22.10.2012 -

Wer schon viel Lebens- und Berufserfahrung hat und dann einen jüngeren Chef bekommt, kann schon seine Schwierigkeiten mit der Situation haben. Die Karriere- und Führungsexpertin Martina Bandoly gibt hier wertvolle Tipps für ein gelungenes Verhältnis zur jungen Führungskraft.

Manchen ist schon sehr früh klar, dass sie als Führungskraft im Job ihre Erfüllung finden werden. Daher schlagen sie bereits im Studium diese Richtung ein und bekommen schon zum Anfang ihrer Karriere Verantwortung für andere Mitarbeiter übertragen.

Für erfahrene Arbeitnehmer ist es längst keine Seltenheit mehr, dass der Chef ein paar Jahre jünger sein kann. Aber wer zum ersten Mal einen jüngeren Chef vor die Nase gesetzt bekommt und an ihm förmlich noch die Eierschalen hinter den Ohren sieht, muss sich erst einmal mit der neuen Situation abfinden.

Jüngeren Chefs aufgeschlossen begegnen

Klar haben Sie dem jüngeren Chef einiges an Lebenserfahrung voraus, aber das sollten Sie ihn auf keinen Fall spüren lassen. „Treten Sie dem Chef trotz aller Zweifel aufgeschlossen gegenüber”, sagt Martina Bandoly, Karriereberaterin und Coach aus Berlin, und erklärt weiter: „Wenn Sie von Anfang an davon ausgehen, dass es mit so einem jungen Chef nichts werden kann, dann wird sich Ihre Selbstprophezeiung erfüllen, da Sie Ihre Aufmerksamkeit stets unbewusst auf das Negative lenken werden.”

Die Führungsexpertin rät stattdessen, ihm zuzuhören und sich darauf zu konzentrieren, welche Ziele er verfolgt und wie er Entscheidungen fällt. „Ihr Chef entscheidet über Ihre Aufgaben und Projekte und letztlich auch über Ihre Karriere. Blockieren Sie deshalb keine neuen Ideen, wenn Ihnen nicht der Ruf vorauseilen soll, dass Sie unflexibel und starr auf Neues reagieren”, sagt sie.

Gehen Sie sparsam mit Ratschlägen um

Auch wenn Sie merken, dass Sie dem Chef fachlich in einigen Dingen voraus sind, halten Sie sich besser mit Ratschlägen zurück. „Mit Besserwisserei werden Sie sich nicht den Respekt Ihres Vorgesetzten verschaffen, selbst wenn Sie sehen, dass er einen falschen Weg einschlägt”, so Martina Bandoly. „Sprechen Sie auch keine Warnungen aus, denn als Vorgesetzter hat er die Entscheidungsgewalt und er trägt die Verantwortung.”

Anders verhält es sich, wenn er Sie ausdrücklich um Ihre Einschätzung bittet. Viele Manager sind auf die Expertise ihrer Mitarbeiter angewiesen, egal ob sie jünger als diese sind oder nicht. „In dem Fall argumentieren Sie am besten aus der Ich-Position heraus – ‚Ich würde in dieser Situation Folgendes tun…’. So behält er das Gefühl der Entscheidungsfreiheit”, meint Bandoly.

Die Qualifikationen der jungen Führungskraft anerkennen

Junge Chefs schlagen häufig schon früh den Weg in Richtung Führungskraft ein. Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Tatsache haben, dass Sie reicher an Lebenserfahrung und sich im Unternehmen oder in manchen fachlichen Belangen besser auskennen und trotzdem der jüngeren Person untergestellt sind, rät die Karriereexpertin: „Versuchen Sie zu erfahren, weshalb das Management sich für Ihren Chef entschieden hat. Auch wenn er nicht über Ihre Lebenserfahrung verfügt, bringt er doch einen Wissensvorsprung und entsprechende Qualifikationen mit, ansonsten wäre er nicht Ihr Chef.”

Innovative Ideen und neue Sichtweisen

Überlegen Sie mal so: Allein dadurch, dass er jünger ist, hat dieser Chef so Einiges, was andere nicht haben. Er steht am Anfang seiner Karriere und das kann auch die Chance für erfahrene und langjährige Mitarbeiter sein. „Der jüngere Chef bringt wahrscheinlich innovative Ideen mit, die eine neue Sichtweise auf eingefahrene Prozesse ermöglicht”, meint Führungsexpertin Bandoly. „Er wird Themen und Projekte vorantreiben wollen und den Ideen seiner Mitarbeiter gegenüber auch aufgeschlossener sein, weil er selbst vorankommen möchte.”


Ein Beitrag von Stephanie Thun

Bild: © Anyka – Fotolia.com

Martina Bandoly unterstützt als Karriereberaterin und Coach Menschen in beruflichen Umbruchsituationen. Mehr zu ihrem Angebot gibt es unter http://www.bandoly-karriereberatung.de.