Interim Management ist in deutschen Unternehmen etabliert und wird insbesondere zur Vakanzüberbrückung eingesetzt. Vor allem auf der ersten und zweiten Managementebene, aber auch als Projektleiter werden Interim Manager gern eingesetzt.

Laut der jährlichen Marktumfrage des Arbeitskreises Interim Management Provider (AIMP) wächst die Interim Branche weiter im Vergleich zu den Vorjahren, wenn auch verhaltener. Der deutsche Maschinen- und Automobilbau sowie die Pharma- und Chemiebranche stehen für 60 Prozent der Interim Mandate. Eingesetzt werden vor allem Personaler, Techniker und Controller.

Etablierte Lösung im HR-Management

Fast 75 Prozent der Unternehmen im deutschsprachigen Raum kennen Interim Management als bewährte Dienstleistung im Personalgeschäft, vor allem bei personellen Engpässen zur Vakanzüberbrückung. Auf diesen Einsatz spezialisierte Interim Manager bringen viele Vorteile mit: Sie sind schnell verfügbar, fachlich hochqualifiziert und verfügen über eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit. Im Vergleich zu Unternehmensberatern konzentrieren sie sich auf die Um- und Durchsetzung der Aufgaben und Projekte in einem Unternehmen. Ungefähr ein Fünftel aller Interim Manager agiert auf der Top-Ebene, aber bereits 20 Prozent sind der klassischen Projektarbeit zuzuordnen.

Steigende Tagess├Ątze f├╝r Interim Manager

Laut AIMP gibt es derzeit 14.200 Interim Manager und die freuen sich aktuell über steigende Tagessätze. Der durchschnittliche Tagessatz eines Interim Managers steigt von 930 Euro (2012) auf 1.018 Euro (2013) für den Auftraggeber. Der AIMP ordnet im Rahmen seiner Analyse die Interim Manager insgesamt fünf Segmenten* zu. Die Bandbreite der Tagessätze innerhalb dieser Segmente reicht von durchschnittlich rund 650 Euro am unteren Ende bis zu etwa 1.750 Euro.

„Interim Management wird in der Euro- und Staatsschulden-Krise wieder zur kostensensiblen Chefsache. Dadurch können wir möglicherweise die gestiegenen Tagessätze erklären. Verblüffenderweise scheint jedoch für die Unternehmen oftmals der Preis ein Argument gegen den Einsatz eines Managers auf Zeit zu sein. Ein Interim Manager wird subjektiv als zu teuer empfunden, obwohl dies objektiv betrachtet in aller Regel falsch ist“, erklärt Jürgen Becker, Geschäftsführer von Manatnet und Mitautor der Studie. „Ich kenne genügend Fälle aus der Praxis, in denen der Interim Manager ein Vielfaches seiner Kosten fürs Unternehmen hereingeholt hat. “ Er meinte noch, er nehme sich vor, gemeinsam mit dem AIMP die Vorteile, die der Einsatz eines Interim Managers birgt, noch klarer zu kommunizieren.

Fachkr├Ąftemangel bedingt Wachstum im Personalbereich

„Es ist für uns bemerkenswert, dass der Bereich Personal im zweiten Jahr hintereinander vorn liegt“, erläutert Thorsten Becker, Geschäftsführer der Management Angels GmbH und ebenfalls Mitautor der Studie. „Dahinter steckt ganz offensichtlich mehr als eine ‚kleine Sonderkonjunktur‘, von der wir im vergangenen Jahr gesprochen haben. Wir denken, dass angesichts des demografischen Wandels und der Knappheit an guten Leuten die Unternehmen in der Personalarbeit aufrüsten. Für den Mittelstand kann ich das aus eigenem Geschäft bestätigen. Und: Hinter dem Stichwort ‚Ingenieurs-Lücke verbirgt sich eine grundsätzliche Knappheit an Technikern in Deutschland. Es kann daher nicht verwundern, dass Interim Manager für Technik gefragt sind – das spiegelt auch unsere Analyse wider: Im vergangenen Jahr machten Technik-Projekte bereits 14 Prozent aller Projekte aus. Im Jahr 2006 war es gerade einmal die Hälfte.“

Prognose 2013/2014: verhaltenes Wachstum

Insgesamt bewerten die Autoren Jürgen Becker und Thorsten Becker die Marktsituation als „positiv-herausfordernd“. Das zu erwartende Umsatzwachstum schätzen die Marktteilnehmer vorsichtig ein und erwarten in diesem Jahr ein Plus von 7 Prozent und 2014 eines von 9 Prozent. Somit liegt das Wachstum immer noch weit über dem Bruttoinlandsprodukt. Die Providerstudie kommt für das Interim Geschäft zu einem Marktvolumen von insgesamt 2,16 Milliarden Euro in Deutschland. Das entspricht einem Wachstum von gut 200 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

 


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