Von A wie Arbeitsvertrag bis Z wie Zeugnis – die meisten Belange zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind gesetzlich geregelt. Trotzdem herrscht gerade bei Arbeitnehmern häufig Unklarheit. Zusammen mit dem Rechtsanwalt Bernhard Lehner fassen wir die für Sie wichtigsten Aspekte im Arbeitsrecht verständlich zusammen. Dieser Beitrag widmet sich dem Thema Arbeitsvertrag.

Das Berufsleben ist in kilometerlangen Gesetzestexten und Vereinbarungen geregelt. Unmöglich, diese alle zu kennen. Allein über das wichtigste Papier im Arbeitsleben, den Arbeitsvertrag, herrscht häufig Unklarheit.  Doch keine Sorge. „Es gibt zwar viele Stolperfallen, aber in den meisten Fällen für den Arbeitgeber, der den Vertrag erstellt hat“, weiß Bernhard Lehner, Rechtsanwalt der Kanzlei Brodski und Lehner in München. Der Experte erläutert hier in mehreren Beiträgen die wichtigsten Aspekte des Arbeitsrechts. Heute nimmt er für Sie das Thema Arbeitsvertrag genauer unter die Lupe.

1. Nur ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist gültig.

„Nein, ein Arbeitsvertrag kann auch mündlich geschlossen werden. Allerdings ist der Arbeitgeber verpflichtet, die wesentlichen Vertragsbedingungen wie beispielsweise Arbeitszeit und -ort, Beschreibung der Tätigkeit oder Urlaubsdauer spätestens einen Monat nach Beginn der Beschäftigung schriftlich niederzulegen. Das ist schon allein aus Beweiszwecken zu empfehlen. Denn wenn es erst einmal zu Streitigkeiten oder einer Kündigung kommt, ist es für den Arbeitnehmer einfacher, seine Ansprüche zu beweisen.“

2. Zeitverträge können auch mündlich geschlossen werden.

„Theoretisch schon, aber die Befristung eines Arbeitsvertrages bedarf generell der Schriftform, sonst gilt dieser auf unbestimmte Zeit und kann nur unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist gekündigt werden.“

3. Was im Arbeitsvertrag steht, ist reine Verhandlungssache.

„Im Arbeitsvertrag muss das Wesentliche stehen, das zwischen den Parteien vereinbart wurde. Dazu gehören die Daten von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Arbeitsbeginn, bei befristeten Arbeitsverhältnissen die vorhersehbare Dauer, Arbeitsort, Tätigkeitsbeschreibung, Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts sowie Fälligkeit, Arbeitszeit, Urlaubsdauer, Kündigungsfristen und Hinweis auf eventuell anzuwendende Tarifverträge, Betriebs- und Dienstvereinbarungen. Was die Parteien darüber hinaus konkret vereinbaren, bleibt der ihnen zustehenden Vertragsfreiheit und den Grenzen des gesetzlich Zulässigen überlassen. In der Regel legt der Arbeitgeber einen Vertragstext vor, den der Arbeitnehmer unterschreibt. Dieser sollte aber darauf achten, dass für ihn günstige, vom Gesetz abweichende Vereinbarungen in den Vertragstext aufgenommen werden, damit im Streitfall einfacher Beweis zu führen ist.“

4. Zeitlich befristete Arbeitsverträge sind generell erlaubt und ihre Dauer ist beliebig.

„Grundsätzlich sind befristete Arbeitsverträge in zwei Fällen zulässig: Entweder es besteht ein sachlicher Grund für die Befristung (Zweckbefristung) – wie zum Bespiel die Vertretung eines Arbeitnehmers – oder die Befristung dauert höchstens zwei Jahre. Bei einer Zweckbefristung spielt die Länge der Befristung keine Rolle. Das Arbeitsverhältnis endet erst, wenn der Sachgrund weggefallen ist. Ohne Sachgrund kann der Vertrag auf maximal zwei Jahre befristet werden. Bis zu dieser Gesamtdauer ist auch eine dreimalige Verlängerung zulässig, so dass z.B. vier mal sechs Monate möglich sind.“

5. Die tägliche Arbeitszeit ist frei verhandelbar.

„Dies ist insoweit zutreffend, als die Arbeitszeit durch die zu erledigende Arbeit und die Bedürfnisse beider Parteien bestimmt wird. Sucht der Arbeitgeber eine Vollzeitkraft, wird er keine Teilzeitbeschäftigung anbieten und anders herum. Allerdings sind bei der Festlegung der Arbeitszeiten die gesetzlichen Vorgaben zu den Arbeitshöchstzeiten, Feiertagen, den Pausen usw. zu berücksichtigen. Demnach darf die tägliche Arbeitszeit maximal acht Stunden betragen. Sie kann aber auf bis zu 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden täglich nicht überschritten werden.“

Fünf weitere wichtige Fakten über Ihr vertraglich geregeltes Recht als Arbeitnehmer lesen Sie im nächsten Teil.


(Quelle: Kanzlei Brodski und Lehner, Leopoldstraße 50, 80802 München)

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