistenz bei der Einnahme von Medikamenten, Hilfe bei der Körperpflege, Duschen, Baden, Rasur bei den Männern, Hilfe beim Ankleiden, Hilfe bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (z.B. Rollos hochziehen, Betten machen, Frühstück richten, Müll entsorgen), verschiedene Wundverbände, Apothekengänge, Arztbesuche, Stützstrümpfe anziehen, …

Wie flexibel lassen sich deine Arbeitszeiten gestalten?

Als Vollzeitkraft arbeite ich 40 Std. pro Woche. Die Tagesarbeitszeiten sind dabei ganz unterschiedlich, je nach Länge der Tour. In der Regel arbeite ich 12 Tage am Stück und habe dann ein Wochenende frei. Die Feiertage werden gerecht aufgeteilt; wenn ich also an Weihnachten arbeite, habe ich Silvester frei. Das wird individuell mit dem Arbeitgeber abgestimmt.

Gilt das auch für Mitarbeiter mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, die weniger flexibel sind und ggf. nur in Teilzeit arbeiten können?

Wir haben einige Kollegen, die Kinder haben. Dafür gibt es sogenannte „Mama-Touren“, die erst gegen 07:30 oder 08:00 Uhr starten, damit genug Zeit ist, die Kinder vorher zur Schule oder in den Kindergarten zu bringen. Darüber hinaus haben wir viele Teilzeitkräfte, die beispielweise nur an Wochenenden arbeiten oder die Spätschicht übernehmen.

Welche emotionalen Fähigkeiten sind deiner Meinung nach neben den in der Ausbildung erlernten Fachkenntnissen für die Tätigkeit als Altenpfleger/in besonders relevant?

Ich denke, dass vor allem Soft Skills wie Flexibilität, Empathie, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit, Humor und Organisationstalent sehr wichtig sind. Ganz zentral ist dabei die Fähigkeit, das richtige Maß von Nähe und Abstand zu finden. In diesem Beruf gehört das Sterben dazu. Deshalb sollte man versuchen, keine zu emotionale Bindung zu den Patienten aufzubauen. Darüber hinaus sind sowohl die physischen als auch die psychischen Anforderungen an die Tätigkeit eines Altenpflegers hoch. Ich versuche immer möglichst rückenschonend zu arbeiten und treibe nebenher Sport, um meine Rückenmuskultur zu stärken. Schwierig kann es manchmal werden, wenn man mit ansehen muss, wie ein Patient leidet und man gegen seine Schmerzen nichts tun kann – oder wenn man gar Sterbende begleiten muss. Patienten, die durch Krankenheiten, wie beispielsweise Demenz oder Schizophrenie, in ihrer Persönlichkeit verändert sind, brauchen besonders viel Zuwendung. Das kann manchmal ganz schön anspruchsvoll sein.

Sicher gibt es im Pflegebereich häufig neue Aspekte, die du dir aneigenen musst. Wie bereitest du dich darauf vor – und unterstützt dich dein Arbeitgeber dabei?

Das stimmt, gerade in diesem Beruf gibt es ständig Neuerungen und Änderungen. Mein Arbeitgeber informiert uns regelmäßig über Fortbildungen, an denen wir teilnehmen dürfen. Die Trainings sind super – so bleibt man auf dem neuesten Stand oder kann Inhalte vertiefen. Darüber hinaus hat man als gelernte Altenpflegekraft natürlich die Möglichkeit, sich extern weiterzubilden und eine Zusatzqualifikation zu erlangen. Mich würde beispielsweise eine Weiterbildung zur Palliativfachkraft sehr interessieren.

Was gefällt dir an deinem Beruf besonders?

Der tägliche Kontakt zu Menschen, die besondere Pflege benötigen, ist sicherlich anspruchsvoll und auch mal anstrengend, kann aber auch sehr bereichernd sein – gerade wenn man die Dankbarkeit der Patienten spürt. Für die ambulante Pflegetätigkeit habe ich mich damals entschieden, weil diese mir die Möglichkeit gibt, bei Bedarf auch einfach nur mal mit den Patienten oder Angehörigen zu reden – ohne Terminstress im Rücken. Denn gerade diese kleinen persönlichen Gespräche sind das, was unsere Arbeit auszeichnet, weil sie den Patienten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. An dieser Stelle ist übrigens eine gute Allgemeinbildung und vor allem geschichtliches Wissen ein echter Vorteil! So kann man individuell auf die Patienten eingehen, wenn sie beispielsweise aus ihrer Jugend berichten.

Der Bedarf an Pflegekräften steigt schon seit vielen Jahren rasant an. Wie gestaltet sich bei euch die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften?

Der Fachkräftemangel ist definitiv spürbar. Es ist schwierig, geeignetes Personal zu finden und das wird wohl in den nächsten Jahren nicht besser werden, da viel zu wenig Schulabgänger diesen Beruf erlernen wollen. Was aber vermutlich auch mit den vielen Vorurteilen dieser Tätigkeit gegenüber zu tun hat.

Welche Tipps würdest du jungen Schulabgängern geben, die mit dem Gedanken spielen, eine Ausbildung zum Altenpfleger zu absolvieren?

Wer in den Pflegebereich einsteigen möchte, sollte vorher auf jeden Fall ein Praktikum machen – am besten sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich, um schon zu Beginn abzustecken, in welchem Konzept man sich wohler fühlt. Denn die beiden Bereiche können schon sehr unterschiedlich sein. Ist man sich nicht sicher, ob man die dreijährige Ausbildung zum/zur examinierten Altenpfleger/in absolvieren möchte, gibt es auch die Möglichkeit einer einjährigen Ausbildung zum/zur Pflegefachhelfer/in – ideal, um einen Einblick in die Branche zu bekommen.

 

Weitere Informationen: http://pflegedienst-protschka.de/

 


Quelle: www.zukunft-finden.de

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