Aller Anfang ist schwer. Der des eigenen Bewerbungsanschreibens entpuppt sich nicht selten als Herkulesaufgabe. Stundenlang brütet man über diesen ersten ausschlaggebenden Worten. Prägnant sollen sie sein, mit intellektuellem Witz und natürlich müssen sie den Personaler auf Anhieb überzeugen – wie auch der Rest des Schreibens. Wie das gelingt, lesen Sie hier.

Wo findet man den perfekten Einstieg in das perfekte Anschreiben? Die Antwort: Nirgends. Es gibt ihn nicht, zum Glück. Sonst würden Personaler stundenlang das Gleiche lesen. (Im Internet bleibt nichts geheim.) Das soll Sie jetzt nicht in Verzweiflung stürzen, sondern im Gegenteil den Druck mindern, etwas Perfektes kreieren zu müssen. Beim Anschreiben gilt in erster Linie: Seien Sie Sie selbst. Kommen Sie auf den Punkt. Konsultieren Sie den Duden. Diese und andere hilfreiche Tipps haben wir für Sie zusammengestellt.

Die drei wichtigsten Regeln bei der Formulierung des Anschreibens

Seien Sie Sie selbst! Das bedeutet, das Anschreiben soll Ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Von einem Germanistik-Student erwartet man einen anderen Sprachstil als von einem Elektro-Ingenieur. Schreiben Sie in Ihrer Sprache! (natürlich kein Dialekt oder Umgangston) Sie sollen keinen Pulitzer-Preis gewinnen, sondern glaubwürdig sein.

Kommen Sie auf den Punkt! Reden Sie nicht mit allerlei Floskeln um den heißen Brei herum. Der Personaler will wissen, warum Sie sich bei genau diesem Unternehmen bewerben und warum genau Sie die vakante Position perfekt ausfüllen können. Liefern Sie ihm konkrete Argumente.

Konsultieren Sie den Duden! Ihr Schreibstil darf individuell sein, Ihre Rechtschreibung und Grammatik bitte nicht! Hier sind keine Fehler erlaubt. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihr Anschreiben von einem dudenfesten Freund oder Familienmitglied gegenlesen.

Noch mehr hilfreiche Tipps

Das Wort „Betreff:“ ist längst veraltet. Die Betreffzeile hingegen nicht. Mit einer klaren Formulierung à la „ Bewerbung um die Position des/der …“ weiß der Personaler sofort, worum es geht.

Die persönliche Anrede wird vorausgesetzt, wenn in der Stellenanzeige eine Kontaktperson angegeben wird. „Sehr geehrte Damen und Herren“ verwenden Sie in der Regel nur bei einer Initiativbewerbung. „Liebe Frau ABC“ oder „Hallo Herr XYZ“ sind tabu!

Steifes Formeldeutsch hat in etwa so viel Charme, wie eine Steuererklärung. Wer sich „mit großem Interesse“ und „bezugnehmend auf“ „hiermit um die Position XY“ bewirbt, braucht nicht mit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch rechnen.

Der erste Satz muss nicht der große Kreativknall sein. Nichts ist peinlicher, als „originelle“ Einstiegssätze im Netz zu googeln und als eigenen Einfallsreichtum zu verkaufen. (Personaler surfen gelegentlich auch auf Karriereseiten im Internet!) Weshalb wir Ihnen an dieser Stelle auch nichts Spaßiges bieten, sondern auf Ihren ganz eigenen Wortwitz vertrauen.

Ich habe, ich kann, ich möchte. Werden Sie im Anschreiben nicht zum Ich-Erzähler. Beim Leser erweckt das den Eindruck mangelnder Empathie. Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis aus persönlicher Ansprache und Eigendarstellung. Mit Satzanfängen wie „Sie suchen nach …“ oder „Ihr Unternehmen hat…“ zeigen Sie, dass Sie die Bedürfnisse des Unternehmens verstanden haben.

Würde der Konjunktiv funktionieren, könnten Sie sich freuen. Da dem aber nicht so ist, verzichten Sie im Anschreiben bitte auf unentschlossene hätte-würde-könnte-Formulierungen. Freuen Sie sich über eine positive Rückmeldung oder nicht? Na also. Dann schreiben Sie es genauso.

Unter Umständen sind Sie meist ziemlich zielorientiert? Brust raus! Schwächen Sie Aussagen nicht durch Worte wie eigentlich, vielleicht, möglichst oder eventuell ab. Formulieren Sie Ihre Fähigkeiten präzise und selbstbewusst, aber bitte ohne Superlative. Die Einschätzung, ob Sie der Beste, einmalig, toll, super und absolut mega sind, überlassen Sie bitte dem Personaler.

Der Call-to-action ist ein altbewährter Kniff der Werbefachleute. Der Leser wird zu einer konkreten Handlung aufgefordert – etwa an einer Umfrage teilzunehmen, den Artikel zu kommentieren oder weiterzuleiten. Auf subtile Weise funktioniert das auch im Anschreiben, indem Sie kundtun, sich über etwas zu freuen, das noch gar nicht entschieden ist, z.B.: „Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch.“

 

PS: Marketingstudien belegen, dass das Postskriptum unter einem längeren Schreiben fast immer gelesen wird. Meist sogar noch vor dem eigentlichen Text. Diese Erkenntnis lässt sich auch für das Anschreiben nutzen. Locken Sie den Personaler mit einer kreativen Formulierung, auch den Rest des Anschreibens zu lesen. Zum Beispiel: „PS: Sie sind noch nicht ganz überzeugt? Dann gibt Ihnen mein früherer Vorgesetzter, Max Maier, Sales Director der Verkaufsgut GmbH, gern fundiert Auskunft über meine Arbeit. Sie erreichen ihn unter 0123/ 456 789.

 

PS: Wenn Sie diese Tipps hilfreich fanden, dürfen Sie sich auf den nächsten Newsletter freuen. Dann nehmen wir den ersten Satz im Anschreiben noch einmal genauer unter die Lupe.

 

Quellen: www.staufenbiel.de, www.arbeits-abc.de, www.schnellerzurstelle.de

 


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