Wer sich intern auf eine neue Stelle bewirbt, genießt gewisse Heimvorteile. Zu glauben, man hätte den Job mit einem Handschlag in der Tasche, ist aber fatal. Gerade im internen Bewerbungsprozess ist oftmals besonderes Fingerspitzengefühl erforderlich. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Sie arbeiten für ein interessantes Unternehmen? In einem angenehmen Arbeitsklima, mit sympathischen Kollegen und einer beneidenswerten Führungskultur? Trotzdem wollen Sie sich verändern und weiterentwickeln, neue Herausforderungen meistern und Ihre Karriere vorantreiben. Nicht immer ist der Jobwechsel in ein anderes Unternehmen der zwingende Schritt, um den beruflichen Erfolg zu steigern. Gerade wenn man sich bei seinem aktuellen Arbeitgeber wohlfühlt, kann eine interne Stellenausschreibung die clevere Alternative sein.

Das spricht dafür: Insider-Wissen, Zeitvorsprung und Vitamin B

Die Vorteile liegen auf der Hand: Anders als in einem neuen Unternehmen müssten Sie nicht bei null anfangen. Sie sind bereits vertraut mit den Strukturen und Abläufen – den offiziellen wie den inoffiziellen. Vermutlich kennen Sie die neuen Kollegen schon. Und auch an Ihren neuen Chef müssen Sie sich nicht erst „herantasten“. Für die neuen Kollegen sind Sie weitestgehend einsatzbereit; eine längere Einarbeitung ist meist nicht nötig. Bei einer internen Bewerbung können Sie auf Insider-Wissen zurückgreifen, das externen Kandidaten nicht zur Verfügung steht. Worauf legt der neue Chef besonderen Wert? Wie trägt Ihre Abteilung zu den Unternehmenszielen bei? Wo gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten?

Außerdem kann „Vitamin B“ hilfreich sein, etwa um so viel wie möglich über die ausgeschriebene Stelle in Erfahrung zu bringen. Vielleicht pflegen Sie bereits gute Kontakte in die neue Abteilung oder ins Personalbüro. Aber Vorsicht: Gehen Sie diskret dabei vor und bitten Sie nur Kollegen um Unterstützung, denen Sie absolut vertrauen können. Bei einer internen Stellenausschreibung haben die Mitarbeiter meist einen kleinen Zeitvorsprung. Unternehmen mit einem Betriebsrat sind nämlich in der Regel dazu verpflichtet, freie Stellen vorab intern auszuschreiben, wenn dies der Betriebsrat fordert. Das Stellenangebot wird oft erst zwei Wochen nach der internen Ausschreibung veröffentlicht und damit auch für externe Bewerber zugänglich – vorausgesetzt es findet sich kein geeigneter Kandidat in den eigenen Reihen.

Ein interne Bewerbung ist kein Selbstläufer

Dennoch: Eine interne Stellenausschreibung bedeutet keinen Job-to-Go, den man in der Mittagspause klar macht, weil man dort gelegentlich mit dem Personalverantwortlichen einen Espresso trinkt. Wer eine Bewerbung im eigenen Unternehmen auf die leichte Schulter nimmt, riskiert nicht nur die Absage, sondern unter Umständen auch unangenehme Auswirkungen auf seinen aktuellen Job. Denn egal, wie sehr Sie sich um Diskretion bemühen, wirklich geheim halten lässt sich die verpatzte Bewerbung vermutlich nicht und jeder Fehler wird auf Sie zurückfallen. Deshalb sollten einen Stellenwechsel innerhalb Ihres Unternehmens genauso professionell und gewissenhaft angehen, als würden Sie sich bei einem neuen Arbeitgeber bewerben.

Professionelle und vollständige Unterlagen sind ein Muss

Ganz egal ob Sie sich intern oder extern bewerben, reichen Sie immer vollständige Bewerbungsunterlagen ein. Bei der Erstellung von Anschreiben und Lebenslauf wird von Ihnen die gleiche Sorgfalt erwartet, wie bei einer externen Bewerbung. Lassen Sie sich nicht zu einem „Hallo Klaus“ oder „Liebe Gabi“ im Anschreiben hinreißen – das ist unprofessionell und wird sie keinen Schritt weiter bringen. „Sehr geehrte/r Herr/Frau“ ist auch bei internen Stellenausschreibungen die angemessene Anrede, selbst wenn Sie sich im Arbeitsalltag duzen. Begründen Sie im Anschreiben, warum Sie eine neue Herausforderung suchen, ohne ihre jetzige Arbeit abzuwerten. Stellen Sie im Lebenslauf ihre beruflichen Erfolge heraus, die für die neue Stelle von Belang sind. Aber Achtung: Übertreibungen und Mogelei fallen im eigenen Unternehmen schneller auf.

Im Vorstellungsgespräch: Der Personaler kennt Ihre Fehler

Vor allem im Vorstellungsgespräch wird der Heimvorteil zu spüren sein. Schließlich arbeitet man im selben Unternehmen und kennt sich. Das sollte Nervosität und Aufregung Einhalt gebieten. Auch fallen im Gespräch allgemeine Fragen zum Unternehmen weg, so dass Sie mehr Zeit haben, sich über die neue Herausforderung zu unterhalten. Bereiten Sie sich umfassend darauf vor. Überlegen Sie, mit welchen Erfahrungen oder Projekten sie in der neuen Position aus Unternehmenssicht punkten können. Gehen Sie auch davon aus, dass der Personaler über mögliche Fehltritte ihrerseits bestens informiert ist und Sie bitten wird, dazu Stellung zu nehmen. Auf die Frage nach dem Warum sollten Sie ebenso vorbereitet sein. Das schlechte Verhältnis zum Chef oder nervenden Kollegen sind keine empfehlenswerten Begründungen. Seinen aktuellen Vorgesetzten oder Kollegen zu kritisieren oder Interna aus der Abteilung auszuplaudern, ist bei einer internen Bewerbung noch verhängnisvoller als bei einem Vorstellungsgespräch in einem anderen Unternehmen.

Keine verbrannte Erde hinterlassen

Hat es mit dem neuen Job im Unternehmen geklappt, ist es Zeit, die Kollegen offiziell zu informieren und eine saubere Übergabe aller Aufgaben und noch offenen Projekte an Ihren Nachfolger in die Wege zu leiten. Auch wenn Sie im Unternehmen bleiben und für Rückfrage verfügbar sind, sollten Sie die Kollegen gewissenhaft einarbeiten. Denn müssen die Sie später wegen jeder Kleinigkeit kontaktieren, können Sie sich kaum auf Ihre neue Aufgabe konzentrieren und der Start missglückt. Bedenken Sie, dass es immer Kollegen oder Vorgesetzte geben kann, die Ihren Wechsel persönlich nehmen. Suchen Sie das Gespräch mit Ihnen und erklären Sie Ihre Beweggründe. Gestalten Sie Ihren Weggang so reibungslos wie möglich. Gehen sie im Guten auseinander und hinterlassen Sie keine verbrannte Erde, denn das könnte Ihnen später noch Probleme bereiten.


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