Teil 2 unserer großen Städteserie: Heute nehmen wir Berlin unter die Lupe. Noch immer herrscht hier eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit, doch es tut sich etwas in der Hauptstadt. Die Zukunft gehört Projektarbeitern und Selbstständigen.

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Berlin ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Ein Mekka für Künstler, Kreative und diejenige, die unkonventionell leben wollen. Auch im Ausland hat sich Deutschlands Hauptstadt längst den Ruf einer hippen Metropole erworben, die in einem Atemzug mit London, Barcelona oder New York genannt wird. Mit über 3,5 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 892 km² ist sie die bevölkerungsreichste und größte Stadt in Deutschland.

Schaut man aber genauer hin, offenbaren sich neben den Superlativen auch die strukturellen Probleme, mit denen die Stadt zu kämpfen hat. Und die gehen weit über das Flughafendebakel hinaus.

Wenig feste Jobs und hohe Kriminalität

Im aktuellen Städteranking der Wirtschaftswoche belegt Berlin auf dem Niveau-Index einen traurigen 43. Platz. Im Auftrag von Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und Wirtschaftswoche untersuchen Wissenschaftler regelmäßig die 50 einwohnerstärksten kreisfreien Städte der Bundesrepublik im Hinblick auf ihre Lebensqualität und Arbeitsmöglichkeiten. Berlins Schwächen zeigen sich dabei vor allem auf dem Arbeitsmarkt.  Mit einer Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent liegt die Hauptstadt abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Rund 14.900 Straftaten werden pro 100.000 Einwohner begangen. Nur in Köln und Frankfurt am Main sind es noch mehr.

Berlin im Aufbruch

Doch in Berlin tut sich etwas. Die Stadt kämpft sich aus der strukturellen Krise, die Mauerbau und Wiedervereinigung hinterlassen haben. Parallel zum Niveau-Ranking, das den Ist-Zustand bewertet, wird in der Studie auch ein Dynamik-Ranking erstellt. In diesem wird ersichtlich, wie sich die 50 Städte seit 2006 entwickeln. Berlin schafft es dabei auf Platz 9. In fast allen Bereichen kann die Stadt positive Veränderungen vorweisen. Seit 2006 ist die Arbeitslosenquote stetig gesunken und in diesem Jahr erstmals einstellig. Auch die Straftaten sind rückläufig. Fast 42 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden in Berlin in einer Kita betreut – ein Wert von dem Familien in anderen deutschen Großstädten nur träumen können.

Wohnraum: großzügig und erschwinglich

Ein weiterer großer Pluspunkt Berlins sind die freundlichen Mietpreise. Während man laut Mietspiegelindex 2016 in München stolze 17,41 Euro/m² hinblättern muss, kostet der Quadratmeter in Berlin im Durchschnitt nur 10,33 Euro. Hinzu kommt: In Berlin wird derzeit gebaut, wie in keiner anderen deutschen Metropole. Große Brachflächen im Stadtinneren ermöglichen dabei neue, attraktive Wohnformen wie zum Beispiel Townhouses – moderne Einfamilienhaussiedlungen mitten in der Stadt.

Viel Natur & Kultur in und um Berlin

Wer mit dem Flugzeug nach Berlin reist, erkennt von oben sofort, was die Stadt in punkto Naherholung zu bieten hat. Unzählige Parks, Wiesen, Wälder und Seen bilden erholsame Oasen im Großstadtdschungel. Über 420.000 Bäume säumen die Straßen Berlins. Dazu ein kulturelles Angebot, das seinesgleichen sucht. Die Stadt steht für eine schillernde Musikszene mit Opernhäusern, weltbekannten Orchestern und Chören wie zum Beispiel den Berliner Philharmonikern bis hin zu bekannten Stars wie Max Raabe, Die Ärzte, SEED oder Rammstein. Konzerte und Festivals sind an der Tagesordnung, die Berlinale sicher eines der Bekanntesten. Dazu eine Vielzahl an Theatern und Museen, darunter die als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnete Museumsinsel. In der pulsierenden Hauptstadt findet jeder die passende Zerstreuung und Unterhaltung.

Projektarbeit statt Festanstellung

Doch wer in Berlin arbeiten und leben möchte, muss umdenken. Festanstellungen sind Mangelware. Die Stadt verfügt nicht über ausreichend viele und große Arbeitgeber. Beispielhaft zu nennen sind die Deutsche Bahn AG, Charité, Vattenfall, Springer Verlage, Deutsche Telekom AG, Bayer Schering Pharma AG oder die Deutsche Post DHL. Laut TAZ haben in der Stadt in den letzten Jahren atypische Arbeitsverhältnisse zugenommen: Teilzeit, Leih- und Projektarbeit oder mehrfache Jobs statt nur einem Beruf. Das bedeutet auf der einen Seite weniger Absicherung und weniger Trennung zwischen Job und Freizeit. Auf der anderen Seite bietet Berlin gerade kreativen Köpfen viel Flexibilität und Chancen, um eigene Ideen zu verwirklichen. Nirgendwo in der Republik ist die Selbstständigen-Quote so hoch wie in Berlin. Experten sehen Berlin als Modell für Entwicklungen, die sich weltweit abzeichnen. Nach der Industriegesellschaft folge die Zeit der Dienstleistungen, des Wissens, der Kommunikation und der „kreativen Ökonomie“. Die deutsche Hauptstadt scheint dafür die geeigneten Ressourcen zu haben.


Quellen:www.arbeit-in.info, www.berlin.de; www.insm-wiwo-staedteranking.de; www.taz.de; www.focus-online.de

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